Deutschland hat als drittgrößte Industrienation der Welt eine besondere Verantwortung, die drohende Hungerkrise im Globalen Süden abzuwenden, schreibt Christoph Bals. Düngerknappheit durch die Folgen des Kriegs im Iran und ein möglicherweise starker El Nino erfordern schnelles Handeln, mahnt er.
Vor der finalen Abstimmung heute Mittag im Europäischen Parlament beschreibt Johannes Bender, was eine Annahme der NGT-Verordnung für Biobetriebe bedeuten würde. Er sieht die Existenz vor allem von kleinen Erzeugern gefährdet, weil sie Nachweislast und Risiko tragen müssen, wenn sie weiter ohne Gentechnik arbeiten wollen.
Der aktuelle niedersächsische Nährstoffbericht für Wirtschaftsdünger bestätigt die Unzulänglichkeiten der Düngegesetzgebung, schreibt der Agrarwissenschaftler Friedhelm Taube. Eigentlich wäre zu erwarten, dass die Stickstoffwerte langsam sinken. Das tun sie aber nicht. Taube benennt die Ursachen und stellt Forderungen auf.
Viel auf dem Spiel steht dieses Jahr bei den Zwischenverhandlungen für die UN-Klimakonferenzen in Bonn: Im Kleingedruckten für das sogenannte globale Anpassungsziel entscheidet sich, ob die Staaten des Globalen Südens einen gerechten Ausgleich für die Klimaschäden bekommen, die sie nicht verursacht haben. Das betrifft besonders die Landwirtschaft, schreibt Christiane Käsgen.
Um Holz effizienter zu nutzen, sollte es erst für die Energieerzeugung verbrannt werden, wenn es sich nicht weiter stofflich in Produkten verwenden lässt. Diese sogenannte Kaskadennutzung schreibt die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU vor. Bei der Umsetzung ist die Bundesregierung jedoch säumig und mutlos – wie sie gerade im Gebäudemodernisierungsgesetz zeigt, schreiben Michaela Kruse und Anemon Strohmeyer. Sie skizzieren, wie erste Schritte zu einer sachgerechten Lösung gelingen könnten.
CO2 aus Biomethananlagen kann eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung negativer Emissionen spielen, schreiben Christian Weiser, Balance Erneuerbare Energien und Frank Brühning, DAH Gruppe. Doch damit die Biogasunternehmen in entsprechende Technologien investieren, brauchen sie regulatorische Sicherheit, vor allem beim Gasnetzanschluss.
Der Entwurf für einen nationalen Wiederherstellungsplan vermischt freiwilliges Engagement mit strengen Verpflichtungen und schürt Misstrauen bei Landnutzern. Ohne klare Differenzierung zwischen allgemeiner Bemühenspflicht und gebietsscharfen Maßnahmen riskiert Deutschland Rechtsstreit statt Renaturierung, mahnt NABU-Referent Sven Selbert. Er fordert Nachbesserungen – bevor Mitwirkungsbereitschaft und Erfolgschancen verspielt sind.
Die Reform der EU-Agrarpolitik und die Wiederherstellung der Natur müssen endlich zusammengedacht werden, schreiben Maria Noichl und Jörg-Andreas Krüger in ihrem Standpunkt. Denn die Zukunft der Landwirtschaft entscheide sich nicht im Gegeneinander von Naturschutz und Agrarpolitik, sondern in ihrer Zusammenarbeit. Agrarnaturschutz-Kooperativen würden schon heute zeigen, wie das ganz konkret gelingen kann.
Solarparks gelten gesetzlich als versiegelte Gewerbeflächen. Dabei ist eine gleichzeitige landwirtschaftliche Nutzung angesichts der Flächenknappheit sinnvoll und hat erwiesenermaßen positive Effekte auf die Biodiversität. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat den Weg für die GAP-Förderung von Solarflächen eigentlich frei gemacht – doch das Urteil wird politisch ignoriert, schreibt die Juristin Alexandra Thiel.
