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EU-Mission zur Anpassungsforschung : Klimaresilienzrahmen: Nicht bei Null anfangen

Oliver Ziegler
Oliver Ziegler
Niklas Mischkowski
Niklas Mischkowski
Oliver Ziegler, Programmleiter beim Institut für Innovation und Technik; Niklas Mischkowski, Head of Governance Innovation beim ICLEI European Secretariat Foto: VDI/VDE-IT, ICLEI

Mit einem neuen Rahmen für Klimaresilienz will die Europäische Kommission Europa besser gegen Klimarisiken wappnen. Doch ausgerechnet die Zukunft der EU‑Klimaanpassungsmission, die dafür bereits wichtige Strukturen geschaffen hat, ist ungewiss, schreiben Dr. Oliver Ziegler vom Institut für Innovation und Technik und Niklas Mischkowski vom ICLEI European Secretariat.

von Oliver Ziegler , Institut für Innovation und Technik (iit) & Niklas Mischkowski, ICLEI European Secretariat GmbH

veröffentlicht am

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Die Europäische Kommission hat am 27. Oktober einen neuen Rahmen für Klimaresilienz vorgestellt, um Europas Fähigkeit zur Vorhersage, Vorbereitung und Bewältigung von Klimarisiken zu stärken. „Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt“, so Kommissionpräsidentin von der Leyen bei der Vorstellung der Initiative. „Um wirklich klimaresilient zu werden, müssen wir uns anpassen.“

Brüssel versteht Klimaresilienz dabei als strategische Investition in die Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit, Gesundheit und den Wohlstand Europas. Darüber hinaus verweist die Kommission auf die wirtschaftlichen Folgekosten durch Klimaschäden: So beliefen sich die geschätzten Verluste für den Zeitraum 2022–2025 auf rund 200 Milliarden Euro, also 50 Milliarden Euro pro Jahr.

Der neue Resilienzrahmen schlägt nun einen systemischen Wandel vor: Klimaresilienz soll in allen wichtigen Politikbereichen – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene – verankert werden. Im Mittelpunkt stehen ein systematischeres Klimarisikomanagement sowie klarere Verantwortlichkeiten auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene.

Dazu setzt die Kommission auf gemeinsame wissenschaftliche Grundlagen, eine stärkere Koordinierung und die gezielte Unterstützung besonders gefährdeter Regionen. Ein neues Gesetz zur Klimaresilienz, ein zentraler Bestandteil der Initiative, soll sicherstellen, dass die EU und die Mitgliedstaaten gemeinsam handeln und ihre Klimarisiken abgestimmt adressieren.

Bemerkenswert ist, dass die EU mit ihrer Mission „Anpassung an den Klimawandel“ bereits genau an diesen Herausforderungen arbeitet. Seit 2021 unterstützt sie europäische Regionen und Kommunen dabei, ihre Klimarisiken systematisch zu analysieren, besonders gefährdete Bereiche zu identifizieren und darauf aufbauend Anpassungsstrategien zu entwickeln. Im Rahmen geförderter Forschungs- und Innovationsprojekte stellt sie dafür wissenschaftliche Methoden, technische Unterstützung und regionale Netzwerke bereit.

Diese vorhandenen Erfahrungen und Instrumente bieten eine Grundlage, auf der die lokale Umsetzung des neuen Resilienzrahmens aufbauen könnte. Umso erstaunlicher ist, dass die Zukunft dieser Mission aktuell in einem Streit über die Fortführung aller EU-Missionen ungewiss bleibt.

Missionsorientierter Ansatz in der Kritik

Die Klimaanpassungsmission ist eine von fünf EU-Missionen, die 2021 unter dem 9. Forschungsrahmenprogramm „Horizon Europe“ gestartet wurden. Der „Missions-orientierte Ansatz“ soll in erster Linie Forschung und Innovation mit zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen, politischer Steuerung und praktischer Umsetzung verbinden.

Im Zuge der Verhandlungen über das nächste Forschungsrahmenprogramm FP10 steht dieser Ansatz jedoch auf dem Prüfstand. So kritisiert der Koordinator des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) im Europäischen Parlament, Christian Ehler (EVP), eine zunehmende Orientierung der Forschungsförderung an kurzfristigen politischen Prioritäten. Weitere Kritiker bemängeln die komplexen Governance-Strukturen der Missionen.

