Standpunkt Telematikinfrastruktur: Es ist viel mehr möglich

Thomas Tauer und Martin Weiss von der akquinet AG sind überzeugt, dass es ineffizient ist, Hardware für den Daten- und Informationsaustausch in allen Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen vorzuhalten. Der Ansatz Software as a Service (SaaS) löse hingegen die Probleme der Telematik-Infrastruktur.

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Etwas mehr als ein Jahr ist es nun her, dass alle Praxen und Kliniken an die zentrale Telematik-Infrastruktur (TI) angebunden sein müssen, wenn diese über die gesetzlichen Krankenkassen ihre Leistungen abrechnen. Die TI ist die zentrale Plattform für eine sichere Kommunikation für alle beteiligten Akteure in Deutschland bei der Digitalisierung des Sozial- und Gesundheitswesens. Ländliche Einzelarztpraxen über Medizinische Versorgungszentren (MVZ) bis hin zu Krankenhäusern haben so eine einheitliche Kommunikationsbasis für die Leistungsabrechnung – wenn diese denn auch entsprechend funktioniert. Neben der klassischen hardwarebasierten Lösung hätte die TI auch zukunftsorientierter, als cloudbasierte und softwaregestützte Software as a Service (SaaS), aufgesetzt werden können.

Die Konnektor-Lösung in Praxis und Co. 

In dieser derzeitigen TI-Lösung ist die Technik (Hardware) vor Ort in Praxis, MVZ oder Krankenhaus und muss dort entsprechend administriert und gewartet werden. Das macht viel Arbeit und ist kompliziert, weil es zu komplexen unterschiedlichen Störungen bei den Kommunikationsprozessen und dem Datentransfer kommen kann, zum Beispiel weil der Konnektor vor Ort durch einen Stromausfall in der Praxis nicht mehr korrekt startet und die Daten überträgt. Welche komplexen Lösungsanforderungen und Szenarien sich daraus ergeben können, haben die kürzlich aufgetretenen Störungen verdeutlicht. Und hier ist nicht die Rede von „Wer hat für den Ausfall zu zahlen?“, sondern vordergründig, im Sinne eines digitalen Versorgungssystems, muss die Frage gestellt werden: „Wie lange bin ich damit von der Kommunikation und dem Datenaustausch abgekapselt“?

Wie die TI als Software as a Service funktionieren könnte?

SaaS (Software as a Service) ist ein Teilbereich des Cloudcomputing. Die Software ist nicht mehr vor Ort beim Anwender auf einem Rechner, Notebook oder Server installiert, sondern Software und die dafür relevante Infrastruktur werden von einem externen IT-Dienstleister zur Verfügung gestellt und seitens des Anwenders (Kunden) als Service und Dienstleistung bezogen. Die Software kann über einen internetfähigen Computer genutzt werden, eine eigene Infrastruktur und deren Wartung braucht es beim Anwender nicht. Über eine SaaS-TI kann Praxen, Kliniken und MVZs eine einfache und sehr flexibel auf variierende Bedürfnisse ausgerichtete TI zur Verfügung gestellt werden, welche eben auf komplexe und störungsanfällige Hardwarekomponenten und Installationen vor Ort verzichtet.

Die Konnektoren stehen in TÜV-zertifizierten und vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) geprüften Rechenzentren in Deutschland. Ebenfalls skalierbare Servicemodelle und Service-Level-Agreements bieten die entsprechende Überwachung sowie den Systemsupport. 

Mit diesem Baukastenprinzip können unterschiedliche Szenarien zur Verfügung gestellt werden, vom reinen Betrieb eines einzelnen Konnektors für eine Einzelpraxis bis hin zu einer ganzen Konnektor-Farm für die unterschiedlichen Unternehmensbereiche eines Krankenhauses oder Gesundheitskonzerns mit unterschiedlichen Varianten an Service (Integration, Betrieb, Verwaltung, Wartung). Die grundlegenden Sicherheitskomponenten, zum Beispiel des bereitstellenden Rechenzentrums, stehen dabei in Deutschland (z.B. BSI und TÜV-IT Level 4 Dual Site zertifiziert), ebenso wie die entsprechenden Firewalls und Internet Access Policies, so dass seitens des Anwenders eine hochsicherheitszertifizierte Nutzung ermöglicht wird.  

