Bioenergie : Kaskadennutzung von Holz wirkungsvoll und bürokratiearm umsetzen
Um Holz effizienter zu nutzen, sollte es erst für die Energieerzeugung verbrannt werden, wenn es sich nicht weiter stofflich in Produkten verwenden lässt. Diese sogenannte Kaskadennutzung schreibt die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU vor. Bei der Umsetzung ist die Bundesregierung jedoch säumig und mutlos – wie sie gerade im Gebäudemodernisierungsgesetz zeigt, schreiben Michaela Kruse und Anemon Strohmeyer. Sie skizzieren, wie erste Schritte zu einer sachgerechten Lösung gelingen könnten.
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Die Freude war groß, als Anfang Mai im Referentenentwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) eine Pflicht zur Kaskadennutzung von Holz auftauchte. Demnach hätte nur noch Holz in Heizungen und Heizwerken verbrannt werden dürfen, das nachweislich keiner stofflichen Nutzung etwa als Bauholz, in Spanplatten oder für Biochemikalien mehr gedient hätte.
Während wir den Schritt als notwendig für die Umsetzung der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien RED III sowie für Klimaschutz und Wertschöpfung begrüßten, tobten Teile der Waldbesitzerverbände, der Sägeindustrie und der Holzenergielobby, da sie in der Regelung das Ende der Holzwärme sahen. Hubert Aiwanger sah gar Reiches Ministerium von den Grünen unterwandert, und nach einem Brandbrief aus Bayern verschwand der Passus aus dem vom Kabinett beschlossenen Entwurf sang- und klanglos.
Deutschland ist säumig bei der RED-Umsetzung
Diese Reaktion ist symptomatisch für das Thema Holzenergie und offenbart, in welchen Schlamassel sich die Bundesregierung bei der Umsetzung der RED III mittlerweile manövriert hat. Da nach Jahren der Förderung die Holzverbrennung in der EU das Ziel ausreichender Verwertungskapazitäten erreicht hatte und der Roh- und Brennstoff überfordert zu werden drohte, wurde 2021 umgesteuert.
Die EU beschloss zahlreiche Einschränkungen, darunter ein Verbot der Förderung von Waldholzverbrennung in Stromkraftwerken, ein Verbot von Subventionen für Energie aus bestimmten Holzarten und eben die vorgeschriebene Kaskadennutzung von Holz. Bis Mai 2025 hätte Deutschland diese Vorgaben in nationales Recht umsetzen müssen, woran der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Bundesregierung in einem offenen Brief zum Fristablauf erinnerte. Doch sowohl die Ampelregierung als auch die jetzige Regierung scheiterten bisher an dieser Aufgabe.
Neben der Abwehrhaltung derer, die Holz lieber verbrennen als es stofflich zu nutzen, und deren politischer Unterstützer:innen liegt das an ungeschickter Gesetzgebung: Im Gebäudeenergiegesetz (GEG) wird auf die Biomasseverordnung verwiesen. Diese ist jedoch eigentlich Grundlage für die EEG-Förderung. Wenn man also Waldholz-Strom von der Förderung ausschließen will, wie die RED vorgibt, verbietet man gleichzeitig auch Heizen mit Waldholz.
Diese Verquickung von Ordnungs- und Förderrecht macht der Bundesregierung das Leben schwer und verhindert die überfälligen Anpassungen. Seit Monaten schiebt die Regierung eine Novellierung der Biomasseverordnung vor sich her. Als Lösung sollen laut Referentenentwurf nun statt Waldholz insgesamt nur bestimmte Holzsortimente ausgeschlossen werden. Doch das ist erstens nicht RED-konform (eine Förderung von Waldholz-Strom wäre so weiter möglich) und würde zweitens die Nachweisverfahren für zulässige Biomasse weiter verkomplizieren.
Bürokratischer Albtraum droht, obwohl die Antwort so einfach wäre
Denn neben der Biomasseverordnung muss für die EEG-Förderung auch die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung eingehalten werden. Diese setzt die Nachhaltigkeitskriterien aus der RED um. Auch sie muss noch novelliert werden, um weitere Vorgaben aus der RED III zur Kaskadennutzung und Waldbewirtschaftung aufzunehmen.
Das aufwendige deutsche Zertifizierungssystem und die Datenbank Nabisy sind der Branche bereits jetzt ein Inbegriff für überbordende Bürokratie (ohne dabei der Umwelt viel zu helfen). Wenn jetzt in beiden Verordnungen detaillierte Vorgaben zur förderfähigen Biomasse gemacht werden, die sich aber unterscheiden, drohen ein paralleles Nachweisverfahren und ein noch größerer Bürokratiewust.
Statt auf das Kaskadenprinzip wird im GModG-Kabinettsbeschluss nun sogar auf beide Verordnungen verwiesen. Also würden weiterhin alle komplizierten Fördernachweise auch generell für Holz in der Wärme gelten. Man müsste also beispielsweise nachweisen, dass jedes einzelne Hackschnitzel für die Wärmeanlage nicht aus dem bisher undefinierten Sortiment „Rundholz aus Industriequalität“ stammt und bei dessen Gewinnung verschiedene Kriterien der Waldbewirtschaftung eingehalten wurden.