Ob Kakaoplantage in Peru, Bananenfarm in Ghana oder Kartoffelacker in Deutschland: Der Preisdruck auf Erzeugerinnen und Erzeuger ist kein alleiniges Problem des globalen Südens, sondern ein internationales Marktversagen, das Lieferketten destabilisiert, Ernährungssicherheit gefährdet und wirtschaftliche Entwicklung blockiert, meint Tim Stoffel, politischer Referent bei Fairtrade Deutschland. Es sei Zeit, dass die EU ganzheitlich handelt.
Eine gesunde Ernährung ist mit den aktuellen Regelsätzen in der Grundsicherung nicht möglich. Gleichzeitig erhöhen Sanktionen das Risiko, ganz ohne Leistungen dazustehen – denn die neue Grundsicherung setzt auf Druck statt auf Absicherung der Grundrechte. Wie Deutschland das Recht auf Nahrung missachtet.
Das geplante Netzpaket der Bundesregierung droht, den Ausbau erneuerbarer Anlagen zu bremsen. Ein Redispatchvorbehalt ohne Entschädigung, neue Baukostenzuschüsse und wachsende Entscheidungsmacht der Netzbetreiber gefährden Investitionen, warnt Janet Hochi, Geschäftsführerin des Biogasrats. Auch im Gasbinnenmarktpaket fehle es an Planungssicherheit für grüne Gase.
Falls die Verordnung über Neue Genomische Techniken demnächst vom EU-Parlament verabschiedet wird und damit in Kraft tritt, wäre eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof aussichtsreich. Denn das Gesetz verstößt gegen das Vorsorgeprinzip der EU, schreiben Georg Buchholz und Tessa Krabbe vom Anwaltsbüro GGSC.
Nachhaltige Biomasse ist eine weltweit stark begrenzte, aber zugleich zentrale Transformationsressource. Politisch wird sie in Deutschland dennoch behandelt, als sei sie nahezu unlimitiert verfügbar. Genau darin liegt ein zentraler strategischer Fehler. Die vorhandenen Ressourcen müssen dringend dort eingesetzt werden, wo sie den höchsten systemischen Nutzen entfalten, schreibt Luisa Keßler von der Klima- und Umweltschutzorganisation Bellona Deutschland.
Eine Gefahr für die Sortenvielfalt sieht Susanne Gura vom Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt durch die neue EU-Saatgutverordnung heraufziehen. Der bürokratische Aufwand für kleine Vielfaltsbetriebe wäre zu groß, befürchtet sie.
Eine neue Studie zeigt: Trotz der grünen Ziele des Internationalen Währungsfonds trugen dessen Kredite zu einem Anstieg der Entwaldung um neun Prozent bei. Deutschland sollte seinen Einfluss für eine Kehrtwende nutzen, schreibt Felix Finkbeiner, Gründer der Stiftung Plant for the Planet.
Für das Erreichen der EU-Klimaziele gewinnt die Landwirtschaft an Bedeutung. Bisher waren die Emissionsminderungen im Sektor zu gering, sagt Sven Harmeling, Leiter im Bereich Klimapolitik beim Climate Action Network Europe. Zurückzuführen ist das auf die politischen Rahmenbedingungen. Nun aber steht auf EU-Ebene eine Reihe von Entscheidungen an, die einen Richtungswechsel einleiten könnten.
Die Spannungen rund um die Straße von Hormus zeigen, wie fragil globale Ernährungssysteme sind – und wie schnell geopolitische Krisen vom Acker bis zur Supermarktkasse durchschlagen. Ana Bojadjievska fordert ein Umsteuern: weniger fossile Abhängigkeiten in der Landwirtschaft, einen besseren Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern in Krisenzeiten und den gezielten Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten.
Der Erhalt von funktionsfähigen Wäldern in Zeiten der Klimakrise ist unbestritten eine große Herausforderung. Dennoch gibt es wirksame und machbare Schritte, um den Klimazielen im Landnutzungssektor näher zu kommen. Im Klimaschutzprogramm muss die Bundesregierung endlich entsprechende Maßnahmen formulieren und diese anschließend konsequent umsetzen, fordern Pauline Schur und Eric Häublein vom Nabu.
