Porsche steigt in Batteriezellfertigung ein

Die Liste deutscher Unternehmen, die selbst Zellen fertigen wollen, wird länger: Porsche und die Fraunhofer-Ausgründung Customcells wollen in Tübingen eine neue Zellfabrik bauen, wie Tagesspiegel Background aus Industriekreisen erfahren hat. Eine Hürde gibt es noch.

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Für die Schlüsselkomponente der Elektromobilität ist ein weiteres Projekt vereinbart: Porsche und der Zellhersteller Customcells wollen gemeinsam für die nächste Sportwagengeneration Batteriezellen entwickeln und herstellen. Der Standort der dafür gegründeten Cellforce Group ist Tübingen, erfuhr Tagesspiegel Background aus Industriekreisen.

Die Partner sind sich einig, es fehlt nur noch das „Chapeau Dokument“, die Freigabe durch die EU. Denn es handelt sich um ein IPCEI-Projekt (Important Project of Common European Interest), sodass eine erhebliche staatliche Förderung möglich wird. Allein die Bundesregierung will für Batteriezellenprojekte hierzulande rund drei Milliarden Euro ausgeben. 

Porsche bezieht die Zellen für seinen ersten rein elektrischen Sportwagen Taycan von dem koreanischen Unternehmen LG Chem. Im ersten Halbjahr verkaufte die VW-Tochter aus Stuttgart nach eigenen Angaben 4480 Taycan. Etwa jeder zweite Taycan-Kunde ist ein Porsche-Erstkäufer und die Kunden sind im Schnitt jünger als die „normalen“ Porsche-Fahrer. Mit dem Elektrosegment scheint sich also ein neuer Kundenkreis aufzutun. 

Saft für den Taycan

Customcells entstand 2012 im schleswig-holsteinischen Itzehoe durch eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie. Inzwischen sieht sich das Unternehmen als einen führenden Anbieter spezieller Lithium-Ionen-Batteriezellen. In Itzehoe und Tübingen entwickelt und produziert Customcells „anwendungsspezifische Batteriezellen von Prototypen bis hin zu Klein- und Mittelserien“.

Künftig werden diese Zellen die Premium-Sportwagen aus Zuffenhausen antreiben. Geplant sind eher kleine Mengen von Hochleistungsspeichern mit großer Energiedichte und geringem Innenwiderstand, um kurze Ladezeiten und hohe Reichweiten zu bekommen. Aber auch eine Produktionskapazität im Gigawatt-Bereich ist mittelfristig denkbar. Die Konzernmutter Volkswagen baut zusammen mit der schwedischen Northvolt in Salzgitter eine Zellfabrik mit mindestens 16 Gigawattstunden. Das reicht für rund 350.000 Mittelklasseautos.  

Gewissermaßen als Grundlage des Cellforce-Joint-Ventures mit Porsche entstand im Herbst vergangenen Jahres das Förderprojekt KomVar („Kompetitive Variantenfertigung für Lithium-Akkumulatoren“) am Standort Tübingen. Mit 8,2 Millionen Euro, davon 4,7 Millionen aus dem Bundeswirtschaftsministerium, geht es auch bei KomVar um eine Serienproduktion von hochwertigen Lithium-Ionen-Batteriezellen in kleineren Volumina für Nischenmärkte. Als assoziierte Partner sind Daimler, der Maschinenbauer Manz sowie Stihl (Motorsägen) bei KomVar dabei. Mit Porsche als „echtem“ Partner und einer hohen IPCEI-Förderung kommt nun richtig Schwung in das Projekt.

Ein Erbe von Apple 

Und das an einem Standort mit einer speziellen Geschichte: In Tübingen hatte Manz vor rund fünf Jahren in einem Reinraum eine hochmoderne Zellfertigung für Apple aufgestellt. Das Geschäft mit den Amerikanern kam dann nicht zustande; einen Teil der Anlagen nutzt jetzt Customcells. Das norddeutsche Unternehmen hat sich ein zweites Standbein in Baden-Württemberg geschaffen, weil dort die Autoindustrie sitzt. Und die hat inzwischen umgedacht und die strategische Bedeutung der Zelle als wichtiges Unterscheidungsmerkmal im Elektroauto erkannt.

Das Geld der Steuerzahler hilft bei der Neuorientierung. Vor ein paar Wochen waren Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf der Schwäbischen Alb, um persönlich beim Kleinzellenhersteller Varta einen IPCEI-Förderbescheid über 300 Millionen Euro zuzustellen. Varta will damit größere Formate entwickeln und produzieren, die auch für Elektroautos in Frage kommen. Als Partner dafür wird BMW gehandelt.

Noch stammen die Zellen für Elektroautos von einer Handvoll Hersteller aus Asien, BMW zum Beispiel kauft für viele Milliarden Euro bei der chinesischen CATL. Bis ungefähr 2025 haben sich die deutschen Autokonzerne Zellen bei ihren Lieferanten gesichert – zum Teil aber zu „irren Preisen“, wie es in der Branche heißt. Und da der Markt exponentiell wächst, werden viel größere Kapazitäten gebraucht. Allein in Europa sind derzeit mehr als ein Dutzend Projekte in Arbeit, zumeist noch von Asiaten. Doch der Aufholprozess der Europäer läuft.

Auch Tesla hofft auf Fördergelder 

Die deutsche Forschungs- und Industriepolitik bearbeitet das Thema seit mehr als zehn Jahren und finanziert unter anderem mit 500 Millionen Euro eine „Forschungsfertigung Batteriezelle“ in Münster. Die neuen IPCEI-Milliarden locken nun auch die Industrie aus der Reserve. Bis vor Kurzem sah das Bundeswirtschaftsministerium eine Summe von 1,75 Milliarden Euro für Batteriezellproduktionen vor, die in den kommenden Jahren vom Bund (1,22 Milliarden) und den beteiligten Bundesländern (524 Millionen) ausgegeben werden können. Dann kam Corona. Im Konjunkturpaket liegen jetzt weitere 1,7 Milliarden Euro, die allein das BMWi für Zellenprojekte ausgeben kann. Dazu kommen die Förderung durch die jeweiligen Bundesländer und der Eigenanteil der Unternehmen oder Projektträger, den das BMWi bei knapp 50 Prozent vorsieht.

Der Wettstreit um die Fördermilliarden läuft, und auch ein Newcomer auf dem deutschen Markt ist dabei: Für September hat Wirtschaftsminister Altmaier eine Entscheidung angekündigt, wie die Tesla-Batteriefertigung im brandenburgischen Grünheide mit IPCEI-Geldern aus seinem Etat gefördert wird. 

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