Ab heute beraten die EU-Regierungschefs über die globalen und wirtschaftlichen Herausforderungen Europas. Für die Politiker hat Mats Engström, Senior Policy Fellow der Denkfabrik European Council on Foreign Relations, in seinem Standpunkt eine Strategie skizziert, wie der Kontinent innovativ und klimaneutral umgestaltet werden kann. Dazu müsse die EU wie China oder Japan systematisch in die grüne Transformation und Innovationen investieren sowie zersplitterte Förderstrukturen vereinheitlichen.
Der Verlust biologischer Vielfalt trifft nicht nur Produzenten, sondern er verteuert Rohstoffe, verschiebt Risiken entlang globaler Lieferketten und landet als Kreditrisiko bei Finanzinstituten und Investoren. Davor warnen Ralf Lütz, Seniorberater Nachhaltiges Wirtschaften (CIB) und Beauftragter für Biodiversität Deutschland der französischen Großbank BNP Paribas, und Marco Meyer, Leiter Nachhaltige Finanzdienstleistungen Deutschland bei Capgemini Invent.
Der europäische Emissionshandel gilt als klimapolitisches Erfolgsinstrument – gerät in der aktuellen Industriekrise aber zunehmend unter Druck. Gefragt sei jedoch kein Systemwechsel, sondern eine präzise Nachsteuerung, schreiben die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion Esra Limbacher, Jakob Blankenburg und Daniel Rinkert.
Um den Einfluss der Aktionäre ist es in börsennotierten Unternehmen zunehmend schlechter bestellt. Das zeige die Hauptversammlungssaison in diesem Jahr, argumentiert Marion Plouhinec, Senior-ESG-Analystin beim französischen Vermögensverwalter Carmignac, in ihrem Standpunkt-Gastbeitrag für Tagesspiegel Background. Allerdings gebe es auch Lichtblicke: Während in den USA und Europa Aktionäre an Macht verlören, werde der Stakeholder-Kapitalismus in Asien stärker, so Plouhinec.
In der europäischen Politik und innerhalb von Unternehmen wird heftig über die Nachhaltigkeitsberichterstattungspflichten gestritten. Das sorgt für Unsicherheit in Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig nehmen die internationalen Berichtsstandards des ISSB rund um den Globus an Bedeutsamkeit zu. Wie Europa Praxisnähe sichern kann, ohne seine Werte zu verlieren, beschreibt Moritz Sckaer vom Beratungsunternehmen Forvis Mazars in seinem Standpunkt-Gastbeitrag für Tagesspiegel Background.
Bis 2050 soll der Gebäudesektor in der EU klimaneutral werden. Jedoch gibt es bisher keinen überzeugenden Lösungsansatz für die größte Herausforderung: die energetische Sanierung von Immobilien mit den schlechtesten Energieeffizienzklassen. Dies zeigt sich auch bei Wohnimmobilien, schreibt Greenwater-Capital-Chef Adalbert Pokorski.
Banken tun gut daran, Klimarisiken bei der Vergabe von Krediten zu berücksichtigen, findet Karol Kempa von der Frankfurt School of Finance & Management. Nur bekommen sie das auch vernünftig hin? In einer neu veröffentlichten Studie zeigt der Wissenschaftler auf, wie Banken das bereits tun und macht deutlich: Es braucht viel granularere Daten.
Wie die Musik-CD zur Audiodatei wurde, so werde jetzt der Euro zum digitalen Wert, der schnellere, kostengünstigere und neue Zahlungsmöglichkeiten eröffne, schreibt Joachim Wuermeling, Leiter des Digital Euro Hub an der Wirtschaftshochschule ESMT in Berlin, in seinem Standpunkt. Der Ex-Bundesbank-Vorstand, hauptberuflich für die internationale Rechtsberatung A & O Shearman tätig, sieht im digitalen Euro „eine strategische Antwort auf die neue geopolitische Lage“ und einen Innovationsmotor.
Einen wirkungsvollen Elementarschutz kann es nur mit einem verpflichtenden, solidarischen Gesamtsystem geben, sagt Stephan Rehmke vom Bund der Versicherten in seinem Standpunkt-Gastbeitrag. Den neuesten Vorschlag der Versicherungslobby hält er für eine Mogelpackung.
