Wenn Worten Taten folgen : Frauengesundheit als bestes Investment unserer Zeit
Frauengesundheit ist eine der klügsten wirtschaftspolitischen Investitionen unserer Zeit, schreiben Nigina Muntean und Anne Wittenberg von UNFPA. Im Standpunkt erklären sie, warum Bangladeschs 250-Millionen-Euro-Initiative ein Modell für andere Länder sein kann und welche Rolle Deutschland und Berlin spielen.
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Investitionen in die Gesundheit von Frauen zählen zu den klügsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen unserer Zeit. Was wir im vergangenen Jahr an dieser Stelle betont haben, ist heute relevanter denn je. Die Zahlen sind eindeutig: Weniger als 1 Prozent der weltweiten Forschungsmittel in der Gesundheit außerhalb der Krebsforschung fließt in die Erforschung frauenspezifischer Erkrankungen.
Frauen verbringen im Durchschnitt ein Viertel mehr Lebenszeit in schlechter Gesundheit als Männer. Gleichzeitig wissen wir, dass jeder in Frauengesundheit investierte Euro einen gesamtwirtschaftlichen Ertrag von über sieben Euro erzielt. Bis 2040 würde die konsequente Verbesserung der Frauengesundheit jährlich eine Billion US-Dollar zusätzlich zur Weltwirtschaft beitragen.
Diese Woche folgten in Berlin auf Worte Taten
Auf dem World Health Summit kündigten die Regierung von Bangladesch und die Europäische Investitionsbank an, 250 Millionen Euro aus einem bestehenden staatlichen Darlehen in eine nationale Initiative für Frauengesundheit zu investieren. UNFPA wird dabei unterstützen.
47 Millionen Frauen und Mädchen in Bangladesch sollen besseren Zugang zu grundlegenden Gesundheitsleistungen erhalten. Die Bedeutung dieser Initiative reicht weit über Bangladesch hinaus. Sie zeigt, wie Frauengesundheit finanziert werden kann – und von wem.
Ein neues Modell für Entwicklungsfinanzierung
Das Besondere an der Initiative im Vergleich zu bestehenden Modellen ist ihr Finanzierungsansatz. Es ist kein klassischer Zuschuss und keine traditionelle Entwicklungshilfe, sondern eine souverän verantwortete Investition der Regierung von Bangladesch. So macht Bangladesch die Gesundheit von Frauen zu einer nationalen Priorität.
Bangladesch schafft damit eine Blaupause mit globaler Relevanz für andere Länder und Banken. Öffentliche Finanzierung, politische Führung und internationale Expertise kommen bei diesem Perspektivwechsel zusammen. Frauengesundheit wird zum strategischen Investitionsfeld. Sie wird zu einer Infrastrukturinvestition, die dieselbe Priorität und institutionelle Aufmerksamkeit hat wie Straßen, Energieversorgung oder digitale Infrastruktur.
Die Initiative ist ein Ergebnis langjähriger internationaler Zusammenarbeit. Deutschland hat dazu beigetragen, die politischen und institutionellen Voraussetzungen für die Partnerschaft zu schaffen; zentral dabei ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das zudem 3,1 Millionen Euro an Mitteln bereitgestellt hat.
Das Beispiel verdeutlicht, wie wirksame Entwicklungszusammenarbeit heute aussehen muss: Nicht allein die Bereitstellung zusätzlicher Mittel ist entscheidend, dazu kommt der Aufbau von Partnerschaften, die größere und langfristig tragfähige Investitionen ermöglichen.
Deutschland ist Gründungspartner der Plattform für technische Unterstützung der Initiative in Bangladesch. Ausgehend vom UNFPA Innovationshub in Berlin, WomenX Collective, ergeben sich Chancen für die deutsche Forschungs- und Innovationslandschaft. In der Berlin Roadmap, Teil der GHA-German Health Alliance, vereinen Forschungseinrichtungen und Akteure der Gesundheitswirtschaft, inklusive FemTech Startups, ihre Expertise in internationalen Kooperationen und entwickeln gemeinsam neue Lösungen.
Berlin spielt eine Schlüsselrolle
Dass UNFPA seinen ersten WomenX Collective Hub in Berlin eingerichtet hat, ist Ausdruck einer strategischen Entscheidung. Die Stadt vereint wichtige Akteure aus Wissenschaft, Politik, Entwicklungsfinanzierung und Gesundheitswirtschaft. Der World Health Summit bringt jedes Jahr Regierungschefs, Gesundheitsminister, Entwicklungsbanken, Finanzierer, Forschungseinrichtungen und die Zivilgesellschaft zusammen. Solche Akteure in dieser Größenordnung an einem Ort zu versammeln, ist selten – und hat Gewicht.
Denn die Herausforderungen lassen sich weder allein durch medizinische Forschung noch ausschließlich durch öffentliche Finanzierung lösen. Es bedarf Partnerschaften, die wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Versorgungsangebote und tragfähige Investitionen übersetzen.
Deutschland verfügt über Tradition in der Entwicklungszusammenarbeit, eine starke Forschungslandschaft und überzeugende Kompetenzen in der geschlechtersensiblen Medizin. Damit hat Deutschland eine Glaubwürdigkeit, die nur wenige Länder vorweisen können.
Lücken, die geschlossen werden müssen
Die Ankündigung von 250 Millionen Euro ist ein zukunftsweisendes Signal. Zur Wahrheit gehört aber auch anzuerkennen, dass Frauengesundheit noch strukturell unterfinanziert ist und nicht ausreichend priorisiert wird. Das muss sich ändern. Die Initiative in Bangladesch ist ein bedeutender Schritt, auf dem Weg zu einer Lösung für die globale Finanzierungslücke.
WomenX Collective von UNFPA hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mindestens eine Milliarde US-Dollar für die Frauengesundheit zu erschließen. Aus einem politischen Signal muss ein globales Modell werden.
Im vergangenen Jahr haben wir einen Weg aufgezeigt. Bangladesch verdeutlicht, wie dieser Anspruch in konkrete Finanzierung übersetzt werden kann. Die Ereignisse dieser Woche in Berlin und die wirksamen Partnerschaften markieren einen Anfang: den ersten Baustein dafür, dass ein neues Modell funktioniert, das andere internationale Finanzinstitutionen und Entwicklungsbanken übernehmen können; eine Blaupause, an der sich die Welt orientieren kann. Frauengesundheit ist Teil der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Infrastruktur. Der World Health Summit in Berlin ist in dieser Woche zu einem Ausgangspunkt geworden, diesen Ansatz international zu verankern.
Nigina Muntean ist Chief of Staff und leitet zudem die Innovationsabteilung beim UNFPA. Anne Wittenberg leitet das Berlin Representation Office beim UNFPA.
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