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Schutz vor KI-Cyberangriffen : Finanzbranche geht mit gutem Beispiel voran

Thomas Trenner
Thomas Trenner, Direktor Financial Services bei Cisco Deutschland Foto: Cisco

Seitdem KI-Agenten eigenständig Sicherheitslücken aufspüren und IT-Systeme angreifen, hat sich die Bedrohungslage auch für die Finanzbranche deutlich verschärft. Die EZB hat daher von Europas Finanzinstituten bis 31. Oktober Pläne gefordert, wie sie veraltete Systeme abbauen und ihre Angriffsfläche reduzieren. Dies sollte als Beispiel für andere Branchen dienen, sich an die neue Realität anzupassen, schreibt Thomas Trenner, Direktor Financial Services bei Cisco Deutschland, in seinem Standpunkt.

von Thomas Trenner, Cisco Deutschland

veröffentlicht am

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Im Sommer 2026 haben modernste KI-Modelle, etwa von Open AI und Anthropic, völlig eigenständig und ungeplant externe IT-Infrastrukturen erfolgreich angegriffen. Diese KI-Modelle werden auch von Cyberkriminellen für Angriffe genutzt. Damit beschleunigt sich der Wettlauf um das Ausnutzen und Schließen neu entdeckter Sicherheitslücken noch einmal deutlich.

Gerade Branchen mit kritischen Infrastrukturen wie der Finanzsektor, aber auch Energie, Gesundheitswesen oder öffentlicher Dienst, dürften besonders stark von neuartigen Angriffen betroffen sein. KI verkürzt für alle die Angriffszyklen auf Stunden, während Patchzyklen oft Monate dauern. Und hier liegt ein großes Problem.

Finanzbranche führend in Europa

Laut einer aktuellen Cisco-Studie handelt die Mehrheit der deutschen Unternehmen (61 Prozent) im Bereich Cybersicherheit nur reaktiv, statt sich proaktiv auf neue Bedrohungen einzustellen. In der europäischen Finanzbranche sieht das deutlich besser aus: Nur 48 Prozent sind hier dauerhaft reaktiv. 52 Prozent der Unternehmen sind dagegen gut aufgestellt (davon zehn Prozent optimal, 42 Prozent fortgeschritten).

Damit nimmt die Branche in Europa eine Führungsposition ein. In anderen stark regulierten Bereichen wie dem Energiesektor oder im Gesundheitswesen sind jeweils nur 45 beziehungsweise 46 Prozent optimal oder fortschrittlich aufgestellt.

EZB mit konkretem Lösungsansatz

Auf die neue Bedrohungslage hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits im Juli 2026 mit einem Schreiben an Finanzinstitute reagiert. Diese mussten bis Ende Oktober 2026 einen klaren Plan vorlegen, wie sie den Gefahren durch aktuelle KI-Modelle begegnen. Die EZB fordert die Modernisierung veralteter Infrastrukturen als zentralen Bestandteil. Denn diese weist häufig bekannte Schwachstellen oder schlecht gepflegte Technik auf, die KI-gestützte Angriffe schnell ausnutzen können. Damit hat sich die EZB erstmals auf die operative Ebene begeben. Dazu beigetragen hat auch ein Roundtable im Rahmen des Finance Executive Council des europäischen Digitalindustrie-Dachverbandes Digital Europe.

Inzwischen ist die EZB nicht mehr alleine: Auch die europäischen Finanzaufsichtsbehörden (Esas) haben nur wenige Wochen später eine Erklärung zu Risiken aus der Informations- und Telekommunikationsindustrie (ITK) durch neue KI-Modelle veröffentlicht. Sie fordern von Unternehmen, unnötige Risiken zu beseitigen, Segmentierung durchzusetzen und veraltete Systeme außer Betrieb zu nehmen. Diese Schritte sollen über grundlegende Sicherheitsmaßnahmen wie Bestandsverwaltung hinausgehen und sich zu einem KI-gesteuerten Management der Angriffsfläche entwickeln.

Vorbild für andere Sektoren und die EU-Politik

An diesem Beispiel sollten sich politische Entscheidungsträger und Branchenverbände orientieren, um weitere Aktionspläne zur Bewältigung dieses dringenden Problems zu entwickeln. Sie können den EZB-Ansatz dabei als Weckruf und Blaupause zur Durchsetzung von proaktivem Risikomanagement in weiteren Branchen übernehmen. Diese Chance wurde leider im aktuellen EU-Aktionsplan für Cybersicherheit und KI verpasst, der zu allgemein und ohne genaue Fristsetzung bleibt.

Der EZB-Ansatz zeichnet sich dagegen durch Dringlichkeit, Priorisierung und Fokussierung aus. Er erfordert sofortiges, direktes Handeln und signalisiert, dass andere Aufsichtstätigkeiten zurückgestellt oder angepasst werden müssen, um sich auf dieses dringende systemische Risiko zu konzentrieren.

Die EZB und die ESAs legen den Schwerpunkt auf Patch-Management, Perimetersicherheit und Risiken durch Dritte. Dies schlägt sich in konkreten Maßnahmen für kritische Infrastrukturen nieder. Dazu zählen:

  • Aktuelle Bestandsverzeichnisse und Lebenszyklusanalysen, denn Risiken, die nicht erfasst sind, lassen sich nicht eindämmen.
  • Eine mehrschichtige Sicherheitsarchitektur, die auf Zero Trust und Mikrosegmentierung basiert, damit ein Schwachpunkt in einem Altsystem nicht zu einem systemweiten Risiko wird.
  • Automatisierte Patches und Echtzeit-Telemetrie, die jedoch nur für Infrastrukturen möglich sind, die noch unterstützt werden. Modernisierung ist die Voraussetzung für KI-gestützte Überwachung.
  • Berichterstattung zu Vorfällen, die auch Probleme durch veraltete Technologien aufzeigt, um diese Transparenzlücke zu schließen.
  • Sichere Lieferketten: KI kann Schwachstellen in Lieferketten identifizieren, die mehrstufige Angriffe ermöglichen. Veraltete Infrastrukturen bei Drittanbietern gefährden auch Institutionen, die ihre eigenen Kernsysteme bereits modernisiert haben.

Entsprechend sollten die zuständige europäische Behörde Enisa und nationale Cybersicherheitsaufsicht wie das BSI klare Richtlinien erlassen, damit in der gesamten staatlichen Verwaltung und kritischen Infrastruktur veraltete Systeme zeitnah ersetzt sowie vernetzte Hardware und Software häufiger gepatcht werden.

Gezielte Ergänzungender europäischen Software-Resilienz-Richtlinie NIS2 sollten das Risiko durch veraltete Technologien ausdrücklich aufnehmen. Die im Digital-Omnibus der EU-Kommission angestrebte Harmonisierung der Meldung von Vorfällen könnte branchenweit aufzeigen, wie oft alte Technologien eine entscheidende Ursache für Sicherheitsverletzungen sind. Der vorgeschlagene Europäische Wettbewerbsfonds könnte zudem finanzielle Mittel bereitstellen, um den Austausch veralteter Technologien in dem Tempo zu ermöglichen, das nötig ist.

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