Von der Bestandaufnahme zur Zukunft : Der Tech Stack ist beliebig. Wo die Politik Vorgaben machen muss.
Der Tech Stack war nur eine Bestandaufnahme. Jetzt müssen das Digitalministerium und die Länder die Zukunft der Verwaltungs-IT gestalten und einen Rahmen vorgeben. Vor welchen Herausforderungen die Verwaltungsdigitalisierung jetzt steht und was aus Sicht der Fachverfahrenshersteller geschehen muss, schreiben Sirko Scheffler und Detlef Sander vom Databund.
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Das Digitalministerium ist mit dem Ansatz des Tech Stack grundsätzlich den richtigen Weg gegangen, damit zentrale Basiskomponenten und bundeseinheitliche Standardtechnologien vorgegeben werden können. Die durchgeführte Konsultation ist jedoch ohne vorher kommuniziertes Ziel Fluch und Segen zugleich.
Viele Akteure hatten die Befürchtung, dass kurzfristig zentrale Technologievorgaben gemacht werden und haben daher versucht, ihren aktuell eingesetzten Stack zu platzieren, damit ihre Lösungen standardkonform sind und weiter angeboten werden können. Der Tech Stack hat damit eine gewisse Beliebigkeit bekommen und stellt jetzt eher eine Bestandsaufnahme aktuell eingesetzter Technologien denn eine Zukunftsvorgabe dar. Das ist aber auch nicht schlimm, denn zu einer soliden Planung gehört immer auch eine Bestandsaufnahme.
Jetzt muss es darum gehen, aus der Bestandsaufnahme die Technologien herzuleiten, die zukünftig zum Einsatz kommen sollen. Grundlegende Festlegungen ohne Spezifikation bestimmter Technologien sollten einen Zielhorizont von etwa 10 Jahren für eine Planungssicherheit haben. Die Festlegung bestimmter Technologien wegen deren Schnelllebigkeit eher einen Zielhorizont von 5 Jahren. Wichtig ist aus unserer Sicht die Kommunikation, dass nicht konforme Bestandslösungen nicht verboten werden, sondern Neuentwicklungen gleicher oder neuer Lösungen auf dem Zukunfts-Stack erfolgen sollten und Abweichungen begründete Ausnahmen bleiben. Dies gewährt sowohl Softwareherstellern als auch Kunden einen Investitionsschutz.
Politik muss vorgeben, welche Cloud die Kommunen nutzen
Der Databund beschäftigte sich bereits im Jahr 2012 auf seinem Databund-Forum mit Cloud Computing. Die damals identifizierten Probleme sind aber weiter ungelöst. Sobald Cloud-Anwendungen nativ entwickelt werden und damit über die Nutzung von Docker oder Kubernetes-Clustern hinaus gehen, entsteht unweigerlich ein Log-in-Effekt, unabhängig davon, welche Cloud eingesetzt wird. Dies wurde auch in den Diskussionen zur DVC (Deutsche Verwaltungs-Cloud) und dem Cloud Broker von Govdigital eingebracht. Es wird an Lösungen gearbeitet, die jedoch nicht trivial sind.
Fachverfahrensherstellern wird oft vorgeworfen, dass ihre Anwendungen nicht Cloud-fähig sind, ohne genau zu definieren, was das eigentlich heisst. Anwendungen in einem Docker-Container laufen zu lassen ist sicher bei fast allen Anbietern möglich. Echte Cloud-native Anwendungen, mit der Nutzung zahlreicher Microservices , die eigentlich das Ziel sind, sind dagegen kaum zu finden. Das liegt daran, dass seitens der Politik keine Vorgaben existieren, welche Cloud für die kommunale Ebene in den nächsten zehn Jahren zum Einsatz kommen soll. Ohne Festlegung auf eine Cloud, oder besser der Bereitstellung einer Neutralisierungsschicht, ist damit keine sinnvolle Cloud-native Entwicklung möglich.
D-Stack als Plattform: Denkt an die letzte Meile!
Aktuell am Markt angebotene datenbasierte Plattformen stellen die Grundlage für den Zugang zur Verwaltung für Bürger und Unternehmen dar und sollten eine vollständige medienbruchfreie Kommunikation mit allen Akteuren ermöglichen.
Dabei können Plattformangebote auf kommunaler, Landes-, Bundes-, europäischer und auf Fachebene Lösungen bündeln und sollten gemäß D-Stack des BMDS die zentralen Basisdienste Identität und Vertrauen, Datenaustausch, Datenabruf, Zahlungsabwicklung und Postfach einheitlich integrieren. Der vom BMDS im Aufbau befindliche D-Stack kann somit einen wichtigen Beitrag leisten, damit Plattformlösungen von Communitys und Herstellern sich an einheitlichen Standards und Basiskomponenten orientieren.
Datenbasierte Plattformen sind aktuell sehr wichtig für alle Databund-Mitglieder, die einen guten und schnellen Beitrag zu einer mehrwertorientierten Verwaltungsdigitalisierung leisten. Diese entwickeln sich aktuell im Wettbewerb durch den Einsatz von KI schnell und innovativ weiter.
Mit der Eudi-Wallet, der Registermodernisierung und durch KI und Automatisierung werden in den nächsten Jahren noch deutlich leistungsfähigerer Nutzungsszenarien möglich sein, wenn die wichtigen Anforderungen der Kommunen auf der letzten Meile auf den Plattformen Berücksichtigung finden.
Wichtig ist, dass Plattformanbieter und Kommunen in den nächsten Jahren für die erheblichen gemeinsam zu tätigenden Investitionen stabile rechtliche Rahmenbedingungen seitens der Länder, des Bundes und der EU bekommen und die Mechanismen von Wettbewerb, Standardisierung und Verbindlichkeit wirken.
Sirko Scheffler ist seit vier Jahren Vorstandsvorsitzender des Databund, daneben Mitglied im Bundesvorstand des Wirtschaftsrates und Geschäftsführer der Brain-SCC GmbH.
Detlef Sander ist seit acht Jahren Geschäftsführer des Databund und war davor Vorstandsvorsitzender. Daneben ist er Geschäftsführer der Databund Services GmbH.
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