Porträt Melanie Leonhard

Melanie Leonhard
Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie, Integration und Gesundheit in Hamburg (Foto: Christian Bittcher )

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So schnell kann es gehen: Eben noch leitete die Hamburger SPD-Chefin Melanie Leonhard das Sozialressort der Hansestadt, nun ist sie auch für Gesundheit zuständig. Laut Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen wird die bisherige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz aufgelöst und Gesundheit wieder bei der Sozialbehörde angesiedelt. Das war bereits bis zur Verwaltungsreform 2011 der Fall. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks scheidet damit aus dem Amt.

Melanie Leonhard gilt als Hoffnungsträgerin ihrer Partei. 2018 wurde die 42-Jährige mit fast 95 Prozent der Stimmen zur SPD-Vorsitzenden der Hansestadt gewählt. Damit trat sie die Nachfolge des jetzigen Finanzministers und Vizekanzlers Olaf Scholz an, der in die Bundespolitik wechselte. Seit 2015 leitet sie das Sozialressort im Senat mit rund 800 Mitarbeitern. 

Dass sie nun auch für Gesundheit zuständig sein wird, gefällt nicht jedem. Walter Plassmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, betonte in einer Pressemitteilung: „Wir müssen aufpassen, dass Gesundheitsthemen nicht zum fünften Rad am Sozialwagen werden.“ Gerade die vergangenen Monate hätten gezeigt, wie wichtig funktionierende Versorgungsstrukturen seien. 

Staatsrat oder Staatsrätin für Gesundheit geplant

Das sieht auch Melanie Leonhard so. „Gesundheit bleibt ein wichtiges Politikfeld, nicht nur in diesen Zeiten“, sagte sie gegenüber Pressevertretern. Die Politikerin sieht viele Schnittstellen zwischen Gesundheit und Sozialem, beispielsweise was die ärztliche Verteilung in den Stadtteilen, die Gesundheitsförderung, Pflegehilfen oder die Wiedereingliederung von erkrankten Beschäftigten betrifft. Eine Staatsrätin oder ein Staatsrat für Gesundheit wird dem Thema zusätzlich Gewicht verleihen. Wer diesen Posten bekommt, ist noch nicht bekannt.

Als „Arbeitstier“ und „Strategin“ beschrieb ihr Pressesprecher Leonhard gegenüber dem „Handelsblatt“. Am liebsten mache sie alles selbst, lese jede Unterlage und schreibe jedes Grußwort. Delegieren musste sie erst lernen. „Sie legt nicht viel Wert auf ihr Image“, sagt er. „Schwierige Aufgaben versucht sie einfach so gut wie möglich zu lösen.“  

Während der Corona-Krise arbeitete Leonhard wie so viele Eltern überwiegend im Homeoffice und teilte sich die Betreuung des Sohnes im Schichtsystem mit ihrem Mann. Zu anderen Zeiten sind auch die Großeltern eine wichtige Stütze, um Kind und Karriere zusammenzubringen.

Beratung über Kuscheltiere

Leonhard ist im Hamburger Stadtteil Harburg geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur im Jahr 1996 absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr. Danach studierte sie an der Universität Hamburg Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Politikwissenschaften und Geographie. 

2009 promovierte sie am Fachbereich Geschichte über die Reeder- und Schiffbauerfamilie Rickmers. Bis heute ist sie im Vorstand des Museumsschiffs Rickmer Rickmers. Ihren Doktortitel lässt sie oft weg. Gespräche führt sie auf Augenhöhe, ob mit leitenden Beschäftigten ihrer Behörde oder Kindergartenkindern, denen sie geduldig Fragen zum Coronavirus beantwortete, zum Beispiel, ob auch Kuscheltiere erkranken können.  

Nach einer Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin übernahm Leonhard von 2013 bis 2015 die Leitung der Abteilung Stadtgeschichte Harburg des Archäologischen Museums Hamburg und wechselte dann in den Senat. Während ihrer Amtszeit als Leiterin der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration erhöhte sie unter anderem den Betreuungsschlüssel in Kitas. Welche Akzente sie in der Gesundheitspolitik setzt, bleibt abzuwarten. Judith Jenner

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