Neben den Kartenlesegeräten ist keine weitere Hardware vor Ort notwendig, alles andere läuft über eine sichere und Datenschutzkonforme VPN-Verbindung im Rechenzentrum. Schutz vor Ausfall ist damit gegeben. Fällt nämlich mal ein Konnektor aus oder gibt es andere technische Schwierigkeiten, so übernimmt ein Backup-Konnektor seine Aufgaben – der Praxisbetrieb läuft störungsfrei weiter.

Auch wenn es system- und softwareseitige Störungen gibt, so sind hier wesentlich schnellere und kostengünstige Störfallbehebungen gegeben. Es müssen nicht vor Ort Hardware und Konnektor gewartet oder ausgetauscht werden, sondern es werden die entsprechenden Softwareaktualisierungen und Softwareprogrammupdates durchgeführt. 

Softwarebasierte Lösungen: Wo ist Handlungsbedarf im Gesundheitswesen?

Das Gesundheitswesen hat erste vielversprechende Ansätze zur Digitalisierung gestartet. Dazu gehört auch der grundsätzliche Ansatz der Telematik-Infrastruktur. Grundsätzlich muss sich das Gesundheitswesen für die zahlreichen anstehenden digitalen Herausforderungen zukünftig von den bisherigen hardwarebasierten Ansätzen hin zu softwarebasierten Lösungen weiterentwickeln.

Nur so kann einem ganzheitlichen Ansatz für und im Sinne der Patienten, der Angehörigen und aller eingebundenen Gesundheitsakteure Rechnung getragen werden. Ein Beispiel dazu: Die klassische Patientenakte bezieht sich nur darauf, Daten zu speichern und verfügbar zu machen. Es müssen jedoch softwarebasierte ganzheitliche Lösungen zur Verfügung stehen, um Gesundheitsversorgung zu sichern, zu unterstützen, flexibel verfügbar zu machen, aber auch zu beschleunigen.

Auch beim Kommunikationsdienst KIM (Kommunikation in der Medizin), über den Praxen zukünftig medizinische Dokumente, zum Beispiel eArztbrief und eAU, elektronisch senden und empfangen können,  sind softwarebasierte Lösungsansätze als SaaS wesentlich effizienter und effektiver zu betreiben, sowohl im Betrieb als auch bei Störungen.

Auch der zweite Gesundheitsmarkt mit individuellen Gesundheitsleistungen oder freiverkäuflichen Arzneimitteln und privatwirtschaftlichen Assistenzdienstleistungen boomt und rückt immer näher an den ersten Gesundheitsmarkt heran. Hier wird es zukünftig darum gehen, beides zusammenzuführen und ein für den Patienten einheitliches und ganzheitliches Gesundheitsmanagement zu ermöglichen.

Bleibt es auch zukünftig bei dem sehr hardwarebasierten Ansatz der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen, so wird es stets aufwendig und zeitraubend sein, sich auf neue Herausforderungen, Anforderungen und Konstellationen einzustellen. SaaS ist hier ein wesentlich flexiblerer Ansatz – auch ohne dass darunter das hohe Daten- und Sicherheitsschutzniveau im Gesundheitswesen leiden muss.

Natürlich bedarf es hierzu auch flexibler Finanzierungsmodelle und verbesserter rechtlicher Rahmenbedingungen – auch das ist kein neues Thema und allen Akteuren nicht nur bekannt, sondern auch klar. Aber das ist eine andere Geschichte.

Thomas Tauer ist seit 2016 Vorstand bei der akquinet AG und verantwortlich für den Bereich Outsourcing sowie für die Planung & den Bau neuer Rechenzentren sowie das Lösungsportfolio zur TI als SaaS. Des Weiteren verantwortet Thomas Tauer als Vorstand die Branchen Gesundheitswesen und Sozialwirtschaft. Dr. Martin Weiss ist seit 2016 Geschäftsführer bei der akquinet AG im Bereich Health & Home Care sowie Soziale Wohlfahrt aktiv. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Organisations- und Prozessthemen in der IT-Branche.

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