Cloud-Infrastruktur : Was die Bundeswehr vom Pentagon über digitale Souveränität lernen kann

Marc Fischer
Marc Fischer ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Hewlett Packard Enterprise (HPE) in Deutschland. Foto: Hewlett Packard

US-Anbieter sind bei Cloud-Infrastrukturen führend. Wenn Deutschland seine digitale Souveränität ausbauen will, sollte es sich dennoch in den USA umschauen. Die Defense Information Systems Agency zeigt Wege auf, wie Prototypen entwickelt werden können.

von Marc Fischer

veröffentlicht am

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Die deutsche Militärstrategie setzt der Bundeswehr das langfristige Ziel technologischer Überlegenheit, zugleich muss sie strategische Abhängigkeiten reduzieren. Gerade bei Cloud-Infrastrukturen ist beides schwer zu vereinbaren. „Buy European“ ist hier nur begrenzt umsetzbar, weil US-Anbieter bei Cloud-Technologien oft führend sind. Datenkontrolle und abgeschotteter Betrieb erhöhen zwar die Souveränität, beseitigen aber nicht die Abhängigkeit von der eingesetzten Technologie. Einen Weg, Leistungsfähigkeit und Souveränitätsanforderungen enger zu verzahnen, zeigt ein Projekt der amerikanischen Defense Information Systems Agency, kurz DISA.

Die DISA betreibt und schützt für das US-Verteidigungsministerium eine weltweite IT- und Kommunikationsinfrastruktur und unterstützt damit die US-Streitkräfte unmittelbar bei Führung, Informationsaustausch und Operationen. Die IT-Ressourcen verteilten sich auf voneinander unabhängige und isolierte Umgebungen in privaten und öffentlichen Clouds, jeweils mit eigenen Managementsystemen, Prozessen und Portalen. DISA wollte diese Ressourcen über eine einheitliche Plattform steuern.

Denn Informationsüberlegenheit und Multi-Domain-Operations verlangen, dass Daten und Anwendungen aus getrennten Systemen zusammengeführt werden. Die neue Plattform soll die komplexe IT-Landschaft vereinfachen, Kommunikationswege verkürzen und neue Anwendungen schneller in den Betrieb bringen. Auf dieser Grundlage sollen künstliche Intelligenz und Datenanalyse Einsatzkräfte bei weltweiten Operationen in Echtzeit unterstützen.

Bemerkenswert ist der Weg dorthin. Im April 2024 beauftragte die DISA HPE auf Grundlage einer sogenannten Other Transaction Authority, kurz OTA, mit der Entwicklung eines Prototyps. Der Auftrag war Teil eines gestuften Beschaffungsansatzes: Erst der erfolgreiche Abschluss des Prototyps öffnete den Weg zum Aufbau der Produktionsumgebung.

Installationen in zwei Rechenzentren der Behörde, in Mechanicsburg im Bundesstaat Pennsylvania und in Ogden in Utah, dienten dazu, die vorgesehenen Fähigkeiten zu testen und zu validieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Prototyps beauftragte DISA im November 2025 die Umsetzung mit einer Laufzeit von zehn Jahren.

Die Zielarchitektur ist eine „Distributed Hybrid Multi-Cloud“. Sie verbindet eigene Systeme und kommerzielle Cloud-Dienste über eine gemeinsame Steuerungsebene. Die Plattform wird in Rechenzentren der DISA air-gapped betrieben, also ohne direkte Verbindung zu externen Netzen. Eine Zero-Trust-Architektur soll die Daten zusätzlich schützen, indem jeder Zugriff unabhängig von seinem Ausgangspunkt ausdrücklich geprüft und autorisiert wird.

OTAs geben dem US-Verteidigungsministerium bei Forschungs- und Prototypenvorhaben mehr Spielraum als klassische Beschaffungsverträge. Die Beteiligten können Technologien erproben und auf den jeweiligen Auftrag zuschneiden. In deutschen Rüstungsprojekten ist ein solcher Modus bisher die Ausnahme geblieben. Das Verteidigungsministerium hat aber in seiner Reformagenda vom Mai 2026 mehr Flexibilität in den Beschaffungsverfahren angekündigt.

Ein solches Vorgehen hebt die Abhängigkeit vom Technologieanbieter nicht auf. Der Auftraggeber kann aber mehr Einfluss auf die Ausgestaltung der Lösung nehmen, und er kann vor allem die Kompetenz aufbauen, sie zu betreiben und an veränderte Anforderungen anzupassen.

Technologische Überlegenheit verlangt die Fähigkeit, Daten, Anwendungen und Systeme über Domänengrenzen hinweg so zu verbinden, dass daraus militärische Wirkung entsteht. Diese Fähigkeit erwirbt ein Auftraggeber nicht als reiner Käufer vorspezifizierter Produkte, sondern nur, wenn er in der Zusammenarbeit mit dem Anbieter lernt, das Zusammenspiel der eingesetzten Technologien selbst zu beherrschen. Genau hier lassen sich technologische Überlegenheit und digitale Souveränität miteinander verbinden.

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