Klimaneutralitäts-Strategien als neue Macht im Nachhaltigkeits-Ökosystem: Friederike Soennecken von Accenture warnt, dass Unternehmen ohne valide Emissionsdaten und klare Net-Zero-Strategien es zunehmend schwerer haben, Investoren, Finanzierungen und Großkunden zu finden.
Karolin Schriever, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Sparkassenverbands DSGV, fordert konsolidierte Kapitalpuffer-Regeln für Kreditinstitute und einen EU-Rechtsrahmen speziell für Regionalbanken. Die Baseler Standards seien für diese überdimensioniert, argumentiert sie.
Die nachhaltige europäische Finanzwirtschaft befindet sich seit Jahren in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Taxonomien, Offenlegungspflichten und Berichtsrahmen wurden weiterentwickelt, um ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, worin tatsächlich investiert wird. Die CSRD sollte dem Struktur verleihen. Nun möchte Brüssel aber die Berichterstattungsregeln verwässern, die nachhaltige Finanzierungen erst ermöglichen, moniert Sadaf Poursheikhani vom Vermögensverwalter Federated Hermes.
Bei der Analyse der Lieferkette ist eine risikobasierte Sicht in die Tiefe die Voraussetzung dafür, den Aufwand effizient zu bündeln, schreibt Lisa Smith, Mitgründerin des Lieferketten-Informationsanbieters Prewave. Gravierende Umweltverstöße oder Zwangsarbeit können die Lieferkette zum Erliegen bringen, warnt sie.
Die Resilienz von Energiemarktstrukturen spiele bislang nur eine Nebenrolle bei Investitionsentscheidungen – und das sorge für eine fortbestehende Fragilität und Schockanfälligkeit der europäischen Wirtschaft insgesamt, argumentiert der Chef des Energiedienstleisters Getec, Pierre-Alain Graf. Um die Industrie auf klimafreundlichen Kurs zu bringen, müsse auch die Prozesswärmeerzeugung in den Blick genommen und Investitionen darin erleichtert werden, so Graf in seinem Standpunkt-Gastbeitrag.
Wer die Überschriften zu all den ESG-Fonds verfolgt, die jüngst geschlossen wurden, könnte meinen: Der Markt für nachhaltige Investments sei tot. Dabei vollzieht sich eine längst überfällige Konsolidierung – mit Vorteilen für Anlegerinnen und Anleger wie für (seriöse) Anbieter, schreibt Jessica Bodmann von Oikocredit in ihrem Standpunkt-Gastbeitrag.
Geld so einsetzen, dass es immer wieder neu in nachhaltige Entwicklung fließt: Felix Oldenburg vom Start-up Bcause und Till Wahnbaeck, ehemaliger Chef der Welthungerhilfe und Gründer von Impacc, zeigen in ihrem Standpunkt mit „Philanthropic Equity“ eine neue Spendenkultur, die mehr Wirkung für Soziales und Ökologie verspricht als gängige Hilfsangebote. Und sie sehen mächtige Verbündete: Die neue Erbengeneration, die mehr bewirken möchte, als nur einmal zu helfen.
Das Kryptowerte-Steuertransparenz-Gesetz verschärft ab 1. Januar 2026 die Melde- und Sorgfaltspflichten für Anbieter von Kryptowertedienstleistungen. Kryptoinvestoren können sich nicht länger vor der Finanzverwaltung verstecken – aber das öffne Investments in Kryptowerte auch die Tür in eine größere Marktakzeptanz als Assetklasse, schreibt Rechtsanwalt und Steuerberater Hendrik Arendt von der internationalen Anwaltskanzlei CMS, in seinem Standpunkt-Gastbeitrag.
Um die Finanzbildung in Deutschland steht es schlecht, sagt René Theis, Geschäftsführer der nachhaltigen Investmentplattform Wiwin. Er sieht neben Politik und Bildungseinrichtungen vor allem die eigene Branche in der Verantwortung. In seinem Standpunkt-Gastbeitrag für Tagesspiegel Background Finanzen & Sustainability fordert er, beim Umgang mit Geld nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale und ökologische Aspekte zu vermitteln.