Diese Kritik ist ernst zu nehmen. Europas Forschungsförderung ist komplex, ihre Instrumente sind nicht immer ausreichend aufeinander abgestimmt. Doch wissenschaftliche Exzellenz und gesellschaftliche Wirkung sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Gerade bei der Klimaanpassung fehlt es häufig weniger an wissenschaftlichen Erkenntnissen als an funktionierenden Finanzierungsmodellen und der Umsetzung geeigneter Lösungen. Innovative Hochwasserschutzmaßnahmen oder naturbasierte Lösungen helfen wenig, wenn Zuständigkeiten ungeklärt bleiben oder Kommunen die notwendigen Ressourcen fehlen.

Ein europäisches Experiment nicht vorzeitig beenden

Das „European Regions Research and Innovation Network“ (ERRIN) und ICLEI Europe fordern gemeinsam mit weiteren europäischen Städtenetzwerken eine stärkere politische Verankerung der Missionen sowie ihre bessere Verzahnung mit anderen Förderinstrumenten. Die Partner setzen sich zudem für ihre Fortführung mindestens bis 2030 ein. Die Missionen sind langfristig angelegte Experimente, die neue Wege zwischen Forschung, Politik und regionaler Praxis erproben. Ein vorzeitiges Ende würde riskieren, dass aufgebaute Partnerschaften, Kompetenzen und Umsetzungsstrukturen verloren gehen.

Die Klimaanpassungsmission hat inzwischen mehr als 600 Regionen und lokale Behörden mobilisiert. In zahlreichen Regionen werden innovative Anpassungslösungen entwickelt und erprobt. Das Missions-Projekt AdaptationHubs unterstützt beispielsweise in allen 27 EU-Mitgliedstaaten nationale Anlauf- und Koordinierungsstellen, die Ministerien, Regionen und Kommunen vernetzen, lokale Bedarfe in nationale Politikprozesse einbringen und den Zugang zu Fachwissen und praktischer Unterstützung erleichtern.

Mit klaren Mandaten und einer langfristigen Finanzierung könnten diese an die jeweiligen nationalen Verwaltungsstrukturen angepassten Hubs die Umsetzung des neuen Resilienzrahmens vor Ort unterstützen, ohne zusätzliche Parallelstrukturen aufzubauen sowie die vielfältigen Ergebnisse aus der Klimaanpassungsmission der EU in die Kommunen bringen.

Impact statt Output

Die Kommission wirbt auf ihrer Missions-Website mit bisher 620 „Mitgliedern“ und 333 Unterzeichnern der Charta. Allerdings müssen sich die Missionen an ihren Ergebnissen messen lassen. Die Zahl der Unterstützer belegt noch keine erfolgreiche Klimaanpassung. Die Zwischenbewertung vom September 2026 erkennt Fortschritte an, benennt aber Schwierigkeiten bei Finanzierung, Skalierung und Wirkungsmessung.

Hier bietet der neue europäische Resilienzrahmen eine Chance: Klimarisikobewertungen sollten mit einer systematischen Evaluation der Anpassungsmaßnahmen verbunden werden. Entscheidend ist nicht, wie viele Workshops stattfinden, sondern ob Klimarisiken tatsächlich reduziert, institutionelle Kapazitäten gestärkt und Investitionen mobilisiert werden.

Zugleich braucht es eine bessere und transparentere Verbindung zwischen Forschungs- und Investitionsförderung. Die Missionen können innovative Lösungen erproben, ihre breite Umsetzung erfordert jedoch komplementäre Mittel aus europäischen, nationalen und regionalen Programmen, wie der Kohäsionsförderung. Hier ist die Datenlage weiterhin sehr dünn.

Europas Klimaresilienz entsteht vor Ort

Erfolgreiche Klimaanpassungsmaßnahmen hängen stark von regionaler Zusammenarbeit und handlungsfähigen Institutionen ab. Der neue europäische Resilienzrahmen sollte deshalb auf den Erfahrungen der Klimaanpassungsmission aufbauen. Dafür braucht es drei Schritte: die Fortführung der Mission mindestens bis 2030, eine konsequentere Bewertung ihrer tatsächlichen Wirkung und eine effizientere Verzahnung mit nationalen und regionalen Programmen.

Wer Europas Klimaresilienz stärken will, sollte nicht bei null anfangen: Die EU hat mit ihrer Klimaanpassungsmission bereits wichtige Strukturen geschaffen, um europäische Ziele in regionales Handeln zu übersetzen. Jetzt gilt es, diese zu stärken und zu skalieren, statt Transformationsprozesse auf halbem Weg abzubrechen.

Emily Bankert (ICLEI) und Stefan Koderisch (ICLEI) haben an diesem Artikel mitgearbeitet.

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