Wärmewende : Die Wärmepumpe muss sich rechnen
Mit der Entscheidung, die Gasspeicherumlage abzuschaffen und die Stromsteuer nicht für alle zu senken, wird ein fatales Signal gesetzt, schreibt Felix Plog, CEO von Thermondo. Die Attraktivität eines Heizungsumstiegs sinkt. Für Hausbesitzer bedeutet das jedoch eine falsche Sicherheit.
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Die Bundesregierung hat ambitionierte energiepolitische Ziele: Gebäudeenergiegesetz (GEG) und Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sollen überarbeitet und der Strompreis für Unternehmen und Haushalte spürbar reduziert werden. Jetzt folgte ein Streit zwischen CDU/CSU und SPD, ob man sich eine Senkung der Stromsteuer aktuell überhaupt leisten könne.
Das ernüchternde Ergebnis: Statt der im Koalitionsvertrag versprochenen Absenkung auf das europäische Mindestmaß, haben die Koalitionäre nun die teilweise Übernahme der Übertragungsnetzentgelte, die Finanzierung beziehungsweise Streichung der Gasspeicherumlage und die Verstetigung der Stromsteuerabsenkung für produzierende Unternehmen beschlossen. Das soll ab 2026 eine Strompreissenkung um drei Cent pro Kilowattstunde zur Folge haben.
Ob diese Absenkung allerdings tatsächlich auch bei den Verbrauchern ankommt, ist aufgrund der regionalen Unterschiede bei den Netzentgelten mehr als fraglich. Die Reduzierung der Stromsteuer für alle hätte die Stromkosten hingegen garantiert und flächendeckend um zwei Cent gesenkt. Die Folge: Zurückhaltung bei Investitionen, wachsende Skepsis im Handwerk und anhaltende Unsicherheit bei Hausbesitzern. Statt Ersparnisse für alle also fehlende Planbarkeit für alle.
Jeder Cent weniger reduziert die Amortisationszeit der Wärmepumpe um knapp ein Jahr
Nehmen wir das Beispiel einer Wärmepumpe, um zu verdeutlichen, was fehlende Planbarkeit für Verbraucher und damit für die viel beschworene Wärmewende konkret bedeutet: Viele Hausbesitzer investieren in eine Wärmepumpe, wenn sich die Mehrkosten in unter acht Jahren rechnen – aktuell dauert es im Schnitt noch 8,5 Jahre. Eine garantierte Senkung der Stromkosten von 27 auf 25 Cent pro Kilowattstunde bei einem gleichbleibenden Gaspreis würde die Amortisationszeit auf etwas mehr als sechseinhalb Jahre kürzen. Kurzum: Jeder Cent weniger pro Kilowattstunde amortisiert die Mehrkosten einer Wärmepumpe um knapp ein Jahr schneller.
Mit der Entscheidung, die Gasspeicherumlage abzuschaffen, wird jedoch stattdessen ein fatales Signal gesetzt. Denn die Gaspreise werden durch den Beschluss sinken. Und wenn sowohl der Gas- als auch Strompreis sinken, ändert sich an der ursprünglichen Amortisationszeit bei der Wärmepumpe nichts. Die Attraktivität eines Heizungsumstiegs sinkt. Für Hausbesitzer bedeutet das jedoch eine falsche Sicherheit. Sie übersehen allzu leicht, dass die Netzentgelte für Gas zwangsläufig steigen werden, weil immer weniger Haushalte sie mittragen.
Ab 2027 greift zudem der europäische Emissionshandel im Gebäudesektor, der fossiles Heizen spätestens ab 2030 weiter verteuern wird. Die Gas-Subvention bremst daher nicht nur die Wärmewende aus, sondern droht Hausbesitzer finanziell zu überfordern.
Debatte geht an der Realität vorbei: Die Wärmepumpe ist längst etabliert
Dabei hat sich die Wärmepumpe längst in der Stadt und auf dem Land etabliert. Der Wunsch nach einem Umstieg steigt. Das belegen die Zahlen deutlich: Laut dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) stieg der Absatz im ersten Quartal 2025 um 35 Prozent, während der Verkauf von Gasheizungen um fast 50 Prozent einbrach. Auch die KfW verzeichnete doppelt so viele Förderanträge wie im Vorjahr.
Das ist keine Überraschung. Denn die Wärmepumpe überzeugt im Alltag. Smarte Steuerung, dynamische Stromtarife und die Kombination mit Photovoltaik erhöhen die Effizienz zusätzlich. Wer heute in eine neue Heizung investiert, trifft eine Entscheidung für 20 Jahre oder mehr. Statt fehlender Planbarkeit braucht es deshalb eine verlässliche Roadmap für die Wärmewende. Folgende Maßnahmen würden helfen:
- Strompreise für Verbraucher weiter senken: Ohne bezahlbaren Strom gibt es keine erfolgreiche Wärme- und Energiewende. Wer auf klimafreundliche Heizsysteme umsteigt, muss das auch im eigenen Geldbeutel merken. Jeder Cent macht einen Unterschied. Die Bundesregierung sollte deshalb, wie versprochen, die Stromsteuer zügig auf das EU-Mindestmaß senken.
- Fördersystem verlässlich gestalten: Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage von thermondo bevorzugen 43 Prozent der Einfamilienhausbesitzer die Wärmepumpe – nur 17 Prozent würden heute noch auf Gas setzen. Mit der existierenden Förderung zahlen die meisten Eigenheimbesitzer nur etwas mehr als für die Gasheizung. Eine verlässliche, langfristige Förderung ist daher entscheidend. Ohne sie droht der Rückfall in teure, fossile Alttechnik. Perspektivisch kann die Förderung an sinkende Anschaffungskosten angepasst werden.
- Am CO₂-Preis festhalten: Auf europäischer Ebene werden schon jetzt Maßnahmen diskutiert, um eine drastische Preiserhöhung in Folge des Starts von ETS2 zu verhindern. Dabei ist der CO₂-Preis das zentrale Instrument gegen fossiles Heizen und muss seine Lenkungswirkung behalten. Die Botschaft muss bleiben: Gas und Öl werden zur finanziellen Dauerbelastung.
Klar ist: Die Bundesregierung muss ihre eigenen Koalitionsziele endlich umsetzen. Versprechen müssen gehalten werden. Energiepolitik ist kein Nullsummenspiel. Niedrigere Stromkosten müssen mit einer starken Förderung kombiniert werden. Nur so gibt es einen starken Hebel, um den Umstieg auf klimafreundliche Systeme wie die Wärmepumpe zu beschleunigen.
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