Das Gelingen der deutschen Energiewende sei gefährdet, schreibt Klaus Ulrich Hachmeier, deutscher Cheflobbyist des Energieinfrastruktur-Investmenthauses CIP, in seinem Standpunkt: Während der Ausbau erneuerbarer Kapazitäten rasant voranschreite, müsse der dafür nötige Ausbau der Netze „Tempo aufnehmen“. Gerade im Netzausbau klaffe jedoch eine Investitionslücke. Diese könne mithilfe des Deutschlandfonds geschlossen werden, wenn die Politik ähnlich wie bei der Entwicklungsfinanzierung vorgehe.
Defensive Kapitalanlagen, hohe Renditen, positive Wirkungen auf Menschen und für die Umwelt – Investitionen in Wasserprojekte zählen für Tanja Gudjons, Leiterin des Vertriebs von Investmentfonds bei der Vermögensverwaltung der französischen Großbank BNP Paribas, zu den strategisch wichtigsten Anlageklassen des 21. Jahrhunderts. Im Standpunkt-Gastbeitrag für Tagesspiegel Background erläutert sie die Vielfalt, die hinter Wasserprojekten weltweit steckt.
Die Reduzierung der Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit für Unternehmen widerspricht jeder vernünftigen Geschäftslogik, argumentiert Sonja Haider, Leiterin für nachhaltige Finanzen bei der Umweltorganisation International Chemical Secretariat (Chemsec). Die Abschaffung von Umweltvorschriften schade Unternehmen und Bürger:innen.
Während die EU ihre Nachhaltigkeitsberichtspflichten schrumpfen möchte, führt China eigene ein. Carsten Zielke, Geschäftsführer von Zielke Research Consult, beschreibt die Wettbewerbsvorteile, die sich aus den Pflichten ergeben.
Tausende Firmen in der EU unternehmen große Anstrengungen, die regulatorischen Vorgaben rund um die Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. Die Klagen über zu viel Bürokratie reißen nicht ab – und seien mitunter berechtigt, schreibt Philipp Buddemeier von der Unternehmensberatung Better Earth. Deshalb müsse eine Frage stärker beleuchtet werden, so Buddemeier: Wo hat die Regulatorik der EU wirklich einen signifikanten Impact auf ein Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen?
Das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 23. Juli 2025 erklärt den Klimaschutz zur völkerrechtlichen Pflicht, verankert das Recht auf eine gesunde Umwelt als Menschenrecht und verpflichtet Staaten, Emissionen zu senken und zukünftige Generationen zu schützen. Banken könnten noch stärker in die Pflicht genommen werden, schreiben Michael König-Sykorova und Mathilde Bossut von der Frankfurt School in ihrem Standpunkt-Gastbeitrag.
Das Infrastruktur-Sondervermögen würde noch wirksamer, wenn es gelingt, zusätzliche ein bis zwei Billionen Euro aus der Privatwirtschaft zu mobilisieren. Damit diese Mittel in Straßen, Netze, Energiewenden oder digitale Grundversorgung fließen, müssen Anlegerinteressen mit den unterschiedlichen Phasen eines Infrastrukturprojekts in Einklang gebracht werden. Wie können institutionelle Investoren und Kleinanleger gewonnen werden?
Um unseren Wirtschaftsstandort zu stärken, muss die Netzinfrastruktur modernisiert und ausgebaut werden. Das „Sondervermögen Infrastruktur“ kann der Katalysator dafür sein – wenn die Mittel strategisch eingesetzt werden. Das erklärt Heinrich Thiele, Rechtsanwalt und Steuerberater bei der internationalen Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Baker Tilly, in seinem Standpunkt-Gastbeitrag.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sollte Unternehmen entlasten – doch die jüngsten Änderungsvorschläge bringen kaum spürbare Erleichterungen meinen die Juristen Eric Wagner, Marc Ruttloff und Florian Schuler, Rechtsanwälte bei der Sozietät Gleiss Lutz. Gerade die Agrar- und Lebensmittelindustrie stehe weiterhin unter hohem Druck. Die Bundesregierung erweise der Branche mit den Anpassungen einen Bärendienst.
Lise Børresen, ESG-Leiterin beim Vermögensverwalter der größten norwegischen Bank, DNB Asset Management, meint in ihrem Standpunkt-Gastbeitrag, dass viele europäische Länder in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt von ihrer Heimat lernen können – und insbesondere auch Investoren von mehr Frauen in Führungsrollen profitieren.
