Gebrauchte E-Pkw : Ladeguthaben statt Kaufförderung

Marion Vieweg
Marion Vieweg, Projektleiterin Nationale Klima- und Verkehrspolitik bei Agora Verkehrswende Foto: Agora Verkehrswende

Von verschiedenen Seiten wird gefordert, die E-Auto-Prämie für Privathaushalte auf gebrauchte Fahrzeuge auszuweiten. Die Erwartungen liegen dabei weit auseinander: Gebrauchte E-Pkw sollen bezahlbar sein, aber auch stabile Erlöse ermöglichen. Hinzu kommt, dass sich die Wirkung einer Kaufförderung nur schwer steuern ließe. Als Alternative bietet sich ein Ladeguthaben an.

von Marion Vieweg, Agora Verkehrswende

veröffentlicht am

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Eine große Mehrheit der Privathaushalte, die sich für den Kauf eines Pkw interessieren, kann nicht von der derzeitigen E-Auto-Prämie für Neuwagen profitieren. Privatpersonen kaufen generell nur selten Neuwagen, und je geringer das Einkommen, desto wahrscheinlicher fällt die Wahl auf einen Gebrauchtwagen. Privathaushalte, die sich keinen Neuwagen leisten können, sind aber genauso von steigenden und volatilen Kraftstoffpreisen betroffen. Deshalb ist es naheliegend, auch über die Förderung von E-Pkw auf dem Gebrauchtwagenmarkt nachzudenken.

Eine Kaufprämie für gebrauchte E-Pkw könnte, so die Hoffnung, den Preis im Förderfall senken und mehr Menschen den Antriebswechsel ermöglichen. Voraussetzung dafür ist, dass die Förderung bei den Käufer:innen ankommt und nicht durch Mitnahmeeffekte aufgebraucht wird; und dass der gezahlte Preis tatsächlich niedriger ist, als er ohne Förderung gewesen wäre. Beides ist jedoch ungewiss.

Viele Faktoren wirken auf den Preis

Der Gebrauchtwagenmarkt und damit die Fahrzeugpreise reagieren sehr dynamisch. Anders als bei Neuwagen gibt es keinen festgelegten Herstellerpreis. Jeder Preis wird individuell festgelegt und orientiert sich grob an Faktoren wie Alter, Zustand und Neupreis. In der Preisbildung spielt außerdem eine Rolle, welche Erwartungen Verkäufer:innen haben und welche Optionen. Insbesondere größere Handelshäuser und Leasingfirmen haben die Möglichkeit, ins Ausland zu exportieren, wenn dort höhere Preise zu erzielen sind – diese Fahrzeuge fehlen dann wiederum auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt.

Ob und wie weit eine Kaufprämie also tatsächlich beim Käufer oder der Käuferin ankommt, ist unklar. Allein die erhöhte Nachfrage durch eine Kaufprämie kann bei weiterhin begrenztem Angebot die Preise steigern. Denkbar ist auch, dass Verkäufer:innen eine Kaufprämie bereits mitdenken und ihren Preis entsprechend erhöhen. Dem kann zwar teilweise durch gezielte Förderung für untere Einkommensgruppen entgegengewirkt werden, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass eine Kaufförderung insgesamt zu Preissteigerungen auf dem Markt für gebrauchte E-Pkw führt.

Hohe Preise bedeuten hohe Restwerte

Die Aussicht auf höhere Preise für gebrauchte E-Pkw kann auch ein Motiv sein, für eine Kaufförderung zu argumentieren. Das gilt vor allem für diejenigen, die den Neuwagenmarkt für E-Autos im Blick haben. Dieser wird stark vom Gebrauchtwagenmarkt beeinflusst. Niedrige Wiederverkaufswerte bedeuten für Neuwagenkäufer:innen einen potenziellen Wertverlust und damit ein höheres Risiko. Eine Kaufförderung soll aus dieser Sicht vor allem dafür sorgen, die Nachfrage nach gebrauchten E-Pkw zu stärken und damit das allgemeine Preisniveau und die Wiederverkaufswerte anzuheben.

Höhere Wiederverkaufswerte sind insbesondere für gewerbliche Neuwagenkäufer relevant, da sie in der Regel planen, ihre Fahrzeuge nach wenigen Jahren wieder zu verkaufen. Der Neuwagenmarkt wird mit rund zwei Dritteln der Neuzulassungen von gewerblichen Käufern dominiert. Auch für Leasingangebote spielt der Wiederverkaufswert eine zentrale Rolle. Je höher er ausfällt, desto günstiger können Leasingverträge angeboten werden. Das würde eine zusätzliche Nachfrage nach Neuwagen erzeugen. Umgekehrt erhöhen unsichere Wiederverkaufswerte das Risiko der Leasingunternehmen.

Für Hersteller ist die Anzahl der verkauften vollelektrischen Neuwagen vor allem aufgrund der EU-Regelungen zu den CO2-Flottengrenzwerten wichtig. Nur mit einem ausreichenden Anteil an E-Autos können die Hersteller die Standards einhalten. Sie haben ein Interesse daran, Gebrauchtwagenpreise für E-Autos hochzuhalten und den Wertverlust zu minimieren, weil dies den Absatz der Neuwagen bei den überwiegend gewerblichen Kunden stärkt.

Bezahlbarkeit verbessern, ohne den Markt zu verzerren

Politisch ist es wichtig, den Hochlauf der Elektromobilität zu beschleunigen und dabei auch Haushalten mit geringerem Einkommen den Zugang zu Elektromobilität zu ermöglichen. Mit einer Kaufförderung für gebrauchte E-Pkw lässt sich dieses Ziel jedoch nicht effektiv verfolgen. Die Wirkungen sind aufgrund der komplexen Dynamik des Gebrauchtwagenmarkts kaum steuerbar.

Wegen des knappen Angebots und der gerade in den vergangenen Monaten stark wachsenden Nachfrage werden die Preise für gebrauchte E-Pkw auf absehbare Zeit eher hoch sein. Eine Kaufförderung könnte diesen Trend sogar noch verstärken. Das wäre zwar für diejenigen attraktiv, die auf hohe Wiederverkaufswerte hoffen, aber nicht für die Haushalte mit geringerem Einkommen, die einen gebrauchten E‑Pkw kaufen möchten.

Als Alternative käme ein Zuschuss zu den Kosten für öffentliches Laden infrage, der gezielt Haushalten mit geringerem Einkommen zugutekommt, wenn sie ein gebrauchtes Elektroauto kaufen. Dadurch sinken die Gesamtkosten des E-Pkw und es profitieren insbesondere diejenigen, die in Mehrfamilienhäusern oder zur Miete wohnen und keine eigene Lademöglichkeit haben. Die Umsetzung des Ladeguthabens könnte mit überschaubarem bürokratischem Aufwand über eine Bezahlkarte erfolgen.

Auch für Haushalte, die trotz niedrigem Einkommen eine Wallbox installieren können, wäre ein Ladeguthaben attraktiv. Schließlich kann öffentliches Laden, zum Beispiel auf längeren Touren oder im Urlaub, immer noch unübersichtlich und mit höheren Preisen verbunden sein. Anders als eine Kaufförderung führt ein Ladeguthaben jedoch nicht zu Marktverzerrungen, und es kommt in vollem Umfang bei der gewünschten Zielgruppe an.

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