Der Schutz von Nutztieren endet nicht am Tor des Schlachthofs – sondern muss bis zum letzten Moment gehen. Eine ruhige Umgebung und wirksame Betäubung sind zentrale Voraussetzungen dafür. Moderne Videoaufzeichnung kann dazu beitragen, Arbeitsabläufe transparenter zu machen und Tierschutzstandards kontinuierlich zu verbessern, sagt Steffen Reiter vom Verband der Fleischwirtschaft. Dafür sollten aber sämtliche Betriebe in die Pflicht genommen werden – nicht nur die großen.
Während die Politik vor allem die Auswirkungen von Überernährung bekämpft, bleibt ein anderes drängendes Problem – nämlich Mangelernährung bei Kranken und Pflegebedürftigen – unsichtbar, meint Hendrik Rosery, Geschäftsführer bei Apetito. Sie betreffe Hunderttausende und verursache hohe Kosten. Ernährung müsse daher fester Bestandteil von Therapie und Prävention werden.
Mit der neuen Waldschutzverordnung wollte die EU ein globales Signal gegen Entwaldung setzen und faire Lieferketten sichern. Doch kurz vor ihrer Umsetzung droht das Gesetz zu einem zahnlosen Kompromiss zu verkommen. Was als Durchbruch gefeiert wurde, droht zu einem Paradebeispiel für Lobbyeinfluss und politisches Versagen zu werden.
Es ist gut und wichtig, dass die Debatte um die Zuckersteuer in der CDU angekommen ist, schreibt Michaela Schröder, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik im Verbraucherzentrale Bundesverband, im Standpunkt. Die CDU habe auf ihrem Parteitag am 20. und 21. Februar die Chance, ein wichtiges Signal zu setzen – für Gesundheit, für Verbraucher:innen und für eine moderne Ernährungspolitik.
Unsichere Allianzen, militärische Spannungen und die Folgen des Klimawandels rücken die Sicherheitspolitik immer stärker ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Frage einer verlässlichen Versorgung bleibt dabei jedoch weiterhin unzureichend beleuchtet, schreibt Nikola Steinbock, Vorstandssprecherin der Rentenbank.
Die sinkenden Füllstände der Gasspeicher zeigen nach Ansicht von Thomas Karle, wie verwundbar die deutsche Energieversorgung weiterhin ist. Der neue Präsident des Fachverbandes Biogas kritisiert, dass das heimische Biogaspotenzial dennoch vernachlässigt wird. Angesichts jüngster geopolitischer Verwerfungen müsse es neu bewertet werden. Kosten sollen ganzheitlich erfasst werden.
In München geht es ab heute darum, wie sich Bedrohungslagen mittelfristig besser auffangen lassen. Dass ein langfristiger Blick auf die Ernährungssicherheit ebenso wichtig wäre, unterstreicht Agrarwissenschaftlerin Stephanie Franck. Insbesondere Sorten und Saaten müssen politisch mitgedacht werden, fordert die Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Pflanzenzüchter.
In Deutschland ist bislang keine Trendwende bei der hohen Nitratbelastung im Grundwasser zu erkennen. Die Düngerechtsreform kommt daher weder an einer Nährstoffbilanzierung noch an einer Nitratregulierung vorbei, argumentiert Wolf Merkel, Vorstand Wasser beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Wie ein schlankes Wirkmonitoring aussehen kann, erklärt er im Standpunkt.
Die LULUCF-Verordnung der EU, das deutsche Klimaschutzgesetz und das jüngste einschlägige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts besagen gleichermaßen: Der Wald soll als CO2-Senke dazu beitragen, das Klima zu schützen. Dieser Fokus ist Irene Seling, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes AGDW – Die Waldeigentümer, zu einseitig. Warum sie eine Reform der Regularien für dringend und zeitgemäß hält, erklärt sie in ihrem Standpunkt.