Klimaschutz hat es politisch derzeit schwer. Andere Krisen beschäftigen die Gesellschaft, und die globale Kooperation zur Einhaltung planetarer Grenzen erscheint beschädigt, stellt Linus Mattauch fest. Dabei sollten die politischen Entscheidungsträger nicht zu viel Angst vor ihren Bürgern haben, wenn sie Klimaschutz vorantreiben, betont der Arbeitsgruppenleiter am PIK.
Will die EU ihre Klimaziele erfüllen, sollte sie neue Finanzinstrumente viel stärker fördern, findet Karsten Kührlings, Geschäftsführer von GLS Investments. In seinem Standpunkt-Gastbeitrag beschreibt er, welche das seien könnten und wie sie wirken.
Bafin-Exekutivdirektor Rupert Schaefer hat mit seinem Lob des EU-Omnibusses im Standpunkt der vergangenen Woche Widerspruch erzeugt: Magdalena Senn von der Bürgerbewegung Finanzwende wirft ihm in ihrer Replik vor, Effizienz mit Kahlschlag bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu verwechseln. Sie bescheinigt ihm ein „sonderbares Selbstverständnis“: Schließlich wolle Schaefer ausgerechnet solche Daten nicht mehr gesammelt sehen, welche die Bafin für eine effiziente Finanzmarktaufsicht benötige.
Die Ansätze des Omnibus-Pakets zur Vereinfachung der Berichts- und Sorgfaltspflichten rund um Nachhaltigkeit seien gut, findet Bafin-Exekutivdirektor Rupert Schaefer. Doch es müssten weitere Klarstellungen und mehr Konsistenz her. In seinem Standpunkt-Gastbeitrag erläutert er, was es nach Meinung der Aufsicht für weitere Regelungen braucht.
Kaum eine Technologie werde mit so viel Vorschusslorbeeren, überzogenen Erwartungen und falschen Versprechungen bedacht wie die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS), kritisieren Sophia van Vügt und Karsten Smid in ihrem „Contra“-Beitrag zu der Technik. Dabei werden die Chancen von CCS über- sowie Kosten und Risiken unterschätzt, argumentieren die Experten von Greenpeace Deutschland. Einen CCS-„Pro“-Beitrag von Katharina Schubert (NRW Energy4Climate) hatten wir vergangene Woche publiziert.
Pro und Contra: Die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) wird kontrovers diskutiert. Das Ziel einer klimaneutralen Wirtschaft und wettbewerbsfähigen Industrie ist ohne CCS bis 2045 nicht erreichbar, schreibt Katharina Schubert, Bereichsleiterin Industrie und Produktion der nordrhein-westfälischen Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz, NRW Energy4Climate, und spricht sich klar für deren Einsatz aus. Nächste Woche folgt ein Contra-Standpunkt aus der Umwelt- und Klimaschutzszene.
Die kommenden Jahre sind entscheidend für einen nachhaltigen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Die Investitionen in saubere Energien übersteigen zwar schon jetzt die Ausgaben für fossile Brennstoffe bei weitem. Aber das reicht nicht, um den Klimawandel entscheidend zu verlangsamen. Deshalb müssen die Rahmenbedingungen für Klimainvestitionen vor allem in Schwellenländern pragmatisch ausgestaltet werden, fordert Elodie Laugel, Chief Responsible Investment Officer von Amundi.
Impact investment can help at a time when traditional development models are disappearing, writes Ana Nacvalovaite, research fellow at the University of Oxford. But many critical needs, such as basic education and humanitarian relief, do not lend themselves to market-based solutions.
Impact-Investitionen könnten die Auswirkungen der rückläufigen Entwicklungshilfe entschärfen, schreibt die Oxford-Wissenschaftlerin Ana Nacvalovaite. Viele kritische Bedürfnisse, wie beispielsweise grundlegende Bildung und humanitäre Hilfe, eignen sich jedoch einfach nicht für marktbasierte Lösungen.
Für den langjährigen finanzpolitischen Oberlehrer der EU dürften jetzt keine Ausnahmen gemacht werden, fordert Ingmar Jürgens, Gründer und Geschäftsführer der Berliner Denkfabrik Climate and Company, angesichts des vom Bundeskabinett beschlossenen Haushaltspakets für dieses Jahr. Es gehe jetzt darum, in eine nachhaltige und resiliente Wirtschaft zu investieren – und nicht das Geld aus den Sondervermögen für Infrastruktur und Klima mit Förderungen fossiler Brennstoffe zu verheizen.