Das ist in der Praxis schwer umsetzbar und provoziert Widerstand, obwohl eine bessere Kaskadennutzung von Holz dringend notwendig ist.
Wie es gehen kann
Derzeit wird laut der Charta für Holz etwa die Hälfte des in Deutschland anfallenden Holzes verbrannt; bis zu 80 Prozent des Altholzes (gebrauchtes Holz), ein Drittel des Waldholzes und etwa 90 Prozent des eingeschlagenen Laubholzes. Die Zielkonflikte rund um den Rohstoff Holz sind unübersehbar und allen sollte klar sein: So kann es nicht weitergehen.
Holz ist ein wertvoller Rohstoff in der Transformation. Er wird benötigt, um die Bauwende voranzutreiben, durch das Bauen mit Holz, also etwa mit OSB-Platten und Bauspanplatten, sowie für neue Holzbaustoffe wie Furnierschichtholz aus Laubholz oder modulare Holzbausteine, für Dämmwolle aus Holz, für Span- und Faserplatten, Möbel und Verpackungen und zukünftig als fossilfreier Rohstoff in der Chemie.
Just an dem Tag, an dem Umweltminister Schneider morgens das GModG ohne Kaskadennutzung durch das Kabinett winkte, besuchte er nachmittags die Bioraffinerie in Leuna, welche aus Buchenholz Grundstoffchemikalien herstellt. Und das gelingt eben nur, wenn das Holz dort auch tatsächlich ankommt und nicht verbrannt wird.
Der Nabu und der Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI) sowie der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackungen haben sich bereits im März mit einem gemeinsamen Appell an die Bundesregierung gewandt und die Etablierung der Kaskadennutzung gefordert. Der VHI und der Verband Die Papierindustrie haben mit einem Brief an die Regierung zum GModG kürzlich nachgelegt.
Wir bleiben dabei: Die Kaskadennutzung ist die Lösung in der Rohstoff- und Klimaschutzfrage und sie kann implementiert werden, ohne dass die Holzwärme ihre Rolle in der Wärmewende einbüßt und ohne dass überbordende Bürokratie zuschlägt. Hierzu schlagen wir folgende Schritte vor:
- Grundsätzliches Ende der Förderung von Holzverbrennung: Um auf dem Holzmarkt einen fairen Wettbewerb zwischen stofflicher und energetischer Holznutzung zu ermöglichen, sollten alle Subventionen für Holzenergie beendet werden – darunter auch die ermäßigte Mehrwertsteuer für Holzbrennstoffe. Das ist auch im Sinne des Bürokratieabbaus, denn es entfallen die aufwendigen Nachweise für die Förderfähigkeit. Dabei handelt es sich wohlgemerkt um kein Verbot – damit keines ungewollt entsteht, müssen aber die ordnungs- und förderrechtlichen Vorgaben konsequent getrennt werden.
- Sinnvolle ordnungsrechtliche Vorgaben:
Kein Neubau von Großkraftwerken auf Basis stofflicher Holzsortimente.
Konsequente Reduzierung des Wärmebedarfs in Gebäuden durch Sanierung und vollziehbare Verankerung der Kaskadennutzung im GModG.
Konsistente Anpassung des Rechtsrahmens in Linie mit dem Kaskadenprinzip. Der Klimaschutzplan, die Holzbaustrategie und die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie geben hierzu Impulse. - Neuaufnahme und kurzfristiger Abschluss der nationalen Biomassestrategie sowie ein umfangreiches, transparentes Biomasse-Monitoring, insbesondere mit Blick auf projektierte und ans Netz gehende Großkraftwerke sowie die Summe der Kleinanlagen der Holzverbrennung.
- Unterstützung der Waldbewirtschaftenden, insbesondere des Kleinprivatwalds, im aktiven Waldumbau zur Mobilisierung von Holzvorräten und Verbesserung rechtlicher, organisatorischer und marktlicher Rahmenbedingungen für die stoffliche (Laub-)Holzvermarktung.
Mit diesen Maßnahmen wäre schon viel gewonnen. Für das Klima und unsere Wälder und für die Wertschöpfung. Denn Holz ist ein wertvoller Rohstoff, in der Regel zu schade zum Verbrennen! Nur wenn mehr Holz stofflich genutzt und weniger Holz verbrannt wird, kann Deutschland seine Klimaziele erreichen und zugleich auf Vorhaben wie die Bauwende einzahlen.
Diese Erkenntnis muss beim Ausbau von Holzenergie und Holzwärme berücksichtigt werden, damit die begrenzte Rohstoffbasis nicht überfordert und andere wichtige Nutzungen verdrängt werden. Wir schulden dem wertvollen Rohstoff Holz eine vertiefte sachliche Debatte und mutige, zukunftsfähige Lösungen.
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