Waldumbau : Ernüchterung beim „Zukunftsbaum“ Douglasie
In die nordamerikanische Douglasie werden große Hoffnungen gesetzt. Doch die Nadelbaumart leidet stärker unter dem Klimawandel als gedacht, zeigen neue Forschungsergebnisse. Der Forscher für Waldökosysteme Christoph Leuschner benennt drei Ansätze, wie die Wälder auf Basis der Wissenschaft möglichst fit für die Zukunft gemacht werden können.
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Die aus Nordamerika stammende Douglasie ist ein Hoffnungsträger der deutschen Forstwirtschaft, weil sie rasch wächst, waldbaulich leicht zu „führen“ ist und wertvolles Holz liefert. In vielen deutschen Waldregionen soll sie die schwächelnde Fichte als Brotbaum zumindest teilweise ersetzen, um die hohe Nachfrage nach Nadelholz zu befriedigen.
Sie gilt zudem als dürretolerant und damit klimastabiler als viele andere Baumarten. Nach der extremen Dürre von 2018 bis 2022 werden deshalb auf vielen Kahlflächen heute Douglasien gepflanzt, meist in Mischung mit anderen Arten; in Nordrhein-Westfalen beispielsweise macht die Douglasie rund ein Drittel der Neupflanzungen auf Schadflächen aus.
Warnsignale aus der Forschung
Praxiserfahrungen aus den jüngsten Dürrejahren und neuere Forschungsergebnisse zur Trocken- und Hitzestressresistenz der Douglasie unter anderem aus meiner Arbeitsgruppe an der Universität Göttingen zeigen jedoch, dass die Douglasie stärker unter dem Klimawandel leidet als bisher angenommen und sie sich in dieser Hinsicht von den meisten heimischen Baumarten wenig unterscheidet.
Sie ist also kein waldbaulicher „Heilsbringer“. Im Vergleich zu Kiefer, Buche und den Eichen bietet sie keinen generellen Klimavorteil. So weisen die Douglasienbestände mehrerer Tieflandregionen Deutschlands heute überwiegend fallende Zuwachstrends auf und die Kronenschäden sind in Rheinland-Pfalz, dem Bundesland mit der größten Douglasienanbaufläche in Deutschland, in den letzten 30 Jahren kontinuierlich angestiegen. In der Heimat der Douglasie in Oregon im Nordwesten der USA ist es nach Hitzewellen zum großflächigen Absterben der Douglasie gekommen.
Dies sind Warnsignale, die zeigen, dass die Douglasie zumindest in den wärmeren Tieflagen Mitteleuropas in Zukunft ebenfalls von Klimaschäden betroffen sein könnte.
Douglasie verstärkt Trockenheit
Auch das verbreitete Bild eines tiefwurzelnden „Klimabaums“ greift zu kurz. Auf tiefgründigem Sand können Douglasien zwar mehrere Meter tief wurzeln; der überwiegende Teil ihrer Feinwurzeln liegt dort jedoch oberflächennäher als bei Buche oder Eiche. Die Douglasie befördert zudem die Bodenaustrocknung und senkt die Grundwasserspende im Vergleich zu anderen Baumarten.
Ihre große Nadeloberfläche fängt nämlich einen erheblichen Teil des Niederschlags in Form von Interzeption ab und dies verringert gemeinsam mit einer relativ hohen Nadelverdunstung (Transpiration) die Bodenfeuchte und die Tiefensickerung. Da Wasser in Zukunft mit der Klimaerwärmung besonders in den Tieflandregionen knapper werden wird, ist eine viel Wasser verbrauchende Baumart wie die Douglasie keine gute Wahl.
Schädlinge folgen nach Deutschland
Wenn gebietsfremde Baumarten eingeführt werden, folgen ihnen in der Regel ihre Schädlinge im Abstand von einigen Jahrzehnten. Die Douglasienschütte und die Douglasienwolllaus reisten dem Baum schon vor Langem aus Amerika hinterher. Die Douglasien-Gallmücke wird seit 2015/16 in Europa nachgewiesen und auch heimische Schadinsekten sowie Krankheitserreger nutzen die Douglasie zunehmend als Wirt.
In ihrer nordamerikanischen Heimat weist die Douglasie ein größeres Schädlingsspektrum auf als alle anderen Baumarten. Weil die eingeführten Schädlinge potentiell auch heimische Baumarten befallen können, stellt die Einfuhr gebietsfremder Baumarten daher auch in dieser Hinsicht ein Risiko für die heimischen Wälder dar.
