Europa wird in den nächsten Jahren nicht vollständig unabhängig von US-amerikanischen oder chinesischen Technologiekonzernen werden. Daher muss es darum gehen, Stück für Stück Einfluss und Kontrolle zurückzugewinnen, sagt Leif-Nissen Lundbæk, CEO der Rechts-KI Noxtua.
Mit den ersten Standards hat der IT-Planungsrat beim D-Stack einen wichtigen Schritt getan. Nun müssen Bund, Länder, Kommunen und Anbieter gemeinsam liefern. Ob das Projekt erfolgreich sein wird, entscheidet sich vor allem in der kommunalen Praxis. Dort müssen Nutzen und Anschlussfähigkeit sichtbar werden.
Regierungen weltweit setzen auf KI, um ihre Verwaltungen effizienter zu machen. Acht Forscher:innen aus sieben Ländern haben untersucht, wie die Staaten dies tun können, ohne Rechenschaftspflichten, Resilienz und Vertrauen der Öffentlichkeit zu beeinträchtigen – die Grundvoraussetzungen für den KI-Einsatz im öffentlichen Sektor.
Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Während Unternehmen investieren und Innovation vorantreiben, fehlt es an Reformen auf staatlicher Seite, findet Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des BDI. Denn Staatsmodernisierung sei zentral für gute Wirtschaftspolitik.
Klarer könnte ein Interessenkonflikt nicht sein: Mit der Ernennung von Siemens-Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe zum KI-Berater der EU-Kommission verschwimmt die Grenze zwischen Industrie und Regulierer endgültig.
Deutschland hat sich in der KI auf den Weg gemacht. Ein Blick in die Niederlande zeigt, dass wir in der Strukturierung echter Innovationsökosysteme jedoch noch Aufholbedarf haben.
Der Palantir-Mitgründer Alex Karp inszeniert sich als Habermas-Erbe. Ein Blick in seine eigenen Texte zerlegt die Maske. Deutsche Redaktionen sollten aufhören, die Maskerade mitzuspielen.
Die stetig steigende Flut von Beschwerden bei der Datenschutzaufsicht darf nicht nur beklagt werden. Die Politik und die Experten müssen das Problem beherzt annehmen und in verschiedene Richtungen denken, damit das deutsche Aufsichtssystem seine Wirkungskraft behält.
Während sich Deeptech-Bereiche wie KI, Quanten oder Halbleiter rasend schnell verändern, arbeiten Europas Förderprogramme zu langsam. Wer heute einreicht, erhält oft erst Jahre später Unterstützung. Für Start-ups mit globalem Wettbewerbsdruck ist dieses Tempo kaum tragbar.
Warum wir jetzt eine nationale Prozessplattform bauen sollten, statt Jahre auf Standardisierung zu warten. Ein Dreistufen Fahrplan für die Umsetzung.
Der aktuelle Deepfake-Diskurs verläuft entlang der falschen Grenze. Jede Form synthetischer Kommunikation landet dabei im selben Topf: sexualisierte Fälschungen, Identitätsmissbrauch, politische Manipulation, satirische Clips, synthetische Stimmen und Service-Avatare. Das verstellt den Blick auf eine zentrale Frage: Wie kann synthetische Kommunikation Vertrauen stiften?
Der afrikanische Kontinent und die EU müssen beide aufpassen, im KI-Zeitalter nicht von der technologischen Entwicklung abgehängt zu werden. Deshalb wird es Zeit, die Anstrengungen für digitale Souveränität noch stärker zu bündeln.
Der deutsche und europäische Datenschutz steht vor Umbrüchen: Während die Bundesregierung erste Schritte zu einer einheitlicheren Aufsicht plant, droht mit dem Digital-Omnibus aus Brüssel neue Komplexität statt der versprochenen Vereinfachung. Doch der gegenwärtige Moment bietet auch Chancen.
Ein moderner digitaler Staat braucht mehr als digitale Grundsatzdebatten. Gefragt sind gemeinsame Basiskomponenten, interoperable Standards und ein leistungsfähiges Ökosystem. Der Mittelstand kann dabei zum zentralen Innovationstreiber werden.
Nicht trotz, sondern wegen: Nur durch die Regulierung von KI kann Europa digital unabhängig und wirtschaftlich erfolgreich werden.
Die EU-Kommissionspräsidentin zeigt sich gegenüber US-Interessen allzu nachgiebig. Das ist ein Problem für den Standort Europa. Und hat auch mit der EU-Regulierungsstruktur zu tun.
