Porträt Mandy Mangler

Mandy Mangler
Mandy Mangler, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Auguste-Viktoria-Klinikum (Foto: Foto: Kitty Kleist-Heinrich)

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Mandy Manglers Tag beginnt früh: Joggend kommt sie morgens um 6 Uhr im Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin an und rotiert dann ohne Pause bis 16 Uhr zwischen Kreißsaal, OP und Patientenzimmern. „Dichtes Arbeiten“ nennt das die Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin. „Wenn mir ein Kollege vom Urlaub erzählt, muss er akzeptieren, dass ich nebenher zwei bis drei andere Sachen erledige oder ihn über den Flur mitschleife“, sagte die 43-Jährige in einem Interview mit dem Tagesspiegel.

In Leipzig geboren, kam Mandy Mangler im Alter von zehn Jahren mit ihrer alleinerziehenden Mutter und einem Koffer im Aufnahmelager für DDR-Geflüchtete in Marienfelde an. Nach dem Abitur studierte sie Medizin an der Freien Universität Berlin, absolvierte ihre Facharztausbildung an der Charité und wurde dort schließlich kommissarische Leiterin der Gynäkologie am Campus Mitte. Sie habilitierte zum Thema fertilitätserhaltende Operationsmethoden bei Gebärmutterhalskrebs 2013. Als gynäkologische Onkologin arbeitet sie mit Roboterchirurgie und minimalinvasiven Operationstechniken. 

Für den Chefarztposten wechselte Mangler 2016 ans Auguste-Viktoria-Klinikum. Knapp 1.700 Geburten finden in der Klinik pro Jahr statt. 2018 war Mangler selbst Patientin im Kreißsaal und brachte, begleitet von einer Kollegin, ihr fünftes Kind zur Welt. Nach zwei Monaten war sie wieder an ihrem Arbeitsplatz – mit Baby und einer befreundeten Krankenschwester, die sich stundenweise um ihre Tochter kümmerte, während die Mutter zum Beispiel im OP stand. Zwischendurch stillte Mangler oder nahm ihre Tochter im Tragetuch mit zur Visite. 

Mit dem telemedizinischen Roboter über die Station 

Um bei der Visite nicht zwingend persönlich anwesend sein zu müssen, rollt seit 2019 der „Double Robot“ über die Station. Der telemedizinische Roboter sieht aus wie ein Segway, besteht aus zwei elektrisch betriebenen Rädern mit einer höhenverstellbaren Stange, an der ein Tablet befestigt ist. In einer 18-monatigen Testphase kommt er als Teil der Digitalisierungsoffensive des Klinikkonzerns Vivantes auf der gynäkologischen Station zum Einsatz. Übers Handy können Mangler und ihre Kolleginnen das Gerät auch von auswärts steuern, sich auf das Tablet einwählen und per Telekonferenz mit Patientinnen, aber auch mit dem Klinikteam kommunizieren.

Mangler kann dem Einsatz einiges abgewinnen: Der Roboter ermöglicht ihr ein flexibleres Arbeiten. „Wenn ich mich nach einer Operation erkundigen möchte, wie es einer Patientin geht, aber keine Visite mehr geplant ist, schalte ich mich zu jeder Zeit und ortsunabhängig zu. Ich kann autonom über Flure und in Zimmer rollen und brauche nur jemanden, der bei Bedarf die Türen öffnet“, sagt sie. Ein persönliches Arztgespräch ersetze der Roboter zwar nicht, er ergänze aber die Möglichkeiten des Austauschs.

Weitere Digitalisierung dank Corona

Die Corona-Krise hat die Beratung und Betreuung von Patientinnen erzwungenermaßen weiter digitalisiert. Zur Geburt darf nur noch eine gesunde Person mitkommen, auf die Wöchnerinnenstation kann niemand von außen. Ein wenig erinnert Mandy Mangler diese Situation an die Zeiten, in denen Väter in Kreißsälen gar nicht vorkamen und ihren Nachwuchs erst durch eine Glasscheibe sahen, als alles geschafft war. Für Schwangere bietet Mangler einen virtuellen Kreißsaalrundgang und eine Fragestunde auf Instagram„Vor Kurzem haben wir einen Kaiserschnitt live an den Vater übertragen, der wegen des Infektionsschutzes im Nebenzimmer warten musste – natürlich aus der Perspektive der Mutter, nicht des Operateurs“, berichtet sie. 

Auch die Hebammen sind kreativ geworden: Ein Hausbesuch im Wochenbett lässt sich manchmal durch einen Videocall ersetzen, den die Kassen nun auch abrechnen. „Wie bade ich einen Säugling? Wie lege ich das Neugeborene richtig an die Brust? Solche Fragen können auch am Bildschirm geklärt werden, zur Not auch, ob das Baby an einer Gelbsucht leidet“, weiß die Gynäkologin.

Trotz aller Herausforderungen, die die Pandemie für ihr Team und die Patientinnen mit sich bringt, hofft Mangler auf einen schönen Ausgang. „Wir Geburtshelfer haben uns für Ende des Jahres schon in die Dienstpläne eingetragen, weil wir auf richtig viele Babys hoffen“, freut sie sich. Judith Jenner

Alle 14 Tage spricht Mandy Mangler mit den Tagesspiegel-Redakteurinnen Julia Prosinger und Esther Kogelboom im Podcast „Gyncast“ über Themen aus ihrer gynäkologischen Praxis, von der ersten Menstruation über Geburten bis hin zur Menopause. Weil die derzeitige Pandemie Frauen in vielen Lebensbereichen ganz anders trifft als Männer, wird heute ein Corona-Spezial des Gyncast zu hören sein. Darin erzählt Mandy Mangler vom verpuppten Kreißsaal, um Personal und Gebärende zu schützen, vom Stillen mit Mundschutz und der Situation für Frauen, die gerade ungewollt schwanger sind.

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