Autonomes Fahren : Ein offenes System für alle Hersteller
Deutschland und Europa dürfen beim autonomen Fahren das Rennen gegen die USA und China nicht verlieren. Die Lösung: ein offenes, interoperables System, das durch gemeinsame Schnittstellen und Prozesse eine nahtlose Einbindung autonomer Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller und Fahrzeugtypen ermöglicht.
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Weltpremiere des ID.Buzz von Volkswagen vor ein paar Wochen in Hamburg. Das erste Level-4-Serienauto, das in der EU eine Zulassungsreife erhalten wird, kommt aus Deutschland. Eine gute Nachricht für die deutsche Automobilindustrie. Noch in diesem Jahrzehnt soll eine größere Zahl selbstfahrender Fahrzeuge auf die Hamburger Straßen kommen.
Ab 2026 will Uber mit diesem Auto in Los Angeles ein Angebot für geteilte Fahrten anbieten. Hamburg, Oslo und andere europäische Städte stehen ebenfalls bereit, ihre Vorhaben zum autonomen Fahren auszuweiten. Der Angriff auf die Dominanz amerikanischer und chinesischer Anbieter und Betreiber von Robo-Taxis scheint lanciert.
Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es die allerersten Projekte dazu. Ohne Zweifel, es hat gedauert. Technologische Rückschläge und Enttäuschungen über Geschäftsmodelle mussten immer wieder überwunden werden. Aber jetzt scheint das Rennen um das autonome Fahren entbrannt zu sein. Das ist eine besondere Chance für Europa, wo die autonomen Minibusse einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr ergänzen können. Die Fahrzeuge sind flexibler und effizient einzusetzen.
Fast 800 Millionen Euro für etwa 80 erfolglose Projekte
Aber was macht Europa? In den vergangenen zehn Jahren wurden fast 800 Millionen Euro für etwa 80 Projekte zum autonomen Fahren ausgegeben. Mehr als die Hälfte dieser Vorhaben ist wieder eingestellt. Schlimmer noch: Bei den meisten Projekten kommt lediglich ein autonomes Fahrzeug zum Einsatz, und die in den verschiedenen Ländern finanzierten Projektteams teilen ihr Wissen nicht miteinander. Man könnte meinen, das autonome Fahren werde in jedem europäischen Land separat erfunden.
Wenn Europa und Deutschland als Automobilland die oben skizzierte Chance nutzen wollen, wenn wir nach dem Debakel um die Batteriefertigung endlich einmal wieder ganz vorne dabei sein wollen, dann muss anders als bislang gefördert werden. Statt eine Vielzahl von Kleinprojekten in möglichst vielen Mitgliedstaaten zu finanzieren, braucht es dringend Fokus, Skalierung und Geschwindigkeit.
Wenige, aber dafür große Projekte, die zügig auf den Weg gebracht werden. Sie müssen so angelegt sein, dass sie das autonome Fahren technologisch, aber auch im Hinblick auf die Akzeptanz durch die Menschen substanziell voranbringen. Kein Klein-Klein, nicht nur in San Francisco oder Shanghai, sondern auch in Hamburg.
Ziel ist ein offenes, interoperables System
Es braucht starke Regionen, die die Zukunft selbst gestalten wollen. Hamburg geht diesen Weg. Das Ziel ist ein offenes, interoperables System, das durch gemeinsame Schnittstellen und Prozesse eine nahtlose Einbindung autonomer Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller und Fahrzeugtypen ermöglicht. Das ist Industriepolitik im besten Sinne: innovationsfreundlich, gemeinwohlorientiert und zukunftssichernd.
Diese Vorhaben müssen an den Besonderheiten europäischer Mobilität ansetzen. Im Mittelpunkt steht der ÖPNV, der insbesondere in den suburbanen und ländlichen Räumen durch selbstfahrende Fahrzeuge erweitert wird. Die autonomen Fahrzeuge dienen dazu, den Menschen eine größere Reichweite zu geben.
Es geht um die Anzahl von Arbeitsplätzen, die erreicht werden können und darum, am sozialen Leben teilzuhaben. Es geht um den Zugang zu medizinischer Versorgung und zu Bildungseinrichtungen. All das ließe sich mit autonomen Fahrzeugen verbessern. So gesehen ist eine gute Verkehrspolitik eben auch eine gute Sozialpolitik. Jetzt haben wir die Chance dazu. Europa muss sie nutzen und darf sich nicht mehr in kleinteiligen Debatten verlieren.
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