Deutschland hat die größte digitale Zivilgesellschaft Europas – und trotzdem fehlt ihr eine klare Vorstellung davon, welche digitale Zukunft sie eigentlich will. Svea Windwehr fordert zur Republica: Raus aus der Nische, rein in die Gesellschaft.
Die deutsche Industrie hat sich lautstark dafür eingesetzt, dass sich Hersteller von industrieller KI nicht an den AI Act halten müssen. Der KI-Omnibus wurde dabei als Vereinfachung angepriesen. In Wahrheit verkompliziert er die Dinge langfristig, prognostiziert Adam Leon Smith.
Wer mit den USA und China mithalten will, muss Mario Draghis Ideen für Europa folgen: weniger Kleinstaaterei und mehr Mut zu europäischen Champions. Valentina Daiber, Vorständin Recht und Corporate Affairs bei Telefónica Deutschland, wünscht sich konkrete Maßnahmen für Europas Wettbewerbsfähigkeit.
Wer KI einsetzt, ohne KI-Kompetenz strukturell im Boardroom zu verankern, handelt fahrlässig. Schulungen allein reichen angesichts der regulatorischen Risiken des EU AI Act nicht aus. Unternehmen müssen echte KI-Expertise dauerhaft in Aufsichtsrat und Vorstand integrieren, findet Peyman Pouryekta.
Wer ein Foto, Video oder einen Text mit KI generiert, muss das bald offenlegen. Die Kommission hat Experten beauftragt, einen Praxisleitfaden zu erstellen, der die Vorgaben in detaillierte Maßnahmen übersetzt. Doch der ist aktuell noch weder medien- noch gattungsspezifisch ausgestaltet. Was das für journalistische Medien bedeutet.
Synthetische Daten gelten als Ausweg aus dem Datenmangel. Doch Modelle, die auf künstlichen Trainingsdaten aufbauen, können Fehler rekursiv verstärken – gerade in agentischen Systemen ohne menschliche Aufsicht.
Der Fall Collien Fernandes ist keine Ausnahme – er ist ein Spiegelbild der systemischen Ohnmacht gegenüber einer Technologie, die sich rasant weiterentwickelt. Denn mehr als acht Jahre nach dem ersten Auftauchen sexualisierter Deepfakes haben wir immer noch mit lückenhaften Gesetzen zu tun.
Altersverifikation geht noch sicherer: Anstelle statischer Nachweise von externen Stellen und zentraler Schlüsselverwaltung, wie bei der EU-App, sollte die Verifikation direkt auf dem Smartphone stattfinden – und zwar per Chip. Außerdem sollte sie auch offline möglich sein.
Die Idee des DMA ist denkbar einfach: Mit Hilfe der Interoperabilität soll die Macht der großen Tech-Firmen eingedämmt werden. Doch in der Praxis setzen die Gatekeeper alles daran, die Vorgaben zu umgehen.
Deutschland braucht jetzt eine Aktivierungsstrategie für die Eudi-Wallet, findet Lorène Slous vom Bitkom. Aber dann kann das Digitalministerium es schaffen, bis zum 2. Januar eine überzeugende Wallet bereitzustellen.
Irland ist strukturell abhängig von den Einnahmen, die ihnen die Europazentralen von Apple, Microsoft, Meta, Google und Co. bescheren. Die EU sollte deshalb offen benennen, dass Dublin kein neutraler Akteur in der europäischen Digitalpolitik ist. Und Irland einen Deal anbieten.
Google Maps ist zur Suchmaschine für die analoge Welt geworden. Was dort nicht sichtbar ist, existiert für viele Menschen kaum noch. Deswegen müssen wir die Plattform politisch strenger behandeln: nicht wie Software, sondern wie Straßen.
Das EU-Parlament will die Medizinprodukte von den strengen Auflagen des AI Acts erst einmal ausnehmen. Um welche Vorgaben geht es genau, und welche Folgen hat das für Krankenhäuser, Fachkräfte und Patienten? Warum der Wegfall dieser Schutzmaßnahmen die zugrundeliegenden Probleme nicht löst, sondern die Komplexität lediglich verlagert.
Warum kommt die Verwaltung bei der Digitalisierung so schwer voran? Nicht wegen fehlender Lösungen, sondern wegen fehlender Anwendung, schreibt der Freiburger Regierungspräsident Carsten Gabbert. Dazu stünden bereits viele praxisnahe Methoden bereit, die jedoch endlich mehr und besser eingesetzt werden sollten.