Die Bundesregierung verspiele gerade ihre Chance, mit der Steuerpolitik gleichzeitig für Wohlstand und Wachstum zu sorgen, schreiben Carl Mühlbach und Marina Guldimann von Fiscal Future – einem überparteilichen Thinktank junger Menschen für Finanzpolitik, der vor allem aus Stiftungsmitteln finanziert wird. Sie argumentieren in ihrem Standpunkt, dass eine Entlastung mittlerer und kleiner Einkommen gekoppelt mit höherer Besteuerung großer Vermögen Wachstumsimpulse für die Wirtschaft setzen könne.
Pensionskassen, Sterbekassen und Versorgungswerke dürfen nun bis zu fünf Prozent ihres Sicherungsvermögens gezielt in Infrastrukturanlagen investieren. Gregor Kurth von Igneo Infrastructure Partners erwartet, dass die Gewichtung von Infrastruktur im Portfolio betrieblicher Vorsorgeeinrichtungen dadurch dauerhaft ansteigt.
Ökologische und ökonomische Interessen widersprechen sich nicht – sie verstärken sich, wenn Unternehmen Dekarbonisierung und zirkuläre Wirtschaft als Wachstumschance nutzen, argumentiert Andreas Wagner, Deutschland-Geschäftsführer von Mitsubishi Electric. Nachhaltigkeit schützt vor externen Schocks, senkt operative Risiken und stärkt das Vertrauen von Kunden, Partnern, Investoren und Regulierungsbehörden.
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist für mittelständische Unternehmen eine Herausforderung. Für die Jacob Waitz Industrie GmbH bot die CSRD jedoch Anstoß und Struktur für die eigene ESG-Strategie, schreibt Sophie von Waitz, zuständig für die Umsetzung der ESG-Strategie und Mitglied der neunten Generation im Familienunternehmen. Ehrenamtlich ist sie Co-Leiterin der AG Wirtschaft bei Transparency International Deutschland.
Der voranschreitende Verlust der Artenvielfalt ist weit mehr als ein ökologisches Problem. Rund die Hälfte der Weltwirtschaft hängt direkt oder indirekt von einem funktionierenden Ökosystem ab. Investoren sollten Aspekte der Artenvielfalt daher dringend in ihrer Anlagestrategie berücksichtigen – für den Planeten und um attraktive Renditechancen zu ermöglichen. Das fordert Jane Wadia, Head of Sustainability, Core Products and Clients bei Axa Investment Managers des französischen Versicherers Axa.
Von der Einführung einer neuen Unternehmensrechtsform des Verantwortungseigentums können Ökonomie wie Ökologie profitieren, schreibt Christian Kroll, Gründer und Geschäftsführer der Ecosia GmbH, welche die gleichnamige, ökologisch-orientierte Internetsuchmaschine betreibt, in seinem Standpunkt-Gastbeitrag für Tagesspiegel Background.
Firmen, die in Nachhaltigkeit investieren, passen ihre Verschuldung schneller an und können günstiger Kapital aufnehmen, aber die unsichere US-Politik verdunkelt die Aussichten, schreibt Maurizio Dallocchio, Professor für Unternehmensfinanzierung an der Universität Bocconi.
Unschädlichkeit zu organisieren, das ist die Kernaufgabe von Aufsichtsbehörden. Doch was sich früher aus eindeutigen Rechtsnormen ableiten ließ, weicht in der Aufsichtspraxis einer zielorientierten Agilität, die Behördenmitarbeiter vor eine neue Herausforderung stellt: nämlich selbst möglichst schnell die richtigen Entscheidungen zu fällen. Fehlerkultur muss aber erlernt sein, schreiben die Regierungsberater und Uni-Professoren Sven Kette und Stefan Kühl in ihrem Standpunkt-Gastbeitrag.
Krypto-Assets boomen. Mit der neuen EU-Verordnung „Markets in Crypto-Assets Regulation“ (Micar) ziehen regulatorische Anforderungen nach – inklusive komplexer Nachhaltigkeitsberichtspflichten. Crypto Asset Service Providers sollten sie weder unterschätzen noch als reine Pflichtübung abtun, schreiben Ralph Hüsemann, Partner und Head of Financial Services, sowie Christoph Wronka, Director Financial Services bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Baker Tilly in Deutschland, im Standpunkt.
