KI in der Paketlogistik : Weniger Verkehr, mehr Leistung
Die Paketbranche setzt verstärkt auf Künstliche Intelligenz zur Optimierung der Zustellung. Dynamische Tourenplanung, E-Mobilität und verbesserte Kundenservices prägen die Entwicklung. Herausforderungen aber bleiben.
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Die Paketauslieferung ist Teil des täglichen Lebens. Sie gehört zum Stadtbild. Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) leisten einen stetig steigenden Anteil der Versorgung von Haushalten und Gewerben. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland circa 4,3 Milliarden Sendungen zugestellt. Das sind rund 14 Millionen Pakete pro Tag. Das Aufkommen hat sich damit innerhalb von 15 Jahren nahezu verdoppelt.
Angesichts vieler Paketfahrzeuge und gestapelter Pakete auf Sackkarren wird der Beitrag der Paketbranche zur Emissionsminderung und im Bereich von Innovationen hinterfragt. Das Erfolgsmodell der Branche liegt in der Fähigkeit, den Bedarf an stetig kleineren und zugleich in steigender Frequenz benötigten Lieferungen effizient zu befriedigen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Zustellung zeigt ganz praktisch, wie der Einsatz smarter Technologie weiter dazu beiträgt, die Verkehrsbelastung zu senken, Arbeit sicher und effizient zu organisieren und Zustellprozesse flexibler und kundenorientierter zu machen.
Zwar entstehen zwei Drittel der Emissionen der Paketzustellung nicht in den Städten, sondern auf der langen Strecke zwischen den großen Verteilzentren, jedoch geschieht die Zustellung in einem besonders sensiblen, teils überlasteten Verkehrsraum. Daher ist die Optimierung hier eine Priorität.
KI fährt bei der Zustellung mit
Der herausforderndste Teil der Lieferkette ist die letzte Meile. Hier unterstützt KI bereits heute in der dynamischen Tourenoptimierung. Statt morgens eine starre Route vorzugeben, passt eine KI-gestützte Navigation die Route täglich an – je nach Sendungsaufkommen und Anforderungen an die Paketlogistik durch die Empfängerinnen und Empfänger (beispielsweise ob es ein termingebundenes Paket ist oder Öffnungszeiten zu beachten sind). Erfahrungen der Zustellerinnen und Zusteller werden laufend integriert. So entsteht ein digitales Organisationswissen, das Zustellerinnen und Zustellern hilft, schneller, stressfreier und regelkonform durch den Stadtverkehr zu kommen.
Erfahrungswissen gemeinsam zu nutzen, kann für Besonderheiten im Zustellprozess hilfreich sein. KI-Systeme mit Spracherkennung können es Zustellerinnen und Zustellern ermöglichen, ihre Beobachtungen während der Fahrt einfach einzusprechen: „Nachbar X nimmt Pakete für Empfängerin Y an“ oder „Zugangstor erst ab 14 Uhr geöffnet“. Solche Informationen werden analysiert, gebündelt und anderen Zustellerinnen und Zustellern zur Verfügung gestellt.
Auf diese Weise wird Vorwissen nutzbar gemacht für eine datenbasierte Entscheidung. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren so direkt vom Erfahrungsschatz der erfahreneren Kolleginnen und Kollegen, arbeiten von Anfang an effizienter und vermeiden Fehler.
Empfängerinnen und Empfänger profitieren
Für die Empfängerinnen und Empfänger bedeutet KI ebenfalls ein Plus an Service. Wunschzustellungen werden intelligenter, Paketankündigungen individueller. So können sie Vorschläge erhalten, die auf bisherigen Erfahrungen basieren – beispielsweise durch einen gezielten Hinweis auf den nächstgelegenen Paketshop oder anbieteroffenen Paketautomaten.
Auf diese Weise wird der Zustellprozess nicht nur effizienter, sondern auch kundenfreundlicher und die Chancen für einen erfolgreichen ersten Zustellversuch erhöht. Die Zustellung in sogenannten anbieteroffene Paketautomaten birgt viel Potenzial sowohl für eine weitere Reduzierung der Anzahl an Fahrten als auch für eine gelungene Zustellung. Sie verringert die Anzahl der Haustürzustellungen und damit das Verkehrsaufkommen.
Eine ganz neue Stufe kann erreicht werden, wenn mittels KI und autonomen Fahrzeugen mobile Paketautomaten jeweils in der Nachbarschaft der Empfängerinnen und Empfänger die Wege zu den Paketautomaten auf kurze Fußwege reduzieren.
Elektromobilität wird effizienter – Strom ist dennoch erforderlich
Eine besonders nachhaltige Form innovativer Zustellung von Paketen ist die Umstellung auf elektrische Antriebe bei den Zustellfahrzeugen. Entsprechend ist ein Ziel der Paketdienste, die Zustellung auf der letzten Meile bis 2040 vollständig emissionsfrei durchzuführen. Dafür sind nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch die erforderliche Strominfrastruktur notwendig, was für sich genommen schon eine riesige Herausforderung darstellt, weil für viele Grundstücke erst eine zukunfts- und leistungsfähige Stromversorgung hergestellt werden muss.
KI ermöglicht eine Einsatzplanung der Fahrzeuge, die auf die Lieferorte abgestimmt ist – ob E-Fahrzeuge oder Lastenfahrräder genutzt werden, von der Verteilniederlassung oder einem innerstädtischen Satellitendepot zugestellt wird und welche Leistungsmerkmale bei der Zustellung berücksichtigt werden müssen.
Zudem kann eine KI-unterstützte Ladeplanung dafür sorgen, dass die Strombedarfe der Fahrzeuge gedeckt werden können. Dafür ist es wichtig, dass der Strombezug gewährleistet ist. Derzeit ist im Energiewirtschaftsrecht geregelt, dass private Ladeeinrichtungen für E-Fahrzeuge (wie das notwendige Laden im Depot) gedrosselt werden können, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Damit wird das Batterieladen moderner Transporter infrage gestellt. Diese Einschränkung ist ein ernstes Hindernis für die elektrische Antriebswende und muss unbedingt zeitnah überwunden werden.
Der Mehrwert von KI kann noch erheblich gesteigert werden, wenn nicht nur die Paketdienste KI einsetzen, sondern auch die Kommunen mit einer geeigneten Infrastruktur den Boden für eine effiziente Paketversorgung bereiten. Dies zeigt sich zum Beispiel durch die Einrichtung von Ladebereichen, die Bereitstellung von Echtzeit-Verkehrs- und Baustellendaten sowie von leistungsfähigen Elektroanschlüssen. Eine Stadt, die Paketlogistik und -versorgung unterstützt, trägt auch zur Effizienz und Zukunftsfähigkeit der Stadt bei.
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