Lehren aus dem NRW-Pharmadialog : Deutschland muss sich entscheiden!
Mit dem Pharmadialog hat NRW – Standort von Johnson & Johnson Innovative Medicine in Deutschland und vieler weiterer forschender Pharmaunternehmen – ein klares Bekenntnis zum Pharmastandort abgegeben, schreibt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Urs Voegeli. Höchste Zeit, dass auch die Bundesregierung politische Verantwortung übernimmt, die Zusagen aus dem Koalitionsvertrag einlöst und den Pharmastandort Deutschland stärkt, statt Patienten vom Zugang zu neuen Medikamenten abzukoppeln.
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Der in dieser Woche abgeschlossene Pharmadialog NRW ist für mich die Benchmark moderner Standortpolitik: ressortübergreifend, lösungs- und zukunftsorientiert – mit dem Anspruch, Gesundheit, Innovation und wirtschaftliche Stärke gemeinsam voranzubringen. In NRW saßen Wirtschafts-, Gesundheits- und Wissenschaftsministerium sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Gesundheitsindustrie und Forschung an einem Tisch, mit einem klaren Ziel: die Pharmaindustrie im bevölkerungsreichsten Bundesland als Teil der kritischen Infrastruktur gezielt zu stärken. Denn nur so lässt sich die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit innovativen, hochwertigen Medikamenten nachhaltig absichern.
Die Ergebnisse sind in einem Chancenpapier mit 52 konkreten Handlungsempfehlungen zusammengefasst. Das Papier macht deutlich: NRW als einer der bedeutendsten Pharmastandorte Deutschlands ist bereit, die Rahmenbedingungen für Innovation, klinische Forschung und moderne Produktionsstandorte konsequent weiterzuentwickeln, um Gesundheits- und Standortpolitik gemeinsam nach vorn zu bringen.
Der Bund diskutiert Sparlisten – statt Lösungen
Leider zieht der Bund nicht nach. Im Pharmadialog auf Bundesebene erlebe ich kein gemeinsames Ringen um zukunftsfähige, strukturelle Lösungen, sondern vor allem kleinteilige Spardiskussionen. Noch während dieser Dialog läuft, hat das Bundesministerium für Gesundheit bereits einen Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgelegt – mit Sparmaßnahmen, die die forschende Pharmaindustrie besonders hart treffen. Das sendet ein Signal in die falsche Richtung und steht im eklatanten Widerspruch zu den Ankündigungen im Koalitionsvertrag: Deutschland (wieder) zu einem weltweit führenden Biotech- und Pharmastandort zu machen, Investitionen zu gewinnen und Wohlstand zu sichern.
Eine aktuelle vfa-Studie zeigt: Schon heute erreicht jedes dritte neue Arzneimittel, das in den USA zugelassen wird, Patientinnen und Patienten in Deutschland nicht. Von 526 Arzneimitteln, die zwischen 2016 und 2025 in den USA eingeführt wurden, sind 175 in Deutschland nicht zugelassen. Das ist nicht bloß Statistik. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die warten: auf Linderung, auf Stabilität – mitunter sogar auf Heilung. Der Gedanke ist schwer zu ertragen. Menschen in Deutschland sollen sich darauf verlassen können, bestmöglich medizinisch versorgt zu werden. Um das zu erreichen, investieren die im vfa organisierten Pharmaunternehmen jedes Jahr rund zehn Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Johnson & Johnson hat in den letzten zwölf Monaten mehr als 15 Milliarden US-Dollar in die Pipeline investiert. Wir forschen, damit das Ergebnis – neue, bessere, wirksame Arzneimittel mit immer weniger Nebenwirkungen – so schnell wie möglich bei den Menschen ankommt, die darauf warten.
Ohne Verlässlichkeit keine Forschung
Um das weiter leisten zu können, brauchen wir Planungssicherheit – nicht im Negativen, sondern als verlässliche, innovationsfördernde Leitplanke. Wir müssen uns darauf verlassen können, dass es in Deutschland einen Markt für Innovationen gibt, dass ihr Wert anerkannt und fair vergütet wird. Ein dynamisierter Herstellerrabatt, der perspektivisch einem Preisnachlass von bis zu 50 Prozent auf Innovationen gleichkommt, entwertet Forschung und koppelt Patientinnen und Patienten vom medizinischen Fortschritt ab. Das kann und darf nicht das Ziel sein.
Deutschland muss sich entscheiden: für eine verlässliche Versorgung von Patientinnen und Patienten, für Wirtschaftswachstum und Wohlstand und für einen starken, wettbewerbsfähigen Innovations- und Gesundheitsstandort. Oder für weitere Einsparungen auf Kosten genau der Leitindustrie, die nicht nur das Potenzial, sondern auch den Willen hat, all das möglich zu machen. Wer Spitzenstandort sagt, muss Innovation ermöglichen – nicht ausbremsen.
Urs Voegeli ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Johnson & Johnson Innovative Medicine Deutschland.
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