Holzenergie : Kluge Weichenstellung bei der Holznutzung zahlt sich aus

Michaela Kruse
Michaela Kruse ist Biomasse-Expertin beim Nabu Foto: sevens+maltry

Auch, wenn nur ein Bruchteil der fossilen Energieerzeugung durch Holz ersetzt wird, geht die Rechnung nicht auf: Politik sollte helfen, Fehlinvestitionen zu vermeiden und die notwendigen Weichen für die Transformation zu stellen, meint Michaela Kruse, Biomasse-Expertin des Nabu.

von Michaela Kruse, Naturschutzbund Deutschland

veröffentlicht am

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Das 1500 MW-Kohlekraftwerk Reuter-West in Berlin verbrennt täglich mehr als 3000 Tonnen Steinkohle – zum Glück ist seine Stilllegung nah. Das am Standort geplante 110 MW-Holzheizkraftwerk würde circa 700 Tonnen Altholz am Tag verbrennen. Bereits diese Menge ist geeignet, den Altholzmarkt in der Region Berlin-Brandenburg zu überfordern.

Das Holz ist bereits verplant, wird zum Beispiel in Brandenburg zu Spanplatten und Laminat verarbeitet oder es wird in anderen Holzkraftwerken der Region verbrannt. Wenn Berlin – wie geplant – langfristig die von der Politik erlaubten 15 Prozent seiner Fernwärme mit Holzkraftwerken erzeugen will, benötigt es jährlich sogar bis zu 1,6 Millionen Tonnen Holz. Das ist mehr als die gesamte Jahresernte des Landesforsts Brandenburg. Dieses Beispiel macht eindrucksvoll deutlich: Selbst, wenn nur ein Bruchteil der fossilen Energieerzeugung durch Holz ersetzt wird, geht die Rechnung einfach nicht auf.

Holz reicht nicht für alle Zwecke in der Transformation

Was folgt daraus? Für die Energie- und Wärmewende brauchen wir in der Breite ohnehin andere klimafreundliche Technologien. Mit Wind, Sonne und Batterien für Strom sowie Geothermie, Großwärmepumpen und innovativen Wärmespeichern stehen zum Glück heutzutage viele Alternativen zur Auswahl.

Auf Holz zu setzen, weil es so bequem an die Verbrennungsgewohnheiten anknüpft und in der Investition vielleicht zunächst billiger ist, wird sich rächen – auch für die Energieunternehmen und deren Kund:innen.

Eine konsequente Lenkung ist wirtschaftlich von Vorteil

Das neue Holzheizkraftwerk in Hannover-Stöcken zeigt exemplarisch das Dilemma: Das Potenzial an verfügbarem Altholz als Brennstoff ist in der Region bereits mehr als ausgeschöpft. Im Zweifel muss künftig auf Waldholz zurückgegriffen oder die Betriebsstunden müssen reduziert werden. Die Fernwärmepreise werden absehbar mit den Marktpreisen für das knappe Holz steigen. Derweil wird in etwa 200 km Entfernung, in Stade, Deutschlands größtes Altholzkraftwerk geplant. Sollte die Politik nicht helfen, solche Fehlinvestitionen zu verhindern und die Transformation mit Weitsicht zu steuern?

Die dafür gedachte Nationale Biomassestrategie (NABIS) ist von der Ampelregierung nicht vollendet worden, zu groß war die Angst vor einem erneuten Aufschrei der Holzverbrennungslobby. Dabei ist die Grundaussage der NABIS-Eckpunkte – „Biomasse reicht nicht für alle und sollte dort verwendet werden, wo es keine Alternative gibt“ –mittlerweile eine Binse. Zur energetischen Nutzung kommen schließlich mit der Transformation noch neue Verwendungszwecke hinzu, wie für Bioraffinerien oder „Bio“-Kohle sowie der zunehmende Einsatz als Baustoff.

