G-BA-Beschluss zu Biosimilars : Gefahr für Versorgungssicherheit und Produktion
Ein neuer G‑BA-Beschluss erlaubt exklusive Rabattverträge für Biosimilars – und stellt damit das Versorgungssystem auf den Kopf. Die Branche warnt vor massivem Preisdruck, Produktionsrückzug aus Europa und neuer Abhängigkeit von China. Experten fordern: Die Politik muss eingreifen und Exklusivverträge verbieten.
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Als im November 2025 das Osteoporose-Mittel Denosumab aus dem Patent lief, zeigte sich, wie verlässlich der Biosimilar-Wettbewerb funktioniert – und wie intensiv er ist. Innerhalb kürzester Zeit traten zahlreiche Hersteller in den Markt ein. Die Folge: Die Preise sanken deutlich. Ein Anbieter setzte den Preis seines Präparats sogar 70 Prozent unterhalb des Listenpreises des Originals an. Das ist ein klarer Beweis dafür, dass der Markt – selbst ohne maximalen Unterbietungsdruck durch exklusive Rabattverträge – in der Lage ist, erhebliche Einsparungen zu erzielen.
Mit dem jüngsten Beschluss des G-BA könnte dieser Wettbewerb jedoch in eine neue Richtung gedrängt werden. Künftig dürfen Kassen ein einziges Unternehmen auswählen, das den Zuschlag für einen exklusiven Rabattvertrag erhält. Der günstigste Preis entscheidet, alle anderen verlieren den Zugang zur Versorgung. Damit hält das Generika-Prinzip des „Hauptsache billig“ dann auch bei Biosimilars Einzug – mit allen bekannten Konsequenzen.
Der niedrigste Preis hat einen hohen Preis
Dass Einsparungen notwendig sind, steht außer Frage. Doch der reine Preiswettbewerb birgt bei Biosimilars besondere Risiken. Der bisherige Markt ist stabil – die Produktion in Europa, auf die es in Krisenzeiten massiv ankommt, stark. Open-House-Verträge haben entscheidend dazu beigetragen: Mehrere Hersteller können parallel liefern, und dadurch Wettbewerb, Versorgungssicherheit sowie Produktionskapazitäten garantieren. Aktuell sind neun von zehn Biosimilars bei Krankenkassen unter dieser Art von Rabattvertrag.
Exklusive Ausschreibungen läuten hier eine Umkehr ein. Sie machen die Versorgung von einem einzigen Anbieter abhängig und setzen alle anderen wirtschaftlich unter Druck. Wer keinen Zuschlag erhält, verliert nicht nur Marktanteile, sondern oft die gesamte Grundlage für die Produktion. Das führt zwangsläufig zu Rückzügen. Wie fragil die Versorgung dann werden kann, hat der Generikamarkt eindrucksvoll gezeigt: Bei manchen Präparaten blieb am Ende ein einziger Hauptanbieter übrig. Gleichzeitig rutschte Europa immer tiefer in die Abhängigkeit von China, das seine Pharmaindustrie gezielt und massiv subventioniert. Eine Entwicklung, die geopolitisch riskant ist und uns politisch erpressbar macht, wie eine Studie von Pro Generika zuletzt eindrücklich gezeigt hat.
Die Politik muss jetzt handeln
Mit Blick auf Biosimilars besteht die Chance, diese Fehler nicht zu wiederholen. Die Politik kann auch nach dem Beschluss des G-BA noch eingreifen und verhindern, dass der Unterbietungswettbewerb auf biopharmazeutische Arzneimittel übergreift. Ein Verbot exklusiver Rabattverträge wäre der einzige wirksame Schritt, um sicherzustellen, dass die europäische Produktion wettbewerbsfähig bleibt und Hersteller nicht aus dem Markt gedrängt werden.
Nur mit einem Verbot lässt sich verhindern, dass der Preisdruck die Produktion in Europa langfristig unwirtschaftlich macht. Nur so wird vermieden, dass Unternehmen sich zurückziehen müssen, weil sie entweder nicht mitbieten können oder aufgrund des Zuschlags eines anderen komplett ausgeschlossen werden. Und nur so lässt sich verhindern, dass chinesische Hersteller von einem strukturellen Wettbewerbsvorteil profitieren und dem erklärten Ziel ihres Landes, bis 2035 Weltmarktführer bei Biopharmazeutika zu werden, näherkommen – nicht durch eigenes Zutun, sondern durch europäische Fehlanreize.
Ein solcher Schritt würde zudem keineswegs bedeuten, auf Einsparungen verzichten zu müssen. Der Biosimilar-Markt erzielt bereits heute Einsparungen in Höhe von zwei Milliarden Euro jährlich. Die hohe Abdeckung mit Open-House-Verträge sorgt dafür, dass trotz breiter Marktteilnahme hohe Rabatte möglich sind. Das Beispiel Denosumab zeigt, dass der Wettbewerb allein ausreicht, um Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent zu erzielen – ganz ohne exklusive Rabattverträge.
Walter Röhrer ist Vorsitzender der AG Pro Biosimilars und Associate Director Market Access Biosimilars bei Biogen.
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