Smart City Briefing vom 02.10.2024

Liebe Leserin, lieber Leser,

am morgigen Donnerstag feiert Deutschland seine Wiedervereinigung – und dieses Deutschland wird wesentlich geprägt von seinen rund 11.000 Kommunen. Egal ob in Ost oder West, Nord oder Süd, überall wird daran gearbeitet, diese smarter zu machen – zum Wohle ihrer Einwohner:innen, aber auch zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen etwa in Verwaltung oder Daseinsvorsorge.

Zu den großen Sorgen gehört das Thema Fachkräftemangel. Gerade bei Digitalthemen haben es viele Kommunen besonders schwer, Personal zu gewinnen. Sie können keine marktüblichen Gehälter auszahlen und das Arbeitsumfeld in der Verwaltung lockt ITler auch nicht unbedingt. Matthias Wieliki versucht in seiner Kommune, gegenzusteuern. Er verantwortet in Bad Naunheim Steuerungsthemen und versucht, Digitalisierung nicht auf die Arbeit eines einzelnen Teams zu beschränken, sondern dieses Team in alle Abteilungen wirken lassen. Helen Bielawa hat ihn nach seinen Tipps für Mitarbeiter:innenmanagement und für die organisatorische Verankerung von Digitalthemen gefragt.

Die 73 Modellprojekte Smart Cities (MPSC), die der Bund mit rund 820 Millionen Euro fördert, sollten auch dieses Problem angehen. Von den bis zu elf Millionen Euro pro geförderte Kommune darf auch Personal eingestellt werden. So sind in den MPSC-Kommunen neue Smart-City-Teams entstanden, teils als eigene Abteilung, teils beim Bürgermeister angesiedelt, teils beim CDO. So sind knapp 300 Stellen geschaffen worden. Das ergab Ende vergangenen Jahres eine Umfrage der Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities (KTS), die die Projekte begleitet. In dieser Umfrage wurde allerdings nur nach absoluten Zahlen gefragt, nicht nach Vollzeitäquivalenten.

Den zuletzt von der KTS erhobenen Zahlen zufolge sind aktuell 74 Stellen unbesetzt. Das ist gut eine Stelle pro geförderter Kommune und fast jede vierte der geschaffenen Stellen. Fast überall fehlt also Personal für die geplanten Smart-City-Projekte. Einige MPSC-Teams arbeiteten wochenlang ohne Leitung, andere suchen händeringend nach Personal. Helen Bielawa hat mit Mitarbeitenden gesprochen, die gekündigt haben.

Die Gründe sind zwar individuell und zum Teil persönlicher Natur. Aber es wird deutlich: Die Förderpolitik, die schleppende Verwaltungsdigitalisierung und die föderalen Strukturen spielen eine wichtige Rolle. Die vier anonymen Berichte von Mitarbeitenden aus MPSC-Teams zeigen, was mitunter bei der deutschen Smart-City-Politik besser laufen könnte und warum die Verwaltungsdigitalisierung nicht vom Thema Smart City zu trennen ist.

Damit Sie Ihre Woche nicht nur nachdenklich, sondern auch gut informiert abschließen, finden Sie am Ende der Ausgabe wie gewohnt der Blick in die Pressestimmen und auf die Termine der kommenden Wochen!

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