Die geplante Reform der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist eine positive Nachricht für die Finanzbranche: Die Omnibus-Vorschläge sollen die gesetzlichen Anforderungen zum Nachhaltigkeitsreporting vereinfachen. Durch diesen neuen Freiraum können sich Banken der Optimierung interner Berichtsprozesse und der Stakeholder-gerechten Kommunikation ihrer Nachhaltigkeitsleistung widmen, meinen Christoph Betz und Daniel Müller, Partner bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Man sollte sich nicht über den Omnibus aufregen, denn es gehe darum zu verstehen, welche ESG-Risiken in Geschäftsmodellen stecken – unabhängig von EU-Regulierungen, schreibt Ralf Frank, geschäftsführender Partner von Sustainserv und Professor an der Gisma-Fachschule in Potsdam, in seinem Standpunkt-Gastbeitrag für Tagesspiegel Background zu anstehenden Reformen und Verschiebungen der Nachhaltigkeitsberichts- und -sorgfaltspflichten für Unternehmen in Europa.
Der Schutz von Bevölkerung und Demokratie ist eine Grundvoraussetzung jeder nachhaltigen Transformation, argumentiert Mirova-Chef Philippe Zaouati. Start-ups und Mittelständler haben ein Finanzierungsdefizit. Zaouati erörtert, wie eine verantwortungsvolle Verteidigungsfinanzierung gestaltet werden könnte.
Nachhaltiges Wachstum erfordert die Bereitstellung der notwendigen Informationen für Kunden und Investoren bei gleichzeitiger Einhaltung der neuen EU-Richtlinien, schreibt Simon Fischweicher von CDP.
Ein klimaneutrales Deutschland bis 2045 – dafür hat sich vor Bildung einer neuen Bundesregierung ein branchenübergreifendes Bündnis stark gemacht. In ihrem Standpunkt erläutern Anja Siegesmund, Geschäftsführende Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), sowie Katharina Reuter, Chefin des Bundesverbandes Nachhaltige Wirtschaft (BNW), warum die nächste Regierung ambitioniert handeln muss und so auch die nationale Sicherheit garantieren kann.
Unternehmen haben ihre ersten Nachhaltigkeitsberichte gemäß der Richtlinie CSRD veröffentlicht. Sie sind länger und stärker auf Kennzahlen fokussiert als die bisherigen Berichte und haben einen standardisierteren Aufbau. Nun kommt es darauf an, dass Nachhaltigkeit Innovationen antreibt, meint Lukas Vogt, Chef der Nachhaltigkeitssoftware-Firma Sunhat. Durch den „Omnibus“ der EU könnten wichtige Daten verloren gehen.
Die ständigen Diskussionen über Greenwashing machen laut Tabea Höllger und Sebastian Schäfer von der Unternehmensberatung Brandtrust deutlich, dass die Finanzwelt ein massives Vertrauensproblem hat. In ihrem Standpunkt-Gastbeitrag erläutern sie, was Kunden erwarten – und wie sich die Finanzbranche ihrer Ansicht nach ändern muss.
Am 23. Februar wird ein neuer Bundestag gewählt. Ein verkürzter Wahlkampf – mit verkürzten Positionen. Vor allem das Lieferkettengesetz steht im Kreuzfeuer von CDU/CSU und FDP. Zu Unrecht, wie Katharina Reuter, Geschäftsführerin beim Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW), und Miriam Saage-Maaß, Legal Director beim European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), im Standpunkt-Beitrag deutlich machen: Nur wer Lieferketten kennt und reguliert, könne die Märkte von morgen bedienen.
Die Überprüfung ihrer Geldpolitik bietet der Europäischen Zentralbank jetzt die Chance, ihren Umgang mit der Klima- und Naturkrise zu verbessern und zugleich auf wirtschaftliche Herausforderungen zu reagieren, schreiben Clarisse Murphy, Zentralbanken-Campaignerin bei der Nichtregierungsorganisation Reclaim Finance, und Fiona Hauke, Researcherin bei der NGO Urgewald, in ihrem Standpunkt-Gastbeitrag für Tagesspiegel Background.
