Auf dem Twitter-Profil von Horst-Joachim Schacht ist neben den UN-Nachhaltigkeitszielen der Slogan „A race we must win – Climate action now!“ abgebildet, den Sportsegler Boris Herrmann, der die Klimaaktivistin Greta Thurnberg zum UN-Klimagipfel nach New York gebracht hat, geprägt hat.
Beide Männer verbindet nicht nur der Einsatz fürs Klima, sondern auch der Bezug zur Schifffahrt. Während Herrmann mit einem Segelboot über die Weltmeere segelt und dabei vor allem sich selbst transportiert, ist Schacht beim Logistik- und Gütertransportunternehmen Kühne & Nagel tätig, das Handelsgüter auf Containerschiffen über sämtliche Meere schifft. Der Vater dreier Kinder ist Vizepräsident Seelogistik und somit verantwortlich für einen Bereich, in dem Kühne & Nagel weltführend ist.
Als Schifffahrtskaufmann in der Welt herumkommen
Schon Schachts Vater war in einem Schifffahrtsunternehmen angestellt, was nicht allein zu seiner Berufswahl beigetragen hat: „Die Welt hat mich immer fasziniert und das konnte ich mit einem Beruf in der Schifffahrt natürlich super verbinden“, erklärt der gebürtige Mühlheimer, der mit seiner Familie im Alter von neun Jahren nach Den Haag zog und dadurch bereits erste internationale Erfahrungen sammeln konnte.
Vor Kühne & Nagel machte Schacht eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann bei Hapag Lloyd, die in einer Broschüre damit warben, innerhalb des Unternehmens auf der ganzen Welt tätig zu sein. Folglich zog es ihn zwei Jahre nach der Ausbildung nach New York, wo er drei Jahre als Posting und Trade Manager Far East-Europe arbeitete. Diese Zeit war prägend für den damals noch jungen Schacht: „Ich habe sehr früh viel Verantwortung bekommen, obwohl ich nur 24 Jahre alt war“, erinnert er sich. Das habe ihn nicht nur Selbstständigkeit, sondern auch die typisch amerikanische „Macher“-Mentalität gelehrt, die er in seine anschließenden Berufsstationen transportiert hat.
Auf einen Kaffee mit Fridays for Future
Der selbst ernannte Klimaaktivist Schacht treibt mittlerweile bei Kühne & Nagel Klimaschutzmaßnahmen in einer Branche voran, die oft für ihre negativen Umweltauswirkungen kritisiert wird. Vor über zehn Jahren hat er mit Kollegen beschlossen, das Thema Klimaschutz auf die Agenda zu nehmen und Daten über die Umweltfolgen von Containerschifffahrten zu sammeln.
Die Klimakrise bezeichnet Horst-Joachim Schacht als „Riesenkrise“, doch sieht er die Lösung nicht im Konsumverzicht, sondern in der Wirtschaft, womit er gerade bei den jungen Demonstrierenden von Fridays for Future auf Widerstand stößt. Aus diesem Grund hat er sich mit Vertretern der Umweltbewegung auf einen Kaffee getroffen, um zu verstehen, was sie erreichen wollen und um ihnen gleichzeitig zu erklären, was Kühne & Nagel im Bereich Klima unternimmt. Dabei kann er auf Kompensationsprojekte im Rahmen des Net Zero Carbon Programme oder auf den Seaexplorer verweisen, mit dem Kunden die Möglichkeit erhalten, ökofreundliche Routen auszuwählen.
Darüber hinaus will das Unternehmen bis 2030 sämtliche Transporte von Dienstleistern CO2-neutral anbieten, einerseits durch Kompensationsmaßnahmen, andererseits durch effizientere Verkehrsmittel sowie mit Hilfe von Bio-Brennstoffen. Diese werden beispielsweise aus Abfallprodukten von der Fast Food-Kette McDonalds hergestellt. Schacht ist sehr zuversichtlich, dass die ersten Schiffe mit CO2-neutralem Brennstoff 2030 in See stechen können, jedoch 20 bis 30 weitere Jahre vergehen werden, bis die gesamte Schifffahrt umgestellt ist, da Schiffe eine lange Lebensdauer haben.
Vor dem Hintergrund dieser ambitionierten Ziele ist „A race we must win“ nicht nur als klimapolitisches Statement zu verstehen, sondern auch als Ansage an die Konkurrenz: „Wir wollen nicht nur Gutmensch sein, sondern merken auch, dass wir Marktanteile gewinnen können, indem wir klimaneutrale Transporte anbieten.“ Alexander Rothe
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