Deutschland-Stack : Wie das Projekt wieder Fahrt aufnehmen kann
Im Frühjahr dominierte der Deutschland-Stack die Debatte. Jetzt, kritisiert Miriam Seyffarth von der Open Source Business Alliance (OSBA), wird vor allem hinter verschlossenen Türen gearbeitet. Sie fordert einen kontinuierlichen Dialog mit der Digitalwirtschaft und Open Source nicht nur bei selbst entwickelter, sondern auch bei gekaufter Software.
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Es ist still geworden um den Deutschland-Stack. Zumindest von außen bekommt man kaum mit, ob und was im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) gearbeitet wird. Dabei ist genau jetzt der richtige Moment, um im Deutschland-Stack Open Source als Kernprinzip in jeder Komponente zu verankern, damit endlich über alle Behörden hinweg kompatible und sichere Lösungen für funktionierende digitale Bürgerservices aufgebaut werden können. Dafür braucht es einen kontinuierlichen Dialog mit der Digitalwirtschaft darüber, wie der Deutschland-Stack mit offenen Standards ein Erfolg wird.
Wo ist der Schwung geblieben?
Im Vergleich zum Frühjahr 2026 scheint die Dynamik verloren, da dominierte der Deutschland-Stack noch die öffentliche Debatte. Auf jeder Branchenveranstaltung waren Aufbruchsstimmung und die Hoffnung zu spüren, dass die Verwaltungsdigitalisierung jetzt endlich Geschwindigkeit aufnehmen würde.
Das BMDS hatte mit seiner öffentlichen Konsultation einen neuen Maßstab für Transparenz und Beteiligung gesetzt, auf der Plattform Open Code konnte jeder Vorschläge einbringen und in Workshops wurden Ideen diskutiert, wie der Deutschland-Stack zum Erfolg werden kann.
Die aktuelle Arbeit scheint jetzt allerdings vor allem hinter verschlossenen Türen stattzufinden. Fast bekommt man den Eindruck, dass zivilgesellschaftliche Organisationen wie das Kompetenznetzwerk Digitale Verwaltung (NEGZ), D64 oder Agora Digital Transformation sich mit ihren Initiativen mehr Gedanken darüber machen, was der Deutschland-Stack sein könnte und was für seinen Erfolg notwendig ist, als die Leitungsebene im Digitalministerium.
Die Zeit drängt
Dabei drängt die Zeit, die Rahmenbedingungen für den Stack zu setzen, denn wir hängen ohnehin schon mit der Digitalisierung von Staat und Verwaltung hinterher und in vielen Behörden werden jeden Tag Tatsachen geschaffen und Abhängigkeiten zementiert. Und so eine Legislaturperiode ist schneller vorbei, als man denkt: Plötzlich ist man schon wieder im nächsten Wahlkampf und die wichtigsten Projekte liegen wieder still.
Es heißt, hinter den Kulissen werden derzeit gemeinsam mit den Ländern weitere Standards festgelegt. Das ist gut und wichtig, denn nur, wenn der Deutschland-Stack sich kommunal und föderal integrieren lässt, kann er sein volles Potential entfalten. Schade nur, dass man von diesen Diskussionen über Standards in der Öffentlichkeit nichts mitbekommt.
Investitions- und Planungssicherheit für die Digitalwirtschaft
Mit der Konsultation hat die Bundesregierung signalisiert, dass sie den Deutschland-Stack für die Wirtschaft und mit der Wirtschaft zusammen entwickeln will. Dafür braucht es aber nicht nur punktuelle Stakeholdergespräche, sondern einen kontinuierlichen Kommunikationsprozess. Das ist auch deswegen essentiell, damit die Standards und Rahmenbedingungen, die mit den Ländern diskutiert werden, nicht an den Erfordernissen des Marktes vorbei entwickelt werden.
Die Digitalwirtschaft will, dass der Deutschland-Stack gelingt, damit die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft schneller, effizienter und souveräner wird. Aber aktuell hängen die IT-Unternehmen in der Luft. Zwar sind mit dem Beschluss des IT-Planungsrates im März 2026 ein paar Eckpunkte und Standards festgesetzt worden, aber vieles ist immer noch unklar.
Die Unternehmen brauchen verbindliche Vorgaben und Standards, um zu wissen, wie sie „D-Stack-ready“ werden – und zwar jetzt. Aktuell ist noch komplett unklar, wie ein IT-Unternehmen mit seinen Angeboten Deutschland-Stack-compliant wird. Zertifizierungsverfahren und verbindliche Standards würden den Unternehmen die dringend benötigte Investitions- und Planungssicherheit geben. Erfährt die IT-Industrie erst spät, was von ihr erwartet wird, geht wertvolle Zeit verloren.
Open Source ist Voraussetzung für den Erfolg
Wenn die Bundesregierung mit dem Deutschland-Stack digitale Souveränität, Innovationskraft und eine handlungsfähige digitale Verwaltung erreichen möchte, dann sind verbindliche Vorgaben für Open Source und offene Standards das entscheidende Erfolgsrezept dafür.
Die derzeitigen Open-Source-Aspekte im Deutschland-Stack sind bisher nur Stückwerk und haben wenig mit den „ambitionierten Zielen für Open Source“ zu tun, die sich die Bundesregierung in den Koalitionsvertrag geschrieben hatte.
So hat das BMDS zwar einen Open-Source-Vorrang bei neu erstellter Software im Stack verankert (Make-Komponenten), betont aber öffentlich immer wieder, dass für den Deutschland-Stack in erster Linie Standard-Software von der Stange gekauft werden soll (Buy-Komponenten). Der Open-Source-Vorrang wird in der Praxis daher kaum Wirkmacht entfalten und die Verwaltung bleibt in den alten Abhängigkeiten von den US-amerikanischen Tech-Anbietern gefangen. So wird das nichts mit der digitalen Souveränität.
Aktuell wird im Digitalministerium wohl unter anderem an der Konzeption des Postfachs gearbeitet und darüber diskutiert, welche Standards und Protokolle für diese Basiskomponente eingesetzt werden sollen. Wir sagen ganz klar: Je offener und transparenter die Lösungen sind und je mehr Open Source zum Einsatz kommt, desto mehr Souveränität, Sicherheit und Innovationskraft gewinnt die Verwaltung. Gerade bei den Basiskomponenten, die kritisch für den gesamten Stack sind, darf nur Open Source verwendet werden.
Was es jetzt braucht:
Damit der Deutschland-Stack wieder Fahrt aufnehmen kann, brauchen wir also:
• Öffentliche Transparenz über den Stand der Arbeit im BMDS und einen kontinuierlichen Dialog mit der Digitalwirtschaft über Standards und Protokolle.
• Verbindlichkeit bei den Standards und Planungssicherheit für die IT-Industrie, zum Beispiel über Zertifizierungsverfahren für „D-Stack-Compliance“.
• Eine umfassende Open-Source-Strategie im BMDS, die mit der Umsetzung des Deutschland-Stacks und auch mit dem IT-Zustimmungsvorbehalt verknüpft wird: Gerade für die Basiskomponenten muss Open Source absolut verbindlich vorgeschrieben werden – Open Source muss nicht nur für die Make- sondern auch für die Buy-Komponenten Standard sein.
Miriam Seyffarth leitet die politische Kommunikation bei der Open Source Business Alliance – Bundesverband für digitale Souveränität e. V.
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