Von Notstrom bis Meldepflicht: Das neue Kritis-Dachgesetz verpflichtet Betreiber kritischer Anlagen künftig zu systematischen Risikoanalysen, Resilienzplänen und Störungsmeldungen – auch im Ernährungssektor. Die Juristen Eric Wagner und Marc Ruttloff, Partner bei der Anwaltskanzlei Gleiss Lutz, erläutern, welche rechtlichen und organisatorischen Anforderungen daraus folgen, wie sich Haftungsrisiken verändern und worauf Unternehmen jetzt achten sollten.
Vorerst werden dem europäischen Agrar- und Ernährungssektor zukunftsträchtige Absatzmöglichkeiten in Indien entgehen – trotz des neuen Handelsvertrags. Perspektivisch dürften Bevölkerungszuwachs, Urbanisierung und eine expandierende Mittelschicht im Partnerland dafür sorgen, dass die Nachfrage nach ausgeklammerten Erzeugnissen aber deutlich steigt, schreibt Stephanie Kröger, Außenhandelsreferentin beim Verband Der Agrarhandel. Sie fordert einen stufenweisen Ausbau der Handelsbedingungen.
Der Ganztag kommt – doch wer denkt ans Mittagessen? Bundesweit haben alle Kinder, die ab Sommer eingeschult werden, Anspruch auf einen Ganztagsplatz. Eine gesunde, kindgerechte Mahlzeit ist für ihre Zeit in der Schule unverzichtbar. Doch schlechte Rahmenbedingungen, Preisdruck und fehlende Standards gefährden die Qualität der Schulverpflegung – mit Folgen für Gesundheit und Chancengleichheit der Kinder, wie Stefan Lehmann schreibt.
Die Klimakrise setzt die europäische Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Extremwetter wird häufiger, während die Emissionen des Sektors kaum sinken und politische Fehlanreize fortbestehen. In seinem Standpunkt skizziert Sven Harmeling vom Climate Action Network Europe Wege zu einer klimaneutralen und resilienten Landwirtschaft in der EU.
Die Landwirtschaft in Deutschland könnte ihre Zukunftsfähigkeit mit mehr Frauen in Verantwortung noch besser sichern. Bisher aber bleiben die Fähigkeiten von Frauen zu oft ungenutzt, schreiben Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, und Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Rentenbank. Das UN-Jahr der Landwirtin biete die Chance, strukturelle Hürden offen zu benennen und den Weg für echte Fortschritte zu ebnen.
Deutschland will die Ausfuhren seiner Agrar- und Ernährungswirtschaft stärken – doch viele Unternehmen sind auf Importe aus Drittländern angewiesen. Die Teebranche braucht funktionierenden Import von Lebensmitteln aus Ländern außerhalb der EU. Wer Wachstum für die Lebensmittelwirtschaft will, muss Importhemmnisse abbauen und Deutschland wieder zum attraktiven Handelspartner machen.
Erneut demonstrieren Landwirt:innen heute gegen Umweltauflagen und für höhere Agrarbudgets. Doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen: Der Abbau von Natur- und Klimaschutzstandards hat die wirtschaftliche Lage der Betriebe nicht verbessert. Statt Symbolpolitik braucht die Landwirtschaft eine ehrliche Debatte über ihre tatsächlichen Herausforderungen, meint der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland, Jörg-Andreas Krüger.
Verbraucher:innen wollen sich gesund ernähren. Im Alltag stoßen sie dabei allerdings immer wieder auf Hürden, meint Michaela Schröder, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik im Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Politik müsste dafür sorgen, dass eine gesunde Ernährung für alle möglichst einfach wird – unabhängig vom Geldbeutel oder ob zuhause oder unterwegs gegessen wird.
Entlastungen für die mittelständische Ernährungsbranche und eine Stärkung der Gemeinschaftsverpflegung fordert die Geschäftsführerin des Deutschen Tiefkühlinstituts, Sabine Eichner, von der Bundesregierung, um die Ziele der Ernährungsstrategie umzusetzen. Die Nationale Reduktionsstrategie solle wie geplant Ende dieses Jahres enden.
