Grüngasquote : Was Deutschland von Italien beim Biomethan-Ausbau lernen kann
Grüngasquote und Biotreppe werden die Nachfrage nach Biomethan in Deutschland vermutlich deutlich steigern. Doch ohne neue Produktionsanlagen drohen Engpässe und höhere Preise, meint Marcus Franken von der Elevion Group. Italien zeigt, wie ein verlässlicher Rahmen für Förderung, Netzzugang und Investitionen den Ausbau beschleunigen kann.
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Mit der Grüngasquote und der Biotreppe im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) stärkt die Politik die Nachfrage nach Biomethan. Das ist grundsätzlich sinnvoll, um den Gebäudebestand zügig zu dekarbonisieren. Eine Quote kann jedoch nur funktionieren, wenn zugleich ausreichend Biomethan verfügbar ist.
Genau hier liegt das Problem. Für neue Produktionskapazitäten fehlen derzeit verlässliche Investitionsbedingungen. Die Gasnetzzugangsverordnung läuft zum Jahresende aus, die EnWG-Novelle zur Umsetzung der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie ist noch offen. Wer eine Biomethananlage baut oder eine bestehende Biogasanlage umrüstet, plant über viele Jahre. Dafür braucht es Klarheit bei Förderung, Netzzugang und Erlösperspektiven.
Andernfalls entsteht ein Widerspruch: Staatliche Maßnahmen erhöhen die Nachfrage, während das Angebot kaum mitwachsen kann. Die Folge wären schwer erfüllbare Quoten und steigende Preise.
Wie sich Nachfrage und Produktionsausbau besser miteinander verzahnen lassen, zeigt Italien. Das Land ist der zweitgrößte Biogasproduzent Europas und steigert zugleich seine Biomethanproduktion deutlich. Allein im vergangenen Jahr wuchs sie um 17 Prozent. Hinter dieser Entwicklung stehen vier zentrale Elemente, von denen auch Deutschland lernen kann.
Vier Bausteine für mehr Biomethan
Erstens: ein klares Mengenziel. Der italienische Energie- und Klimaplan PNIEC sieht bis 2030 eine Biomethanproduktion von 5,7 Milliarden Kubikmetern vor. Biomethan gilt dabei nicht nur als Klimaschutzinstrument, sondern soll auch die Versorgungssicherheit stärken und die Abhängigkeit von Importen senken. Ein langfristiges Mengenziel gibt Produzenten und Investoren Orientierung.
Zweitens: gezielte Förderung des Angebots. Investitionszuschüsse und langfristige Einspeisevergütungen schaffen einen belastbaren Rahmen für neue Anlagen und Umrüstungen. So entstehen zusätzliche Produktionskapazitäten, bevor die Nachfrage weiter erhöht wird.
Drittens: Nutzung bestehender Nachfrageinstrumente. Italien setzt stärker auf den europäischen Emissionshandel. Biomethan kommt gezielt dort zum Einsatz, wo der CO2-Preis bereits wirkt, etwa in der Industrie. Unternehmen können durch den Einsatz von Biomethan Emissionszertifikate einsparen. Ein zusätzliches Verpflichtungssystem ist dafür nicht nötig.
Deutschland hätte grundsätzlich denselben Hebel. Stattdessen sollen Grüngasquote und Biotreppe zusätzliche Nachweis- und Umlagemechanismen schaffen. Beide Instrumente greifen zudem im Wärmesektor, wo der CO2-Preis über den ETS2 erst 2028 wirksam werden soll und soziale Verteilungswirkungen besonders sensibel sind. Entsprechend groß ist das Risiko politischer Nachsteuerungen, die die Verlässlichkeit des regulatorischen Rahmens schwächen und Investitionssicherheit mindern.
Für Deutschland folgt daraus nicht, auf zusätzliche Nachfrageinstrumente zu verzichten. Entscheidend ist vielmehr, sie so auszugestalten, dass sie Investitionen ermöglichen und neue Unsicherheiten vermeiden. Die Grüngasquote braucht deshalb einen planbaren Anstieg der Quotenvorgaben sowie ein handelbares, EU-konformes und flexibles Erfüllungssystem. So kann zusätzliche Nachfrage entstehen, ohne unnötige Komplexität und zusätzliche Kosten zu verursachen.
Viertens: ein investitionsfreundlicher Netzzugang. Italien und Deutschland bewegen sich dabei im selben europäischen Rahmen. Die EU-Gasbinnenmarktrichtlinie schafft Regeln für erneuerbare Gase und ermöglicht es den Mitgliedstaaten, Biomethananlagen beim Netzanschluss zu priorisieren.
Italien nutzt diesen Spielraum konsequent. Der Kostenanteil der Produzenten beim Netzanschluss wurde von 80 auf 30 Prozent gesenkt. Mess- und Verdichtungskosten trägt der Netzbetreiber vollständig. Zudem wurden Fristen verkürzt.
In Deutschland droht dagegen eine Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Die bisherigen Regeln der Gasnetzzugangsverordnung laufen aus. Nach dem geplanten EnWG-Rahmen könnten Netzbetreiber neue Anschlüsse leichter verweigern, wo das betroffene Gasnetz keine Zukunft mehr hat. Für neue Anlagen ist zudem nur eine zehnjährige Kappungsfrist vorgesehen. Für langfristige Investitionen kann das zu kurz sein. Die Branche warnt vor Folgen für rund 300 Projekte.
Deutschland braucht eine Gesamtstrategie
Aus den vier Bausteinen ergibt sich für Deutschland ein klares Bild: Einzelne Maßnahmen für Nachfrage, Förderung und Netzzugang reichen nicht aus. Sie müssen Teil einer kohärenten nationalen Strategie für den Ausbau grüner Gase sein. Dazu gehören ein klares Mengenziel, die Einordnung in die übergeordnete Netzplanung und verlässliche Festlegungen zu den künftigen Nutzungspfaden.
Davon ist der aktuelle regulatorische Rahmen noch weit entfernt. Während im Wärmesektor die Nachfrage nach Biomethan steigern soll, setzen andere Regelungen gegenteilige Anreize. So streicht der Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle das Ausschreibungsvolumen für Biomethan vollständig und vernachlässigt zugleich die Potenziale flexibler Biogasanlagen. Entscheidend ist deshalb, die bislang weitgehend unverbundenen Einzelmaßnahmen zu einem konsistenten Gesamtpaket zusammenzuführen.
Ein solcher Rahmen wirkt weit über den Klimaschutz hinaus. Mehr heimisch erzeugtes Biomethan stärkt die Versorgungssicherheit, schafft Wertschöpfung im ländlichen Raum und verringert die Abhängigkeit von fossilen Gasimporten.
Die Lehre aus Italien ist deshalb klar: Wer mehr Biomethan einsetzen will, muss zugleich dafür sorgen, dass mehr Biomethan produziert und zuverlässig ins Netz gebracht werden kann. Nachfrage und Angebot müssen zusammengedacht werden.
Marcus Franken ist Mitglied der Geschäftsführung und Sprecher der Elevion Group in Deutschland, einem führenden Anbieter ganzheitlicher Lösungen für Dekarbonisierung und Energieeffizienz in Europa.
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