Porträt Dustin Heinrich

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Dustin Heinrich

Viele Milliarden Euro vergibt die Deutsche Kreditbank jedes Jahr an Stadtwerke. Sie sind zentral für die Energiewende, meint der Experte für Energiewirtschaft Dustin Heinrich. Dabei achtet er genau auf die Nachhaltigkeit seiner Kunden.

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Dass es die Energiewende nicht zum Nulltarif gibt, ist ein Satz, der ebenso abgedroschen wie richtig ist. Laut einer Schätzung der Bundesregierung könnte der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger bis zur Mitte des Jahrhunderts mehr als eine halbe Billion Euro kosten. Eine Herkulesaufgabe, an der alle Bürgerinnen und Bürger werden mitwirken müssen.

Auch die Energieversorger, darunter die knapp 900 Stadtwerke, die es in Deutschland gibt, stellt die Energiewende vor eine besondere organisatorische und finanzielle Herausforderung. Als Fachbereichsleiter des Geschäftsfelds Energie und Versorgung bei der Deutschen Kreditbank (DKB) kennt sich Dustin Heinrich mit den finanziellen Bedürfnissen der Energiewirtschaft gut aus. Immerhin sei etwa jedes zweite Stadtwerk in Deutschland mittlerweile Kunde der DKB, sagt der 1988 in Hilden bei Düsseldorf geborene Bankkaufmann. Tendenz steigend. 

Schon relativ früh sei er in seiner Laufbahn mit dem Thema Energie in Kontakt gekommen, erzählt Heinrich. Als er zehn Jahre alt ist, zieht die Familie von Nordrhein-Westfalen nach Potsdam. Bei der dortigen Sparkasse macht Heinrich nach dem Abitur eine Lehre zum Bankkaufmann und beginnt im Anschluss in Potsdam ein Studium der Volkswirtschaftslehre, Politik und Verwaltung. Nebenbei ist er bereits bei der DKB als Werkstudent tätig – und dort bleibt er. Nach dem Bachelor fängt der Bankkaufmann als Trainee bei der DKB an und hat in dieser Funktion immer wieder mit Geschäftskunden aus dem Energiesektor, insbesondere mit Stadtwerken, zu tun.

Während er nebenbei seinen Master in Finance & Accounting macht, steigt Heinrich recht schnell die Karriereleiter bei der DKB empor. Er wechselt in den strategischen Marktbereich Energie und Versorgung und wird schließlich im Juni 2019 dessen Leiter. Es gehe der Bank nicht nur darum, Kredite zu vergeben, sondern die Kunden untereinander zu vernetzen und selber als Partner auf Augenhöhe aufzutreten, erklärt Heinrich die Geschäftsphilosophie der DKB. „Wir wollen nicht nur Finanzierer sein, sondern das System und den Markt hinter jeder Branche verstehen.“ Das unterscheide die Bank letztlich von der Konkurrenz.

Was die DKB aber noch unterscheide, sei ihr besonderer Fokus auf dem Thema Nachhaltigkeit. „Unseren Impact als nachhaltigste Bank unter den Top-20-Banken in Deutschland wollen wir kontinuierlich ausbauen“, sagt der 32-Jährige. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, habe man genaue Kriterien in einer Richtlinie definiert, welche Energieformen grundsätzlich von der DKB unterstützt werden und welche nicht. So sei etwa die gesamte Wertschöpfungskette von Atomenergie tabu, erklärt Dustin Heinrich. Ebenso gebe es keine Kredite für den Neubau von Kohlekraftwerken.

Dass viele Versorger, die Kunden der DKB sind, noch alte Kohlekraftwerke betreiben, wolle man allerdings nicht verschweigen, so der Nordrhein-Westfale. Gleichzeitig achte die DKB genau darauf, wohin ihr Geld fließe. „Der überwiegende Teil an Stadtwerkefinanzierungen fließt in die Energiewende in Deutschland“, sagt der Geschäftsfeldleiter. Einerseits in den Ausbau von Erneuerbaren, aber auch in die Transformation zu effizienteren Kraftwerken sowie den Ausbau des Netzes.

