Kommunales Projektmanagement : Kommunikation als Gelingfaktor in der Stadtentwicklung
Was entscheidet über Erfolg oder Misserfolg in der Stadtentwicklung? Kommunikation scheint dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle zu spielen, meint Siw Foge, Leiterin der Kleinstadtakademie. Sie spricht über vier Aspekte, die Kommunikation zu einem so wichtigen Hebel machen.
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Im Laufe des vergangenen Jahres ist uns eine riesige Vielfalt kommunaler Projekte begegnet. Unsere Veranstaltungsreihe „Kleinstadtakademie auf Tour“ führte uns zum Beispiel nach Schlüchtern, Brunsbüttel, Dörentrup und Freyung, wo diese und weitere Kommunen individuelle Herangehensweisen an aktuelle Herausforderungen der Stadtentwicklung vorstellten. Die Themen dieser Runden waren ganz unterschiedlich – vom Umgang mit Problemimmobilien über die Energie- und Wärmewende und kommunale Gesundheitsversorgung bis zur Revitalisierung von Leerstand. Hinzu kamen zahlreiche Praxisbeispiele aus unseren Kleinstadt-Web-Talks und dem großen Kleinstadtkongress im Juni.
Obzwar die Themen völlig unterschiedlich waren, zeigte sich bei vielen dieser Projekte jedoch eine Gemeinsamkeit: Kommunikation ist praktisch immer ein zentraler Gelingfaktor. Nicht der Einzige, klar, aber einer, der beinahe jedes Mal mitgenannt wurde, wenn es um erfolgskritische Faktoren ging. Aus diesen Erfahrungen haben wir vier zentrale Erkenntnisse für Entscheiderinnen und Entscheider in Kleinstädten zusammengetragen:
Erkenntnis 1: Kommunikation schafft Akzeptanz
Gerade bei langfristig angelegten Vorhaben kann es herausfordernd sein, Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen – und über Jahre aufrechtzuerhalten. Denn etwaige damit verbundene Einschnitte im Hier und Jetzt sind unmittelbar erlebbar, während positive Effekte in der Zukunft oft abstrakt bleiben. Zum Beispiel in Brunsbüttel, wo aktuell ein klimaneutrales, kommunales Wärmenetz entsteht. Ein solches Projekt bedeutet Eingriffe in Straßenräume sowie langjährige Baubelastung und verlangt der Bevölkerung viel Geduld ab.
Doch Stadt, Stadtwerke und die interkommunale Entwicklungsgesellschaft haben früh und kontinuierlich kommuniziert, welche Vorteile das Netz mit sich bringt, welche Abläufe folgen und wie Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden. Diese konsequente Kommunikation war die Voraussetzung dafür, dass Akzeptanz entstehen konnte – und nicht zuletzt auch genügend Haushalte bereit waren, sich anzuschließen.
Erkenntnis 2: Kommunikation muss manchmal zur Chefsache werden
Ja, es macht einen Unterschied, wer kommuniziert. Gerade da, wo Kleinstädte auf die Mitwirkung zivilgesellschaftlicher Akteure angewiesen sind, kann dieser Umstand über Erfolg oder Misserfolg mitentscheiden. Eine persönliche Ansprache durch die Bürgermeisterin oder den Bürgermeister ist bereits Teil der Botschaft. Sie drückt aus: Dieses Thema hat Priorität, es ist ein persönliches Anliegen – und: Der Austausch mit dir ist (mir) wichtig.
Das wurde etwa in Dörentrup deutlich. Dort entstand ein dezentrales Gesundheitsnetzwerk, das Hausärztinnen und -ärzte, Apotheken, Pflegeanbieter und weitere Gesundheitspraktiker zusammenbringt. Der entscheidende Impuls ging vom Bürgermeister aus, der die Gespräche persönlich führte und damit ein Signal setzte. Nur so waren alle wichtigen Akteure in der Stadt an einen Tisch zu bekommen.
Erkenntnis 3: Dialog erschließt Ressourcen
Viele kommunale Themen lassen sich nicht allein aus dem Rathaus heraus lösen. Wer die Innenstadt entwickeln möchte, braucht die Unterstützung der lokalen Händler. Wer die Gesundheitsversorgung sichern will, muss mit Gesundheitsakteuren in den Austausch gehen. Wer eine Problemimmobilie anpacken will, wird ohne Eigentümer, Fördermittelgeber, potenzielle Nutzer und viele mehr kaum etwas bewegen können.
Wenn es jedoch gelingt, diese Gruppen zu aktiven Unterstützern des Projektes zu machen, setzt das Kräfte frei, die mit internen Verwaltungsressourcen kaum abzubilden wären. Ob die umtriebige Werbegemeinschaft, die Leben in die Innenstadt bringt, die Bürgergenossenschaft, die eine örtliche Brauerei wiederbelebt, oder Praxen, die direkt miteinander sprechen, um in dringenden Fällen schneller Termine zu ermöglichen. Was dafür essenziell ist: Kommunikation nicht nur als Senden verstehen, sondern als Dialog – in dem beteiligte Akteure gehört werden und eigene Gestaltungskompetenzen erhalten.
Erkenntnis 4: Kommunikation auch nach innen
Wenn man über Kommunikation spricht, geht es meist darum, Bürgerinnen und Bürger sowie wichtige externe Akteure kommunikativ „mitzunehmen“. Doch mindestens genauso wichtig ist die Kommunikation innerhalb des Rathauses. Denn diese kann in zweierlei Richtungen wirken: Schlechte oder nicht ausreichende Kommunikation schafft zuweilen Verhinderer in den eigenen Reihen, die Projekte nicht ausreichend mittragen und an entscheidenden Punkten nur Probleme sehen, wo Lösungen zu finden wären.
Gute Kommunikation ins Innere kann dagegen sehr positive Ausstrahlungseffekte auf das ganze Projekt haben. Die Stadt Herzberg beispielsweise hat mittlerweile vier Bürgerräte erfolgreich durchgeführt. Anfangs fand dieses Instrument auch Kritiker innerhalb der Verwaltung. Mittlerweile aber steht das Rathaus dank gelungener Kommunikation nach innen geschlossen dahinter. Mehr noch: Herzberg hat sich sogar die Kompetenzen erarbeitet, Bürgerräte selbstständig, also ohne Agentur, durchzuführen, sodass dabei kaum noch Kosten entstehen.
Dass Kommunikation unabhängig vom konkreten Thema und individuellen Rahmenbedingungen immer wieder zum Gelingen beiträgt, ist kein Zufall. Es zeigt, dass sie gerade in Kleinstädten ein starkes Werkzeug ist, weil Wege kurz sind, Beziehungen tragfähig und Entscheidungen unmittelbar wirken. Wenn Verantwortliche dieses Potenzial gezielt nutzen, erhöhen sie die Erfolgschancen einzelner Projekte und stärken die Handlungsfähigkeit ihrer Kommune.
Siw Foge leitet die 2024 gegründete Kleinstadtakademie. Als erste bundesweite Schnittstelle der knapp 2100 deutschen Kleinstädte unterstützt die Akademie die Kommunen durch praxisnahen Wissenstransfer, Kooperation und eine engagierte Stimme für die Anliegen ihrer Städte.
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