Mehr als 2,4 Milliarden Arbeitskräfte weltweit sind laut einem aktuellen UN-Bericht inzwischen regelmäßig übermäßiger Hitze ausgesetzt. Besonders gefährdet sind Menschen, die im Freien oder in prekären, nicht regulierten Beschäftigungsverhältnissen tätig sind – sie sind den zunehmend belastenden Bedingungen oft schutzlos ausgeliefert.
Agrartechnologie ist keine Nische. Sie ist eine strategische Zukunftsaufgabe, schreibt Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank anlässlich der Agritechnica. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, brauche es klare politische Rahmenbedingungen bei Themen wie CO2-Bilanzierung und Datennutzung.
Die Weltklimakonferenz in Belém darf nicht nur verbesserungsbedürftige Finanzinstrumente beschließen – sie muss endlich verbindliche Entscheidungen zum Schutz der Wälder treffen, meint Jannes Stoppel. Sein Blick richtet sich auch nach Nairobi, wo zur gleichen Zeit eine internationale Umweltsteuer für Milliardäre und fossile Energieproduzenten vorangebracht werden könnte.
Ein technisch orientierter Ansatz zur Senkung der Treibausgasemissionen reicht nicht aus, schreibt Katrin Böhning-Gaese zum UN-Klimagipfel in Belém. Stattdessen sollten Klimaschutz und Biodiversität zusammengedacht werden. Das könnte genau den Unterschied machen, der gefährliche Klimakipppunkte verhindern würde.
Der geringe Selbstversorgungsgrad bei manchen Lebensmitteln in Deutschland wird gern der Bürokratie zugeschrieben. Tatsächlich liegen die Ursachen aber in Struktur, Markt und Politik: Hohe Kosten, Preisdruck und fehlende Vielfalt sind die Folgen der Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft. Ernährungssicherheit braucht funktionierende Systeme – und keine verkürzten Zulassungsverfahren, schreibt Christian Vieth, Geschäftsführer der Stiftung Agrarkultur leben.
Europa ringt um weniger Regeln – dabei sichern sie unsere Zukunft, meint Yvonne Jamal vom JARO Institut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Warum Sorgfaltspflichten und Transparenz unsere Wirtschaft widerstandsfähiger machen – und dessen Aufweichung ein gefährliches Spiel mit der Zukunft wäre, schreibt sie in ihrem Standpunkt.
Die Fähigkeit zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln nimmt in Deutschland stetig ab – insbesondere bei Obst, Gemüse und Ölsaaten, wo die Eigenproduktion nur 20 bis 37 Prozent des Bedarfs deckt. Eine Ursache ist ein übermäßig komplexes und bürokratisches Zulassungssystem für Pflanzenschutzmittel, meint Michael Wagner, Präsident des Industrieverbands Agrar.
Wo es viele Schmetterlinge gibt, sind landwirtschaftliche Ökosysteme in gutem Zustand. Josef Settele und Elisabeth Kühn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sprechen sich deshalb dafür aus, den Index der Grünlandschmetterlinge bei der Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur verpflichtend zu beachten.
Globale Krisen, volatile Märkte und neue Lieferkettenregulierungen setzen die Agrar- und Lebensmittelbranche unter Druck – zugleich eröffnen sie Chancen: Wer Transparenz in der Lieferkette schafft und Nachhaltigkeit als festen Bestandteil des Risikomanagements verankert, gewinnt nicht nur an Compliance, sondern auch an Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit, meint Pierre-François Thaler.
Gesunde Tiere zu töten, widerspricht dem Schutzgedanken des Grundgesetzes. Trotzdem wird es gemacht, erst kürzlich zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Kirsten Tönnies und Martin von Berswordt-Wallrabe plädieren in ihrem Standpunkt für einen anderen Weg: Impfen und testen.
Das Umweltbundesamt prüft, ob Pestizide gefährlich für die Umwelt sind – und kann ihre Zulassung bei drohender Gefahr stoppen. Dieses Vetorecht wird nun von einer Allianz aus Industrie, Bauernverband und konservativen Parteien infrage gestellt. Was nach einer technischen Detailfrage klingt, berührt Grundsätzliches: die Rolle der Wissenschaft in unserer Demokratie, meint Fabian Holzheid, politischer Geschäftsführer am Umweltinstitut München.