Invasives Verhalten
Auch im Hinblick auf die Lebensgemeinschaft Wald ist das Bild differenziert. In der Bodenvegetation gingen erwartungsgemäß mit wachsendem Douglasienanteil typische heimische Buchenwaldarten zurück, während Störungsanzeiger zunahmen.
Zudem zeigt die Douglasie auf bestimmten Standorten – wie etwa auf sauren, mageren Böden oder in der Nähe von lichten Waldbeständen – mit fortschreitendem Alter unerwünschtes invasives Verhalten: Sie breitet sich effektiv per Samen aus und ist in der Lage, als Schattenbaumart in der Jugend manche heimischen Gehölze zu verdrängen, so dass es zu Veränderungen in den heimischen Waldgesellschaften kommt.
Um diese negativen Auswirkungen zu minimieren, sollte der Anteil gebietsfremder Baumarten im Wald nirgends 20 bis 30 Prozent überschreiten.
Risiken minimieren, statt Fehler zu wiederholen
Ein Anbau in Mischung mit wassersparenden Baumarten kann die Douglasie stabilisieren und manche negativen Effekte des Douglasienanbaus abschwächen. Entscheidender Vorteil in Hinblick auf den Klimawandel ist jedoch die Streuung des Ausfallrisikos auf mehrere Baumarten.
Es gibt dagegen nur wenige belastbare Hinweise, dass die Umwandlung von Reinbeständen in Mischbestände den Wald insgesamt trockenstressresistenter macht; die Stressresistenz der beteiligten Baumarten ist hier entscheidend. Im Hinblick auf die Hitzebelastung dürften Mischwälder zudem keine wesentlichen Vorteile bieten.
Klimatische und ökologische Risiken verwandeln sich über längere Zeiträume regelmäßig in betriebswirtschaftliche Risiken. Modellrechnungen prognostizieren zwar in der Regel hohe Ertragschancen für die Douglasie, solange sie vital ist, bilden jedoch die Ausfallrisiken aufgrund klimatischer Extremereignisse ungenügend ab, wodurch die wirtschaftliche Rentabilität erheblich sinken würde.
Die Forstwirtschaft täte daher gut daran, alte Fehler wie bei der Fichte nicht mit der „neuen“ Baumart Douglasie zu wiederholen. Die Douglasie kann ein wichtiges Element im Wirtschaftswald der Zukunft sein, insbesondere in kühleren und feuchteren Berglagen, aber mit dem Klimawandel steigen die Risiken besonders in den wärmeren Regionen. Die Forstwirtschaft muss die vorliegenden Warnsignale im Hinblick auf die Douglasie ernst nehmen.
Wälder als dynamische Ökosysteme managen
Mehr noch, die Forstwirtschaft muss ihrer Verantwortung gerecht werden, unsere Wälder im Klimawandel nicht nur als Holzlieferanten zu managen, sondern vor allem den Wald als dynamisches und anpassungsfähiges Ökosystem zu bewahren.
Dies erfordert die Annahme von drei Grundprinzipien in der waldbaulichen Praxis:
- Die Baumartenwahl im Wirtschaftswald muss im Klimawandel primär auf wissenschaftliche Erkenntnisse zur Trocken- und Hitzestressresistenz der Baumarten gründet werden und nicht auf deren Produktivität, wie dies bisher geschah.
- Unsere Wälder müssen vor der Öffnung der Krone durch massive Durchforstungen und vor weiterer Zerschneidung durch Wegebau und andere Störungen bewahrt werden, um das kühl-feuchte Waldinnenklima zu erhalten.
- Die Waldverjüngung muss neu gedacht werden, in der bisher vielfach Saatgut von wenigen besonders produktiven Baumindividuen (sogenannten Plusbäumen) ausgebracht worden ist und damit die genetische Vielfalt im gepflanzten Bestand drastisch verringert wurde. Soweit dies möglich ist, muss die Neubegründung von Beständen über Naturverjüngung erfolgen und auf diesem Wege die natürliche Selektion unter den Jungpflanzen genutzt werden, denn dies ist der Mechanismus, mit dem sich Wälder über Jahrmillionen erfolgreich an den Klimawandel angepasst haben.
Förster und Waldökologen können vielleicht das Wachstum von Einzelbäumen und Beständen unter konstanten Bedingungen befriedigend vorhersagen, aber nicht deren Empfindlichkeit gegenüber klimatischem Stress; Genotypenvielfalt im Bestand ist die beste Versicherung des Bestandes gegenüber dem Klimawandel.
Christoph Leuschner war von 2000 bis 2025 Professor für Pflanzenökologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit 2025 ist er Honorarprofessor an der HAWK Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Am Wochenende wird Christoph Leuschner für seine Forschung die Nabu-Waldmedaille verliehen.
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