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Verkehr & Smart Mobility

Standpunkt

Das 9-Euro-Ticket sendet wichtige Signale

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands
Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands Foto: Sven Serkis

Vom Neun-Euro-Ticket haben Menschen profitiert, denen das Zugfahren wegen hoher Preise sonst verwehrt ist, schreibt Ulrich Schneider vom Paritätischen Gesamtverband. Auch nach Auslaufen des Billig-Tickets muss der ÖPNV bezahlbar bleiben, fordert er.

von Ulrich Schneider

veröffentlicht am 15.08.2022

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Zugegeben: Das Neun-Euro-Ticket war ein Schnellschuss. Der Ökobonus für das Entlastungspaket, der ökologische Wiedergutmachungsversuch eines ganz und gar nicht klimafreundlichen Tankrabatts, das Alternativangebot an all die, die im Zweifel nicht einmal ein Auto besitzen.

Zugegeben: Das Neun-Euro-Ticket war alles andere als eine kostenbewusste zielgenaue Entlastung solcher Haushalte, die dringend auf Entlastung angewiesen waren. Auch leuchtet nicht ein, weshalb es die Aufgabe von Bundesregierung und Steuerzahler sein soll, Scharen ausländischer Touristen in Hamburg, Berlin oder München zu entlasten.  

Sehr berechtigt darf auch die Frage gestellt werden, was das schönste Neun-Euro-Ticket bringen soll, wenn, auf dem Lande, der Bus nur zweimal am Tag kommt und nach 18 Uhr ohnehin Schluss ist mit ÖPNV.

Dort, wo es tatsächlich einen nennenswerten Personennahverkehr gibt, sind wir hineingestürzt worden in ein gigantisches über zwei Milliarden Euro teures Experiment. Wir sahen in den Nachrichten Bilder von dicht gedrängten Menschentrauben auf zu kleinen Bahnsteigen, lasen Meldungen von Zügen, die, weil völlig überfüllt, nicht abfahren konnten oder auch teilweise wieder geräumt werden mussten. Chaos war der Eindruck, den diese Nachrichten vermittelten.

Das Ticket ermöglichte Millionen Menschen das Bahnfahren

Allen Grund also darf man haben, skeptisch zu sein kurz vor Ablauf dieses Experiments, an dem immerhin 30 Millionen Menschen teilnahmen. So viele Tickets wurden verkauft.

Und dennoch. Eines ist völlig unbestreitbar: Die Menschen lieben es ganz offensichtlich, den Zug zu benutzen, Ausflüge zu machen – so wie ich es beobachtete vor allem in Gruppen, seien es die älteren Herrschaften während der Woche oder Jüngere mit ihren Rucksäcken am Wochenende. Selbst gelegentlich völlig unzumutbare Bedingungen wie defekte Toiletten, ausgefallene Klimaanlagen und völlige Überfüllung der Züge vermochten dem keinen Abbruch zu tun.

Das politische Signal kann nicht übersehen werden: Die Menschen mögen Zugfahren. Es muss nur erschwinglich sein. Sicher war es Gießkannenpolitik, die da praktiziert wurde. Aber ich freue mich für eine jede Familie, jeden Jugendlichen und jeden Rentner und jede Rentnerin, die sich endlich mal einen Ausflug an die See oder in die Berge leisten konnten. Millionen von Menschen in Altersgrundsicherung, in Hartz IV oder mit Niedrigverdiensten ist dies normalerweise verwehrt. Und es wird ihnen nach Auslaufen dieses Ticketangebotes Ende September auch wieder verwehrt sein.

Ja, ich bin entschieden für eine Nachfolgeregelung zum Neun-Euro-Ticket. Die Preise im ÖPNV müssen bezahlbar sein und dürfen niemanden überfordern. Sie sollten aber auch mehr darstellen als eine symbolische Zahlung. Das Konzept des 365-Euro-Tickets, das auf 30 statt neun Euro im Monat hinausläuft ist, liegt seit langem auf dem Tisch und ist ein brauchbarer Vorschlag. Er muss ergänzt werden um Familien- und Sozialtarife und Gratisfahrten für all die, für die auch 30 Euro nicht aufzubringen in der Lage sind, weil sie von kleingerechneten Sozialtransfers leben müssen. Er muss politisch flankiert werden, durch den massiven Ausbau des ÖPNV innerstädtisch und vor allem auf dem Lande. Dann hätte das Neun-Euro-Ticket wirklich etwas bewegt.

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