Viel Bürokratie ohne Erkenntnisgewinn – das brachte die nun abgeschaffte Stoffstrombilanz aus Sicht der meisten Landwirte. Doch das Ministerium für Landwirtschaft muss das Düngerecht jetzt so ändern, dass die Regeln langfristig Bestand haben. Klarheit und Rechtssicherheit fordert Holger Hennies, Präsident des Landvolks Niedersachsen. Er unterbreitet einen Vorschlag, wie das Verursacherprinzip für Betriebe in den roten Gebieten umgesetzt werden kann.
Einen neuen Vorschlag zur Umsetzung der EU-Anti-Entwaldungsverordnung EUDR macht der Dachverband AGDW – Die Waldeigentümer: Grundlage ist ein regionaler Ansatz, der die Einführung einer Null-Risiko-Variante erlaube und gleichzeitig konform mit den Regeln der Welthandelsorganisation sei. Das würde die Akzeptanz für die EUDR erhöhen, wirbt AGDW-Präsident Andreas W. Bitter für das Konzept.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sollte Unternehmen entlasten – doch die jüngsten Änderungsvorschläge bringen kaum spürbare Erleichterungen meinen die Juristen Eric Wagner, Marc Ruttloff und Florian Schuler, Rechtsanwälte bei der Sozietät Gleiss Lutz. Gerade die Agrar- und Lebensmittelindustrie stehe weiterhin unter hohem Druck. Die Bundesregierung erweise der Branche mit den Anpassungen einen Bärendienst.
Ohne die richtigen Rahmenbedingungen für die Transformation des Ernährungssystems muss das Engagement von Unternehmen Stückwerk bleiben, meint Richard Trechman von Danone. Zu den Details gehört seiner Ansicht nach, die Steuer auf Milchersatzprodukte zu senken. Ein Ernährungsgipfel sollte das große Ganze angehen und mutig neue Strukturen schaffen.
Die Klima- und Biodiversitätskrise müsse auch als soziale Krise betrachtet werden, sagt Anna Holl vom Verein Vielfalt Genießen –insbesondere im Hinblick auf unsere Ernährungssicherheit. So könne eine pflanzenbasierte Ernährung weltweit Millionen Todesfälle vermeiden und gleichzeitig Emissionen reduzieren. Deshalb plädiert sie in ihrem Standpunkt für eine kostenlose Grundversorgung mit gesunden Lebensmitteln für alle, auf öffentlich zugänglichen Flächen.
Die Bundesregierung hat die ersten Monate hinter sich gebracht. Im Wahlkampf sorgte die Union mit ihrer Forderung nach einer Abschaffung des „Heizungsgesetzes“ für Furore. Wie geht die Regierung in der Wärmepolitik mit der Holzenergie um? Gerolf Bücheler vom Fachverband Holzenergie zieht eine kritische Zwischenbilanz.
In ihrem aktuellen Bodenschutzbericht zeigt die Bundesregierung Problembewusstein – doch anstatt konsequent mit Maßnahmen zu reagieren, serviert sie nur einen Mix aus Pilotprojekten, Förderprogrammen und unverbindlichen Zielen, meint Tobias Witte vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Um den Boden und damit die Grundlage für alles andere zu schützen, muss eine grundlegende Neuausrichtung der Bodenschutzpolitik her.
Die Übernahme der Vion-Schlachthöfe durch die Premium Food Group (ehemals Tönnies) sollte nicht genehmigt werden, meint Reinhild Benning von der Deutschen Umwelthilfe. Statt überschüssige Schlachtkapazitäten aufrechtzuerhalten, sollen die Rahmenbedingungen zugunsten von besserer Tierhaltung, alternativen Proteinen und Regionalvermarktung gesetzt werden.