Selbstlernende Industrieroboter, intelligente Pflegroboter und selbstlenkende Drohnen – Deutschland muss „Physical AI“-Champion werden, sagt Thomas Koenen, Co-Bereichsleiter Innovation, Sicherheit und Technologie beim Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.
Europa strebt nach digitaler Souveränität. Der Weg dorthin führt jedoch nicht über den Nachbau der Infrastruktur von gestern, sondern über offene, globale Ökosysteme. Denn genau dort entstehen die dominierenden Unternehmen von morgen, schreibt Mike Linksvayer von Github im Standpunkt.
Keine Ausreden mehr: Die regulatorische Investment-Revolution ist da, das Geld ist da, die Gründerinnen und Gründer sind da – was Europa fehlt, ist der Mut bei institutionellen Investoren, Versicherungen, Pensionskassen und Privatpersonen, ihr Geld klug statt konservativ anzulegen.
Deutschland, Frankreich und die EU arbeiten an einer neuen KI-Initiative. Damit diese zum Erfolg wird, muss technologische Offenheit zum Leitprinzip werden. Ein bloßes Imitieren der KI-Giganten wäre dagegen ein teurer Irrweg, schreiben Nicolas Flores-Herr und Maximilian Gahntz.
Datenstandards und Modellierungsannahmen sind vom AI Act nicht erfasst. Wer kontrolliert, wen und was Algorithmen im Vorfeld ausschließen? Der Streit zwischen Anthropic und dem Pentagon verrät, wo die Regeln für KI geschrieben werden, schreibt Marius Khan, Geschäftsführer von Avisé Labs.
Digitale Plattformen prägen unsere Gesellschaft – doch ihre Architektur wird von Regulierungen meist nicht berührt, stattdessen werden nachträglich Symptome bekämpt. Deshalb braucht es einen Baukodex für soziale Medien und KI-Systeme, der die grundlegenden Fehlkonstruktionen der Plattformen behebt.
Was passiert, wenn US-Algorithmen, die auf kommerzielle Effizienz trainiert wurden, auf deutsche Krankenhäuser treffen, die historisch auf dem Prinzip der Solidarität gebaut sind? Dieser Frage geht Nico Marquardt im Standpunkt nach. Der Gesundheitswissenschaftler der Charité ist überzeugt, dass die Gesellschaft aushandeln muss, wie KI reguliert wird, um das Vertrauen der Bürger in die demokratische Kontrolle des Gesundheitssystems nicht zu verspielen.
Deutsche Unternehmen haben schon heute Vorteile durch transparent und effizient betriebene Rechenzentren, finden Andreas Hantsch und Thomas von Wittern. Wer diese Stärken ausbaut, stärkt zugleich Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz, argumentieren die beiden.
Deutschland führe die falsche KI-Debatte, ist Fabian Ulitzka überzeugt. Wir diskutieren Rechenzentren, nationale Modellprojekte und Regulierung, als könnten wir den Wettlauf um Foundation Models noch gewinnen, sagt er. Dabei liege unsere Zukunftsfähigkeit in der Anwendung.
Mit seiner KI‑Omnibus-Entscheidung macht das EU-Parlament einen wichtigen Schritt hin zu einer industrietauglichen KI-Regulatorik. Der ZVEI warnt seit Langem vor einer problematischen Doppelregulierung, die Innovationen unnötig ausbremsen könnte.
Wie der Staat Aufträge vergibt und wie Unternehmen KI-Software weiterentwickeln, passt nicht zusammen. Die Behörden müssen ihre Vergabelogik an Software-as-a-Service-Modelle anpassen und dürfen Open Source nicht mit digitaler Souveränität verwechseln, findet Jakob Reuschlein von Procure AI. Drei Hebel, wie es besser ginge.
Energiewende und Digitalisierung getrennt zu betreiben, kann Deutschland sich nicht länger leisten, warnt Vincent Policard von der Investmentgesellschaft KKR. Er plädiert für eine integrierte Strategie und Infrastruktur-Sonderzonen mit beschleunigten Genehmigungsverfahren.
