Bioenergie : Ermöglichen statt verhindern: Potenziale von Holz nutzen, heißt Klima schützen
Holz zu verbrennen, ist nicht das Ende der Wälder, schreibt der Bundesverband Bioenergie in Reaktion auf einen Standpunkt des Naturschutzbundes Deutschland von Anfang Juli. Vielmehr ist die Nutzung von Waldholz effizient und ein Beitrag zum Klimaschutz, meint Tim Pettenkofer.
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Immer wieder warnen Umweltverbände eindringlich vor einer drohenden Verfeuerung wertvoller Holzressourcen. Doch was gerne als Schreckgespenst einer totalen Holzverbrennung heraufbeschworen wird, ist in Wahrheit eine bewährte, gesetzlich regulierte Praxis: Holz wird stofflich genutzt, wo immer es sinnvoll und wirtschaftlich ist – und energetisch, wo stoffliche Verwertungspfade an ihre Grenzen stoßen.
Fakten? Ja, bitte!
Eine gerne gezündete Nebelkerze der Umweltverbände, wie kürzlich im Standpunkt von Sven Selbert vom Naturschutzbund Deutschland zu lesen war, ist die Unterstellung, die Holzenergiebranche wolle das gesamte nachhaltige Rohholzpotenzial verbrennen. Selbert postuliert in seinem Beitrag eine Theoriegröße von 160 Terawattstunden energetischer Waldholznutzung.
Eine Behauptung, die der Prüfung nicht standhält: Die tatsächlich energetisch genutzten Mengen Waldholz liegen weit darunter: Nach einer bekannten UBA-Studie wurden 2020 etwa 25 Millionen Kubikmeter Waldholz energetisch genutzt. Das entspricht einem Energiegehalt von umgerechnet 50 Terawattstunden. Das „Schreckgespenst“ der 160 Terawattstunden verringert sich nach diesen Berechnungen auf weniger als ein Drittel und ist somit deutlich kleiner.
Hierbei handelt es sich häufig um Potenziale, die für die Industrie und eine potenzielle stoffliche Nutzung nicht wirtschaftlich erschlossen werden können, da die Stämme beispielsweise nur in geringen Stückzahlen anfallen und sich eine maschinelle Ernte nicht lohnt. Diese Stämme finden, teils durch Selbstwerbung, als Scheitholz ihren Weg in private Haushalte – das heißt, dass sich Privatleute unter bestimmten Voraussetzungen und in Absprache mit dem Förster markierte Bäume im Wald fällen und aufarbeiten dürfen. Ohne diesen Verwertungspfad würde dieses Holzpotenzial zum großen Teil ungenutzt bleiben.
Stoffliche und energetische Holznutzung gehen immer Hand in Hand
Die Daten des UBA belegen: Holzenergieanlagen nutzen bereits vor allem Rest- und Abfallstoffe. Dabei gilt als Daumenregel: Je größer die Anlage, desto höher ist auch der Anteil von Altholz in ihrem Brennstoffmix. In kleineren Heizkraftwerken werden vor allem Hackschnitzel verwertet, die aus Waldrestholz (also Kronen- und Durchforstungsholz) oder Landschaftspflegematerial bestehen.
Für die Waldbesitzenden ist die energetische Verwertung dieser Sortimente ein wichtiger Beitrag zur Refinanzierung der für die Wertholzproduktion notwendigen Pflegemaßnahmen. Der aktive Waldumbau pflegt den Wald und stärkt ihn. Der Anteil an Totholz ist laut Bundeswaldinventur IV bereits auf einem Rekordniveau und eine weitere Steigerung hat negative Effekte wie die Verstärkung von Waldbränden, wie zuletzt auch der als „Waldbrandpapst“ bekannte Professor Johann Goldammer in einem Interview betonte. Gerade in Zeiten des Klimawandels und zunehmender Dürre kann man davor die Augen nicht verschließen.
In aller Deutlichkeit: Niemand in der Holzenergiebranche hat jemals behauptet, das gesamte nachhaltig verfügbare Potenzial energetisch nutzen zu wollen. Aber Waldpflege muss sein. Und Waldbewirtschaftung dient in erster Linie der Wertholzproduktion, Energieholz ist dabei ein Nebenprodukt.
Keine Wärmewende ohne Holzenergie
Unabhängig davon, ob Altholz oder Waldrestholz: Nach Darstellung der Agentur für Erneuerbare Energien übernimmt Holzenergie mit einer Wärmeleistung von insgesamt rund 135 Terawattstunden circa 68 Prozent der erneuerbaren Wärmebereitstellung in Deutschland – bei einem Gesamtanteil erneuerbarer Wärme von aktuell nur rund 18 Prozent.
Bis 2030 soll dieser Anteil auf 50 Prozent steigen, bereits 2045 muss der Gebäudebestand sowie Wärmenetze und industrielle Wärmeanwendungen klimaneutral sein. Die bisherige Praxis der energetischen Verwertung von (wohlbemerkt nachweislich nachhaltigen) Energieholzsortimenten ist dafür eine wichtige Basis. Wer an ihr rüttelt, rüttelt an der Energie- und Klimawende und gibt Wasser auf die Mühlen der fossilen Lobby.
Die vorgenannten Zahlen und die Ergebnisse der Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung (WEHAM) zeigen, dass wir den klimapositiven Beitrag der Holzenergie, der durch den Ersatz fossiler Brennstoffe entsteht, noch weiter hochdrehen können (und sogar müssen!), wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen. Das geht vor allem durch eine konsequente Nutzung aller wirtschaftlich und nachhaltig verfügbaren Potenziale – stofflich wie energetisch – ergänzt durch eine umfassende Kampagne für Holzprodukte.
Holzenergie kann mehr, wenn man sie lässt
Klar ist: Die stoffliche Holznutzung steht jetzt und in Zukunft an erster Stelle. Doch sie ist nicht in der Lage, jedes einzelne Holzstück wirtschaftlich sinnvoll zu verarbeiten – erst recht nicht unter den Bedingungen des Klimawandels und zunehmender Kalamitäten. Holzenergie macht also dort weiter, wo die stoffliche Nutzung an ihre Grenzen stößt – und finanziert dabei Pflegemaßnahmen, sichert Arbeitsplätze im ländlichen Raum und stabilisiert regionale Wirtschaftskreisläufe. Allein 2024 hat der Betrieb von Bioenergieanlagen (insgesamt) nach Zahlen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik hierzulande für wirtschaftliche Impulse in Höhe von 9,67 Milliarden Euro gesorgt.
Doch viele in der Branche wollen noch mehr tun: Durch die Produktion von Pflanzenkohle und die Abscheidung von CO2 können wertvolle Negativemissionen generiert werden, die unabdingbar sind, um unvermeidliche Restemissionen auszugleichen. Es ist an der Politik, jetzt die passenden gesetzlichen und förderpolitischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die energetische Holznutzung ihren Klimaschutzbeitrag weiter ausbauen kann.
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