Portrait Frank Stefan Jorga

Frank Stefan Jorga
Frank Stefan Jorga, Geschäftsführer von WebID, WebID

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Frank Stefan Jorga ist ein emotionaler Mensch. „Es regt mich auf, dass der Knowhow-Austausch zwischen Behörden und Fintechs in Deutschland so schlecht ist“, sagt der 50-Jährige. „Der eine weiß nicht, was der andere weiß. Das schwächt den Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Jorga, der gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer Thomas Fürst zwei Jahre lang im Fintech-Rat des Bundesfinanzministeriums saß, kennt das Problem aus eigener Erfahrung: Als Gründer und Geschäftsführer der WebID Solutions, die eine Identitätsprüfung, wie sie bei der Online-Kontoeröffnung verlangt wird, per Videochat ermöglicht, hat er jahrelang mit Behörden und Ämtern gerungen. „Das war oft, als würden wir verschiedene Sprachen sprechen.“ 

Kooperation statt Konfrontation

Auch das Ringen mit der Deutschen Post, die seine Innovation nachgebaut habe, „nachdem ich 2015 nicht willig war, mein Unternehmen für einen zweistelligen Millionenbetrag an die Post zu verkaufen“, ärgert ihn noch heute. Statt gegeneinander zu kämpfen und das Post-Ident-Verfahren gegen das Video-Ident-Verfahren zu positionieren, wären Kooperationen sinnvoll, „um Deutschland bei der Digitalisierung dieses Servicebereichs zu verbessern“. Eine verstärkte Förderung seitens der Bundesregierung würde deutschen Fintechs „zu internationaler Geltung verhelfen und Arbeitsplätze schaffen“, sagt Jorga. 

Auf die Idee, eine Firma für Videolegitimation aufzubauen, kam der gelernte Bankkaufmann und Rechtsanwalt 2011. Er hatte fünf Jahre in einem deutschen Finanzkonzern digitale Lösungen entwickelt und eingeführt. Dass bei allen digitalen Finanzprodukten sowohl Identifikation als auch Vertragsabschluss analog erfolgen mussten, störte ihn. Jorga macht sich an die Arbeit. Innerhalb von sechs Monaten entwickelte er ein Konzept: Eine Online-Lösung, die neben einer automatischen Ausweisprüfung einen Videocall mit einem Mitarbeiter vorsieht, weil in dem Geldwäschegesetz eine persönliche Identifikation verlangt wird. „Persönlich“ kann aber auch von Angesicht zu Angesicht in einem Videocall bedeuten. Das Ergebnis ist eine digitale Anwendung, die es ermöglicht, Verträge auf dem Bildschirm des Smartphones oder Laptops zu zeigen und per TAN den rechtskonformen Abschluss zu bestätigen.  

Wettbewerbsvorteil: Strenge Regulierungen

Regulierungen hält Jorga, der auch Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Handelsbank ist, für dringend notwendig: „Regulierungen schaffen gleiche Rahmenbedingungen für alle Akteure.“ Eine Regierung müsse allerdings über die nationalen Grenzen hinausschauen, „sonst haben im internationalen Wettstreit Unternehmen aus Deutschland schlechtere Karten als Konkurrenten im Ausland.“ Der WebID-Chef ist sich jedoch sicher, dass die derzeit strengen regulatorischen Vorgaben in seiner Branche deutschen Firmen auf dem amerikanischen Markt, wo laxere Regeln gelten, einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen: „An unser Sicherheitsniveau kommen die anderen nicht heran.“ Davon könnte das Unternehmen mit 500 Mitarbeitern bald profitieren: Die Verhandlungen mit Firmen in den USA sind bereits in vollem Gange. Jürgen Hoffmann

 Drei Fragen an Frank Jorga

1) Welche Innovationen wünschen Sie sich?

Ich warte darauf, dass sich effizientere und auch schönere Wege der Kommunikation zwischen Menschen durchsetzen. Facebook, Xing, LinkedIn & Co sind Kommunikationsportale von gestern. Das geht viel besser, nur leider sind Technologien wie zum Beispiel die Google Glass-Brille oder Amazons Alexa noch nicht intuitiv genug. Es fehlt das Next Big Thing, wie es 2007 das iPhone von Steve Jobs war. 

2) Wer aus der Digitalszene hat Sie beeindruckt?

Steve Jobs durch seine Leidenschaft und die Fähigkeit, die Macht von Technologien zum richtigen Zeitpunkt zu erkennen.

3) Als Digitalminister würde ich…

… echte digitale Innovationen aus Deutschland fördern. Zudem würde ich auf einen Umbau des deutschen Schulsystems hinwirken, damit unsere Kinder in Zukunft wieder international bestehen können. Deutschland muss zu einem Land der Innovationen und Ideen werden, wo sich die besten Köpfe mit den spannendsten Ideen wohl fühlen und wirken können.

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