Das Europäische Parlament stimmte am Donnerstag über seine Position zum sogenannten KI-Omnibus ab, der den AI Act vereinfachen soll. In den Verhandlungen ist aus Sicht der EU-Parlamentarier Axel Voss (CDU) und Svenja Hahn (FDP) ein enormer Erfolg für industrielle KI gelungen. Sie soll vom AI Act ausgenommen und nur unter sektorspezifische Regeln fallen. Das wäre ein wahrer Befreiungsschlag für viele europäische Wirtschaftszweige, argumentieren die beiden – und warnen vor Querschlägen.
Während noch über den Einsatz von KI-Systemen diskutiert wird, zieht am Horizont schon die nächste Neuerung heran: Quantencomputing. Der rheinland-pfälzische Landesdatenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann sieht Prüfungsbedarf, ob die Rechtsgrundlagen für Nachrichtendienste und Polizei den Besonderheiten dieser Technologie gerecht werden.
Der Tech Stack war nur eine Bestandaufnahme. Jetzt müssen das Digitalministerium und die Länder die Zukunft der Verwaltungs-IT gestalten und einen Rahmen vorgeben. Vor welchen Herausforderungen die Verwaltungsdigitalisierung jetzt steht und was aus Sicht der Fachverfahrenshersteller geschehen muss, schreiben Sirko Scheffler und Detlef Sander vom Databund.
Europa diskutiert über KI-Gigafactories. Doch wer Wettbewerbsfähigkeit rein über Rechenleistung definiert, blendet entscheidende Faktoren aus, meint Christian Gilcher, CEO von Embraceable Technology. Messbare und dauerhafte Wertschöpfung entsteht nicht automatisch durch mehr GPUs, sondern durch intelligentere und effizientere Architekturen.
Soziale Medien wie Tiktok sind darauf programmiert, Aufmerksamkeit um jeden Preis zu binden. Minderjährige können davon süchtig werden, die Nutzung verändert ihre Gehirne. Fabian Westerheide schlägt ein dreistufiges Jugendschutzmodell vor, flankiert von Medien- und KI-Schulungen für Kinder.
Der Streit zwischen Anthropic und dem Pentagon hat in Europa Begehrlichkeiten geweckt: Lässt sich das KI-Unternehmen nach Deutschland oder Europa locken? Anton Leicht vom Carnegie Endowment for International Peace und Philip Fox vom Kira Center halten einen vollständigen Umzug für unrealistisch. Sie plädieren aber dafür, die Gunst der Stunde zu nutzen und mit besseren Rahmenbedingungen zumindest einen Teil der KI-Spitze nach Europa zu ziehen.
Schwache Innovationsaktivität wird zu einer zunehmenden Belastung für den europäischen Industriestandort. Mit einem europäischen Innovationsgesetz möchte die EU gegensteuern. André Wolf vom Centrum für Europäische Politik (Cep) plädiert für einen ganzheitlichen Politikansatz, der auf intelligente Clustersteuerung und gezielte Unterstützung bei der Markteinführung von Innovationen setzt.
Millionen europäische Unternehmen kämpfen täglich mit 27 verschiedenen Rechtssystemen. Das 28. Regime könnte das ändern – aber nur, wenn es für alle gilt.
Start-ups und Scale-ups im DefenceTech-Sektor sind weiter auf außereuropäisches Kapital angewiesen. Maßnahmen der Politik und Änderungen in der Praxis bleiben noch ohne größere Wirkung. Auch eine öffentliche Stigmatisierung hilft nicht weiter. Im Gegenteil.
Warum die Bafin mit ihrer Orientierungshilfe zu KI-Risiken im Finanzsektor seiner Ansicht nach einen bemerkenswert pragmatischen Beitrag zur digitalen Aufsicht leistet, erläutert Sebastian Dosch von Microfin im Standpunkt.
Störungen in kritischen Infrastrukturen wirken oft spektakulär, doch die größten Schäden entstehen meistens durch einfache handwerkliche Fehler in Planung und Betrieb. Ob Bagger, DDoS oder Ransomware: Deutschland muss beim Thema Cybersicherheit konsequenter handeln.
Der neue Gesetzentwurf zur Cybersicherheit markiert einen sicherheitspolitischen Wendepunkt. Der Staat will künftig nicht nur warnen, sondern aktiv digitale Angriffe unterbinden und selbst ausführen. Doch dafür braucht es strenge Regeln, findet Dennis-Kenji Kipker.
Deutschlands Gesundheitswesen muss krisenfester werden, argumentieren fünf Sicherheits- und Gesundheitsexperten anlässlich der heutigen KRITIS-Fachtagung in Berlin. Sie erklären, warum es „Health in all Policies“ auch für Gesundheitssicherheit braucht und welche Voraussetzungen derzeit dafür fehlen.