Entwicklungsländer stoßen immer mehr Treibhausgas aus. Zugleich gelingt es vielen nicht, wirtschaftlich aufzuholen Ein innovatives Finanzinstrument könnte dabei helfen, Emissionen zu reduzieren, argumentiert Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter des Bereichs Research der Landesbank Baden-Württemberg, in seinem Standpunkt-Gastbeitrag. Kraemer ist zugleich Ko-Vorsitzender der internationalen Expertengruppe zu Verschuldung, Klima und Natur.
Das Überschreiten der 1,5-Grad-Celsius-Marke Anfang 2025 markiert einen Wendepunkt für die Klimatechnologiebranche. Statt eines befürchteten Endes der Klimatechnologie könnte dieser Moment zum Katalysator für beschleunigte Innovation und Investitionen werden, argumentiert Jan Lozek, Gründer des Wagniskapitalgebers Future Energy Ventures.
Es ist im Eigeninteresse von Unternehmen und Finanzinstituten, Biodiversitätsrisiken zu bilanzieren, meinen Yvonne Zwick, Vorsitzende des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (Baum e.V.), und Verena Menne, Geschäftsführerin des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Darum haben sie gemeinsam die deutschen Konsultationsgruppe der Taskforce on Nature-related Financial Disclosure (TNFD) aus der Taufe gehoben – und werben um Mitarbeitende.
Es ist höchste Zeit, dass Unternehmen ihre tragende Rolle im Klimaschutz ernst nehmen und wirksame Maßnahmen zur Reduktion ihrer Emissionen ergreifen, meint Mirco Wolf Wiegert, Gründer und Geschäftsführer von Fritz-Kola. Aus seiner Sicht liegt eine Form von Wertschöpfung hier beispielsweise in der regenerativen Landwirtschaft. Er fordert: Um dem Klimawandel zu begegnen, braucht es neben politischen Rahmenbedingungen auch Selbstverpflichtung und Eigeninitiative aus der Wirtschaft.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyens Ankündigung, Berichtspflichten von Unternehmen mit einem „Omnibus“ zu verringern, hat einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Filip Gregor, Abteilungsleiter bei der zivilgesellschaftlichen Organisation Frank Bold und Efrag-Mitglied, warnt vor möglichen Nachteilen.
Mehrere Initiativen der scheidenden Bundesregierung hatten das Potential, sowohl die Erreichung der Klimaziele als auch die Innovationsstärke zu verbessern, schreibt Magnus Drewelies, Geschäftsführer von Ceezer. Doch sie sind durch die vorgezogene Bundestagswahl gefährdet.
Der Wahlkampf fordert seinen Tribut – und die Leidtragenden sind die deutschen Unternehmen: Für die hat die Bundesregierung mit ihrem jüngsten Vorstoß gegen die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattungs-Richtlinie CSRD ein perfektes Chaos angerichtet, schreibt der Düsseldorfer Unternehmensberater Martin-Sebastian Abel in seinem Standpunkt-Gastbeitrag. Der Wirtschaft werde damit genau das genommen, was sie am meisten braucht: Vertrauen in verlässliche Rahmenbedingungen.
Angesichts der kommenden zweiten Amtszeit von Donald Trump wird befürchtet, dass nachhaltige Investitionen dem Untergang geweiht sind. Lloyd McAllister, Head of Sustainable Investment beim französischen Asset-Manager Carmignac, ist optimistischer. Trotz Schwierigkeiten sind berechtigte und notwendige Herausforderungen zu begrüßen.
Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Industrie birgt enorme Herausforderungen. Ein wichtiger Hebel ist eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft. Die kürzlich vom Bundeskabinett verabschiedete Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) benennt zwar erstmals dieses Potenzial, bleibt aber bei genauen industriepolitischen Maßnahmen vage. Johanna Wiechen und Luisa Denter von Germanwatch machen Vorschläge, wie die NKWS zum Motor der Industrietransformation werden kann.
Die Rainforest Alliance steht uneingeschränkt hinter der viel diskutierten EU-Entwaldungsverordnung. Manche Unternehmen würden sich aber auf deren bloße Einhaltung beschränken und die Ursachen von Entwaldung aus den Augen verlieren. Hier gibt es kein „entweder – oder“, schreibt die Leiterin Public Affairs der Organsation, Fanny Gauttier. Unternehmen müssten auch bessere Preise zahlen, in Landschaftsprogramme investieren und unabhängige Zertifizierungen anstreben.