Neue Finanzinstitution : Wie Deutschland von der Defence, Security and Resilience Bank profitieren würde

Rebecca Harding
Rebecca Harding
Said D. Werner
Said D. Werner
Foto: CES, MIT

Wer abschrecken will, muss Finanzierungslücken in Lieferketten lösen. Die Defence, Security and Resilience Bank, eine Entwicklungsbank, will genau das tun und versucht, Investitionen in den Verteidigungssektor zu erleichtern. Warum eine Mitgliedschaft Deutschlands sinnvoll wäre.

von Rebecca Harding , Centre for Economic Security in London & Said D. Werner, Massachusetts Institute of Technology

veröffentlicht am

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Auf dem NATO-Gipfel erklärte Kanada gemeinsam mit sieben Bündnisstaaten und der Ukraine die Gründung der Defence, Security and Resilience Bank (DSRB) als Antwort auf die immer fragiler werdende Sicherheitslage in Europa. Das in Rekordzeit verhandelte völkerrechtliche Mandat erlaubt erstmals, Verteidigungsprojekte multilateral zu finanzieren. Unsere Analyse zeigt: Gerade für Deutschland überwiegen die Vorteile.

Kapitaleinlagen als Finanzierungsschub

Die DSRB folgt dem Modell von Weltbank, Europäischer Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD): Mitgliedsstaaten erhalten Besitzrechte gegen Kapitaleinlagen, die sie über eigene AAA-Anleihen um den Faktor fünf hebeln. Zinsgünstige Staatskredite sind für Deutschland, wie auch Kanada und Luxemburg, dank Spitzenbonität zwar unerheblich. Der Vorteil wirkt aber indirekt: Rund zwei Drittel der Bündnispartner könnten günstiger in Deutschland einkaufen.

Der Fokus der DSRB liegt aber ohnehin auf dem Privatsektor – das trifft einen deutschen Nerv. Direktkredite, Garantien und Beteiligungen könnten Finanzierungslücken der Lieferketten schließen: 40,5 Prozent der Mittelständler meldeten zuletzt Restriktionen bei der Bankfinanzierung – ein Rekord seit 2017. Im Verteidigungssektor, wo KMU-Zulieferer rund 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaften, verschärfen hohe Eigenkapitalanforderungen (Basel III/IV) das Problem: Deutsche KMU zahlten 2024 im OECD-Schnitt 5,3 Prozent Zins, im Verteidigungssektor sind acht Prozent keine Seltenheit.

Das Problem: Die Nachfrage wird nicht sinken. Auftragsbestände deutscher KMU dürften um bis zu 50 Milliarden Euro steigen. Doch laut McKinsey ist Europas Verteidigungsindustrie bereits fast vier Jahre ausgebucht. Die Folge ist Preisinflation: Nominal zehn bis fünfzehn Prozent deutsches Haushaltswachstum bedeuten real nur drei bis sechs Prozent mehr Fähigkeiten. Wer Abschreckung will, muss das Lieferkettenfinanzierungsproblem lösen. Hier setzt die DSRB an.

Warum es neue Finanzierungswege braucht

Auch die KfW verfolgt dieses Ziel. Obwohl zunehmend als Allzweckwaffe genutzt, ist sie aber keine Rüstungsbank: Ihre Kreditgarantien sind meist auf 50 Prozent Haftungsfreistellung und 25 Millionen Euro gedeckelt, während UK Export Finance bis zu 80 Prozent bietet – nötig wären aber eigentlich 100 Prozent. Multilaterale DSRB-Garantien ermöglichen diese Risikosubstitution und geografisch flexiblere Finanzierung, die Deutschlands Lieferkettensicherheit nicht nur an der Elbe, sondern auch am Baltikum gewährleistet.

Ähnliches gilt für den Deutschlandfonds: Die USA dominieren den europäischen DefTech-Sektor, jedes zehnte Startup mit US-Beteiligung wandert ab. Die DSRB könnte etwa über Fund-of-Funds-Investitionen die Standortsouveränität stärken und die Wirkung des in der Startup- und Scale-up-Strategie angekündigten Investitionsvehikels für Verteidigungsunternehmen direkt hebeln.

Deutschland als „natürlicher Nutznießer“

Anders als bei klassischen Entwicklungsbanken wäre Deutschland wegen des Diversifikationsgrads seiner Verteidigungsindustrie kein Geberland, sondern natürlicher Nutznießer der DSRB. Erreicht sie binnen zehn Jahren konservativ geschätzt eine Bilanz von 100 Milliarden Euro, würde eine Einlage von einer Milliarde – bei nur 15 Prozent Bilanzanteil für Lieferkettenfinanzierung und 20 Prozent Beschaffungsanteil Dritter – über 16 Milliarden Euro in die deutsche Industrie lenken – ein Verhältnis von 16:1.

Voraussetzung ist, dass die DSRB den Privatsektor priorisiert, etwa 70:30 zur öffentlichen Kreditvergabe. Über Bilanzaufteilung, Finanzierungsobergrenzen und Führungspersonal entscheiden Gründungsstaaten. Ist Deutschland nicht dabei, schreiben andere ihre Industrieinteressen in die DNA der Institution – internationale Beziehungen kennen keine Second-Mover-Vorteile.

Warum die DSRB-Mitgliedschaft günstiger ist als keine Teilnahme

Ökonomen fragen auch: Was kostet es, nicht mitzumachen? Anschaulich wird das an Kanadas historischem U-Boot-Kauf bei TKMS oder Rheinmetalls Milliardenauftrag aus Rumänien für Gefechtsfahrzeuge, Flugabwehr, Munition und Marineschiffe. Solche Deals blieben auch ohne deutsche Mitgliedschaft möglich. Da vergünstigte Beschaffungen, Kredite und Garantien der DSRB aber nur Produzenten aus Mitgliedstaaten offenstehen, würden Käufer deutscher Produkte künftig mehr zahlen. Deutschlands Industrie verlöre an Wettbewerbsfähigkeit, während der Druck zur Lieferkettenfinanzierung auf die KfW als einzigen Garantiegeber stiege.

Gleichzeitig ist die Kapitaleinlage mit 1,5 Milliarden Euro (auf Kanadas Niveau gedeckelt) bescheiden. Nach IWF-Standard gilt sie als aktiver Vermögenswert – in Raten anrechenbar auf das jährliche NATO-Ziel. Das Callable Capital (6 Milliarden Euro) ist eine Eventualverbindlichkeit, die in 70+ Jahren multilateraler Bankengeschichte nie abgerufen wurde. Da die Haftung darauf begrenzt ist, tangiert eine Mitgliedschaft auch nicht die deutsche Bonität. Deren größtes Risiko ist die Wachstumsschwäche, durch die die Schuldenquote bis 2035 auf rund 90 Prozent des BIP steigen könnte. Als neues Wachstumsinstrument würde die DSRB hier helfen, die fiskalische Statur der Mittelmacht Deutschland durch ein besser finanziertes mittelständisches Rückgrat zu stärken.

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