Das kürzlich in Kraft getretene NIS-2-Umsetzungsgesetz betrifft rund 30.000 Unternehmen in Deutschland – der Großteil davon KMU. Es ist jedoch kein Bürokratiemonster, sondern Europas dringend notwendiges Verteidigungsprogramm im Cyberkrieg.
Bei Drohnen läuft Deutschland einmal mehr Gefahr, in einer Zukunftstechnologie nur Mitläufer statt Gestalter zu sein, kritisiert Gerald Wissel. Der Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands UAV Dach fordert rascheres Handeln und politische Entscheidungen, damit die Bundesrepublik den globalen Markt prägen kann.
Was bringt digitale Transformation im Staat wirklich? Statt auf Kürzungen oder KI-Quickfixes zu setzen, müsse Verwaltung ihre IT grundlegend modernisieren und den Mehrwert konsequent messen. Joshua Pacheco und Ann-Cathrin Riedel plädieren dafür, die „Digitalrendite“ endlich zum Maßstab staatlicher Digitalisierung zu machen.
Eigentlich sollte eine neue Verordnung der EU die Antwort auf den Cambridge-Analytica-Skandal sein. Statt die großen Akteure treffen die Regeln aber nun die Gemeinderats-Kandidatin aus Halle, meint Ilyas Heckmann. Der Experte für digitale politische Kommunikation kritisiert: Mit der Verordnung schießt Europa sich ins eigene Knie.
Seit zwei Jahren gilt der Digital Services Act. Für die Aufsicht wurde auch in Deutschland mit dem Digital Services Coordinator eine neue Institution geschaffen. Die vergangenen Jahre waren vor allem von Aufbauarbeit geprägt. Für die Umsetzung braucht es nun einen langen Atem.
Deutschland modernisiert sein Telekommunikationsrecht. Doch beim Glasfaserzugang hakt es bislang weiter, findet Frank Rosenberger, Vorsitzender der Geschäftsführung von 1&1 Versatel. Gerade Unternehmen brauchen mehr als schnelles Internet. Um die Wünsche der Wirtschaft erfüllen zu können, benötigen Netzbetreiber regulierte Zugänge, Dark Fiber und klare Standards.
Über dem AI Impact Summit schwebt eine geopolitische Grundsatzfrage: Wer setzt die Spielregeln für KI – und mit welchem Verständnis von digitaler Souveränität? Deutschland und Indien sollten eine KI-Partnerschaft auf Augenhöhe eingehen und gemeinsame Spielregeln entwickeln, findet Sophia Tawonga Longwe von Wikimedia Deutschland.
Die Regulierung von Datenschutz und Cybersicherheit soll die Gesellschaft schützen. Doch das Geflecht aus Regeln kann bei Überregulierung den ursprünglichen Schutzgedanken und Europas Innovationsfähigkeit gefährden, kommentieren Michael Kreutzer, Annika Selzer und Sarah Stummer vom Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit Athene.
Die Debatte über digitale Souveränität greift zu kurz. Nicht einzelne Technologien, sondern Lieferkettensicherheit und belastbare Betriebsstrategien seien ausschlaggebend, schreibt Oliver Heidinger. Als Präsident von IT.NRW weiß er, dass öffentliche Betreiber kritischer Dienstleistungen längst verpflichtet sind, alternative Softwarelösungen zu identifizieren sowie Exit-Strategien und Migrationsoptionen vorzubereiten.
Die Buchbranche in all ihren Zweigen steht wegen KI vor einem großen Umbruch. Einerseits können datenbasierte Entscheidungen die Verlage voranbringen und Kosten reduzieren, andererseits braucht es einheitliche Regularien und den menschlichen Blick, schreibt Peter Kraus vom Cleff. Sonst droht laut Chef des Börsenvereins eine Entwicklung wie bei sozialen Medien.
Der Ruf nach Social-Media-Verbote ist politisch verständlich, aber europapolitisch kurzsichtig. Er ignoriert die ambivalente Forschungslage und riskiert demokratische Entfremdung einer Generation, die bereits Wehrdienst, Schulschließungen und Klimakosten tragen muss. Statt nationaler Schnellschüsse sollte Europa den DSA konsequent umsetzen – mit den Betroffenen, nicht über ihre Köpfe hinweg.