Die DKB rechnet mit starken Stadtwerken

Die DKB betrachtet sich selbst mit einem Kreditvolumen von 11 Milliarden Euro als der größte Finanzierer der Energiewende in Deutschland, wie es auf der Homepage der Bank heißt. Allein im vergangenen Jahr seien etwa eine Milliarde Euro an Stadtwerke und andere Versorger in Form von Krediten gezahlt worden, sagt Heinrich. Der Finanzierungsbedarf sei hoch, denn durch die Energiewende seien die jährlichen Investitionen noch gestiegen.

Dennoch sieht der 32-Jährige in den etwa 900 deutschen Stadtwerken weiterhin einen zentralen Akteur mit guter Marktplatzierung. Dass es heute deutlich mehr Stadtwerke gebe als noch vor 20 Jahren, spreche dafür, dass es sich um eine beständige Branche handle, meint Heinrich. Ein weiterer Trend, den die DKB seit ein paar Jahren beobachte und begleite, sei zudem die Rekommunalisierung von Stadtwerken, die zuvor von privaten Unternehmen betrieben wurden.  

Bei allem Optimismus, mit dem Dustin Heinrich in die Zukunft der Stadtwerke und der gesamten Energiewirtschaft blickt, gibt es aber für ihn auch durchaus Schwierigkeiten und Hindernisse, mit denen die Branche konfrontiert sei. Vor allem kritisiert der Hildener, dass es zu viele Regelungen gebe, die sich außerdem noch oft änderten. Das mache den regulatorischen Rahmen immer undurchsichtiger und ausufernder, meint Heinrich – ein großes Thema in der Energiewirtschaft. Aus diesem Grund mahnt der studierte VWLer ein One-in-two-out-Modell an, also die Abschaffung von zwei alten Regulierungen für jede neu eingeführte. „Man sollte sich fragen: Welche Regeln sind wirklich wichtig? Und dann einmal auf die Reset-Taste drücken.“ Maximilian Zech


Wer rettet das Klima? Die Politik oder der Einzelne?
Wir alle zusammen. Es ist ein Zusammenspiel zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Ein wichtiger Faktor ist auch die Signalwirkung einzelner Unternehmen, die nachhaltig vorangehen – zum Beispiel durch die Umstellung von Produktionsprozessen, durch neue Produkte, den Einsatz von recycelten Materialien oder die Einführung von Nachhaltigkeitsstandards.

Auf welchen Flug würden Sie nie verzichten?
Nie verzichten würde ich auf einen Flug, um in einem Notfall schnell nach Hause zu kommen. Generell fliege ich aber eher selten und innerhalb Deutschlands nutze ich die Bahn.

Wer in der Energie- und Klimawelt hat Sie beeindruckt?
Mich beeindrucken die vielen engagierten Menschen, die in einzelnen Projekten die Energiewende vorantreiben. Dazu gehören beispielsweise lokale Bürgerinitiativen, engagierte Bürgermeister_innen und kommunale Unternehmen sowie Unternehmer_innen mit nachhaltigen und regionalen Projekten, aber auch die Kolleg_innen der DKB, die sich mit viel Engagement und hoher Expertise für die Umsetzung und Finanzierung von nachhaltigen Projekten einsetzen.

Welche Idee gibt der Energiewende neuen Schwung?
Neuen Schwung gibt der Energiewende die Fridays-for-Future-Bewegung. Sie gibt der Vision der Energiewende ein Gesicht – nämlich das der Kinder, Enkel und Urenkel. Ich glaube, dass dadurch das Bewusstsein für die vielen notwendigen, kleinen und großen Schritte zur Erreichung einer umweltfreundlichen Gesellschaft und Wirtschaft wieder in den Vordergrund gerückt ist.

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