Viele Gentechnik-Befürworter lehnen es vehement ab, die Kennzeichnungspflicht für Neue Genomische Techniken (NGT) beizubehalten – weil das zu aufwändig sei. Dabei wäre ihr Abschaffen das viel größere Problem für die Lebensmittelwirtschaft, schreibt Alexander Hissting.
Wir verbrauchen mehr, als die Erde verkraftet, das zeigt der Erdüberlastungstag eindrücklich. Doch wir können das ändern: Mit einem Wandel beim Konsum, dem Bevölkerungswachstum und beim Ressourcenverbrauch, schreibt Katrin Böhning-Gaese, Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung.
Die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur wird mit fadenscheinigen Argumenten diskreditiert, meint Stephan Piskol vom Naturschutzbund Deutschland. Das Gesetz abzuschaffen, wie jüngst von deutschen Agrarministern gefordert, wäre ein Rückfall in die Zeit unverbindlicher Absichtserklärungen – und das in Zeiten galoppierenden Artenverlusts.
Holz zu verbrennen, ist nicht das Ende der Wälder, schreibt der Bundesverband Bioenergie in Reaktion auf einen Standpunkt des Naturschutzbundes Deutschland von Anfang Juli. Vielmehr ist die Nutzung von Waldholz effizient und ein Beitrag zum Klimaschutz, meint Tim Pettenkofer.
Als strukturschwach belächelte Regionen in Deutschland können die großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit lösen. Forschende von zwei Leibniz-Instituten skizzieren in ihrem Standpunkt einen Plan für das Gelingen von Veränderung. Er zeigt, dass Stadt-Land-Gegensätze überwindbar sind. Ein Rückblick aus der Zukunft.
Eine Modellierung des Thünen-Instituts hat ergeben, dass der Holzvorrat in deutschen Wäldern in den nächsten 40 Jahren relativ stabil bleibt. Ein Freifahrtschein fürs weitere Verbrennen von Holz? Nein, meint Sven Selbert vom Naturschutzbund Deutschland. Dies wäre eine unverantwortliche Vernichtung von Werten und Chancen. Gerade das Laubholz könne mit der Technik des 21. Jahrhunderts wieder ein Motor für Innovation, Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Klimaschutz werden.
Die EU steht vor wichtigen Entscheidungen zu ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Um im Agrarsektor weiter mitspielen zu können, darf sie die Neuen Genomischen Techniken nicht ausbremsen, schreibt Stephan Schraff in seinem Standpunkt. Um zukünftige Investitionen in Europa zu ermöglichen, müsse bei den Verhandlungen im Trilog außerdem ein Patentschutz für die Unternehmen gesichert bleiben.
Ob Kennzeichnungen, Werbeaussagen oder neue Gelder: „Tierwohl“-Initiativen aus Politik und Wirtschaft sollen für bessere Bedingungen in Ställen sorgen. Doch in der Realität sind diese Versprechen oft trügerisch, kritisiert Friederike Schmitz von Faba Konzepte. Statt nur auf bessere Haltungsformen zu setzen, brauche es einen umfassenderen Wandel – hin zu einer pflanzenbasierten Ernährung und einer sozial gerechten Reduktion der Tierhaltung.
Die Klimakrise spitzt sich zu – und mit ihr wächst der Druck auf Staaten, ihre Emissionen zu reduzieren. Viele Länder setzen zusätzlich auf Kompensation durch CO2-Speicherung. Das führt weltweit zu einem enormen Druck auf Landflächen, die dafür benötigt werden – und bedroht die Rechte lokaler Gemeinschaften, sagt Klimaexpertin Tabea Lissner von der Robert Bosch Stiftung. Sie fordert, Menschenrechte einzuhalten, mit abgestimmten internationalen Regelwerken.
Die Stärkung von Kreislaufwirtschaft und Rezyklateinsatz, die angekündigte Reform des Verpackungsgesetzes und eine innovationsfreundlichere Genehmigungspolitik sind wichtige Signale im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung, schreibt Georg Pescher, Präsident der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Nun komme es auf die konsequente Umsetzung dieser Pläne an.