Landwirtschaftlichen Ökosysteme : Der Index der Grünlandschmetterlinge sollte bei der Umsetzung der W-VO verpflichtend sein
Wo es viele Schmetterlinge gibt, sind landwirtschaftliche Ökosysteme in gutem Zustand. Josef Settele und Elisabeth Kühn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sprechen sich deshalb dafür aus, den Index der Grünlandschmetterlinge bei der Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur verpflichtend zu beachten.
Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen
Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.
Mit bestehendem Konto anmelden
Der Index der Grünlandschmetterlinge ist gemäß der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (W-VO) einer der drei Indikatoren für die Verbesserung der biologischen Vielfalt in landwirtschaftlichen Ökosystemen. Mitgliedsstaaten müssen Maßnahmen ergreifen, die zu positiven Entwicklungen bei mindestens zwei dieser drei Indikatoren führen, jedes Land muss zwei, kann aber auch alle drei Indikatoren auswählen.
Wir plädieren dafür, dass der Index der Grünlandschmetterlinge ein verpflichtender Indikator der W-VO wird. In Deutschland gibt es jedoch aktuell Bestrebungen, diesen Indikator abzuwählen. Aus unserer Sicht wäre das ein Rückschritt für die Naturschutz – aber auch für die nachhaltige Ernährungspolitik. Die Auswahl dieses Indikators wäre ein Zeichen dafür, dass Deutschland transparent und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar Verantwortung übernimmt.
Einziger Indikator für Biodiversität
Wichtige Argumente für den Indikator aus unserer Sicht sind, dass er für Deutschland bereits vorliegt, dass er (auch auf europäischer Ebene) etabliert ist, dass er als einziger Indikator Biodiversität direkt misst, und dass er durch die Einbeziehung von Ehrenamtlichen bei der Datenerfassung wie kein anderer Indikator öffentlichkeitswirksam und erlebbar ist.
Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur ist (W-VO) ist ein mächtiges Werkzeug für den Schutz von Natur und Umwelt und die nachhaltige landwirtschaftliche Produktion. Ziel der W-VO ist es, Lebensräume, die geschädigt oder gestört sind, wieder in einen guten Zustand zu bringen. Dazu hat nun jedes EU-Mitgliedsland die Aufgabe, bis Mitte 2026 den Entwurf eines Nationalen Wiederherstellungsplans zu erstellen, in dem messbare Ziele, Verpflichtungen und Fristen für die Wiederherstellung unterschiedlicher Ökosysteme und Arten vorgegeben werden.
In der W-VO sind verschiedene Themenbereiche gelistet, die speziell adressiert werden. Einer dieser Themenbereiche sind „Landwirtschaftliche Ökosysteme“ in Artikel 11(2), in dem festgelegt ist, dass Mitgliedsstaaten Maßnahmen zur Verbesserung der biologischen Vielfalt in diesem Bereich ergreifen müssen. Ganz konkret gilt es für die Mitgliedstaaten, eine positive Entwicklung bei mindestens zwei der folgenden drei Indikatoren zu erzielen:
- Der Index der Grünlandschmetterlinge (zeigt, wie sich der Bestand von typischen Grünland-Schmetterlingsarten entwickelt).
- Der Vorrat an organischem Kohlenstoff in mineralischen Ackerböden (Indikator für gesunde, fruchtbare Böden und den Klimaschutz).
- Der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen mit Landschaftselementen mit großer Vielfalt wie Hecken, Feldrainen oder Feldgehölzen.
Der Index der Grünlandschmetterlinge ist aus unserer Sicht als Indikator sehr gut geeignet, weil er die Verbesserung der biologischen Vielfalt als Einziger unter diesen drei Indikatoren direkt misst.
Hohe Akzeptanz der Öffentlichkeit
Schon seit vielen Jahren fließen die Daten des „Tagfalter-Monitoring Deutschland“ (ein hauptsächlich von Ehrenamtlichen getragenes Monitoring-Programm) in die Berechnung des europäischen Index der Grünlandschmetterlinge mit ein. Nun wurde die gleiche Berechnungsmethode verwendet, um den Indikator auch für Deutschland zu berechnen. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Nature Conservation“ veröffentlicht.
Die Berechnungsmethode ist auch international etabliert und anerkannt (und von der EU in der W-VO vorgegeben) und die Datenerhebung für die kommenden Jahre durch die Fortführung des Tagfalter-Monitoring gesichert. Hinzu kommt, dass Schmetterlinge allgemein sehr beliebt sind und die Ermittlung dieses Indikators in der Öffentlichkeit sicher eine hohe Akzeptanz findet. Zudem wird hier Naturschutz für jede und jeden erlebbar, denn alle Naturbegeisterten können bei der Datenerhebung mithelfen.
Prof. Dr. Josef Settele ist Leiter des Departments Naturschutzforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU). Elisabeth Kühn ist Wissenschaftlerin im Department Naturschutzforschung am UFZ und Koordinatorin des Tagfalter-Monitoring Deutschland.
Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen
Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.
Mit bestehendem Konto anmelden