Es braucht daher dringend eine Strategie, ein transparentes Monitoring über die verplanten Biomassemengen, das es in Form einer Liste beziehungsweise Karte über die Kraftwerksplanungen bislang nur auf NGO-Seite gibt, und ein Ende der Subventionen für Holzenergie. Die Förderung von Holzheizungen in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und Holzkesseln in der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) sollte beendet werden. In der Biomasseverordnung sollte Holz als EEG-förderfähiger Energieträger gestrichen werden. Das Geld sollte stattdessen für die Förderung von Sanierung und Wärmepumpen eingesetzt werden.

Neben der Beendigung finanzieller Anreize, braucht es angesichts der obigen Beispiele auch ordnungsrechtliche Begrenzungen für die Holzenergie. Großkraftwerke auf Basis stofflich nutzbarer Sortimente sollten verboten werden. In der Fernwärme sollte Biomasse grundsätzlich nur eingesetzt werden dürfen, wenn es nachweislich keine erneuerbare Alternative gibt, und dann auch nur in der Spitzenlast, wo sich gasförmige Energieträger allerdings besser eignen als Holz. Die aktuellen Biomasse-Grenzen im Wärmeplanungsgesetz (WPG) sind zu hoch, wie man am Beispiel Berlin sieht.

Holzenergie torpediert die Erreichung der deutschen Klimaziele

Nach dem Hitzesommer ist die Notwendigkeit, unser Klima zu schützen, unübersehbar. Die CO2-Senke im Wald zu erhöhen und die verstärkte Holznutzung in Produkten sind für die Erreichung der deutschen Klimaziele unerlässlich. Die Verbrennung von Holz in dieser Situation weiter zu subventionieren, ist kontraproduktiv und verschwendet Steuermittel.

Ein wichtiger Hebel, um die CO2-Senke zu stärken, ist laut UBA die Reduktion der Holzentnahme aus Buchenwäldern. Hier zeigt sich auch, dass der Verweis der Waldbesitzenden auf den Waldumbau hinkt: In Deutschland wird über 90 Prozent des eingeschlagenen Laubholzes verbrannt, das meiste davon Buche. Doch Buchenwälder müssen gar nicht umgebaut werden, die bisher verbrannten Bäume könnten in den meisten Fällen im Wald verbleiben und weiter CO2 speichern. Alternativ kann Buchenholz aus schonender Bewirtschaftung ohne Probleme in Holzwerkstoffen, in Möbeln oder innovativen Baumaterialien genutzt werden und dort CO2 langfristig binden.

Konstruktive Debatte für praktikable Lösungen

Um Holz effizienter als bisher zu verwenden, ist die Kaskadennutzung von Holz der Schlüssel. Also Holz zunächst so oft und so lange wie möglich stofflich zu nutzen und erst zuletzt energetisch. Derzeit ist das oft nicht der Fall: Mindestens ein Drittel der Holzernte wird direkt verbrannt. Neben den einfach umzusetzenden Maßnahmen wie der Abschaffung von finanziellen Anreizen für Holzenergie ist die Kaskadennutzung jedoch im Detail nicht immer leicht regulativ zu verankern.

Die aktuelle Biomasseregulierung sowie die geplanten Neuerungen können niemanden glücklich machen, zu verworren und nicht vollziehbar sind viele der Regelungen, ohne dabei die richtigen Weichen für eine ressourceneffiziente Holznutzung zu stellen. Um praktikable und bürokratiearme Wege der Lenkung zu entwickeln, sollten Expert:innen zusammenkommen und diese konstruktiv diskutieren und entwickeln. Ein solcher Runder Tisch ist im Klimaschutzprogramm und ANK 2.0 vorgesehen. Hoffentlich wird er ermöglichen, aus der derzeitigen destruktiven Debatte auszubrechen und praktikable Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Wenn die Politik den Mut findet, die nötigen Maßnahmen umzusetzen, kann sie Wirtschaft und Klimaschutz voranbringen. Dabei darf sie sich jedoch nicht noch einmal davon abbringen lassen von jenen, die damit Geld verdienen, dass der wertvolle Rohstoff Holz zu früh in den Flammen endet.

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