Krebspräventionsgipfel : Fünf Handlungsempfehlungen
Eine halbe Million Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs – Tendenz steigend. Das persönliche Leid, aber auch die damit einhergehenden volkswirtschaftlichen Folgen sind immens. Gleichzeitig könnten wir viele Neuerkrankungen durch Prävention verhindern. Um dieses Potenzial zu heben, müsste die Krebsprävention zur politischen Priorität werden.
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Krebserkrankungen stellen nach wie vor eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Gleichzeitig wissen wir heute so viel wie nie zuvor über wirksame Maßnahmen zur Krebsprävention.
Rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen könnten nach heutiger Datenlage durch primärpräventive Maßnahmen verhindert werden. Dazu zählen insbesondere Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Körpergewicht, möglichst kein Alkohol sowie der Schutz vor UV-Strahlen und Interventionen wie Impfungen. Dennoch bleibt Prävention im Gesundheitssystem bislang oft ein Randthema. Der Fokus liegt vielfach auf Diagnose und Behandlung – statt auf Vermeidung und Gesundheitsförderung.
Wir dürfen den Krebs nicht erst bekämpfen, wenn er schon da ist. Wir müssen ihn vielmehr verhindern, bevor er entsteht. Krebsprävention sollte deshalb elementarer Bestandteil einer modernen, verantwortungsvollen Politik sein. Denn Prävention steigert Lebensqualität, sie reduziert Leid und Erkrankung – und sie entlastet langfristig das Gesundheitssystem. Dies ist gerade jetzt, im Zuge der Debatten um die Finanzierung der Kranken- und Pflegeversicherung, von höchster Aktualität und Relevanz.
Allerdings erfordert die Umsetzung von Krebspräventionsmaßnahmen auch einen langen Atem, der über Legislaturperioden hinausgeht. Krebs entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich über viele Jahre. Auswirkungen von Präventionsmaßnahmen auf die tatsächliche Erkrankungshäufigkeit sind daher ebenfalls erst in einigen Jahren bzw. eher Jahrzehnten feststellbar. Gerade deshalb ist ein starker politischer Wille, Krebsprävention zur Priorität zu machen, unabdingbar.
Erster Gipfel entwickelt Handlungsempfehlungen
Krebsprävention ist auch deshalb kein einfaches Feld, weil es multikomplex ist, mit vielen Akteuren, unterschiedlichste Lebenssituationen und Herausforderungen. Wir sprechen von einer Mammutaufgabe, die kein Akteur allein bewältigen kann, sondern für die wir uns langfristig zusammenschließen und an einem Strang ziehen müssen. Die Frage ist also: Wie können wir es gemeinsam schaffen, die Krebsprävention in Deutschland nachhaltig zu stärken und systematisch umzusetzen?
Um diese Frage fachkundig auszuloten und um eine nationale Strategie für die Krebsprävention zu entwickeln, haben das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Krebshilfe im Juni 2025 rund 40 Fachleute zum ersten Nationalen Krebspräventionsgipfel eingeladen. Das Ergebnis der gebündelten Expertise sind fünf konkrete Handlungsempfehlungen, die sich an Akteurinnen und Akteure aus Gesundheitswesen, Forschung, Bildung, Politik und Wirtschaft richten.
Was es jetzt konkret braucht:
- ein klares Mandat der Bundesregierung, Prävention ressort- und politikfeldübergreifend als Querschnittsaufgabe zu verankern
- mehr Austausch und Vernetzung zwischen Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft
- mehr verhältnispräventive Gesetzgebung, etwa im Zusammenhang mit Tabak, Alkohol oder Zucker
- eine systematische Einbeziehung von Schulen bei der Umsetzung von Prävention
- niedrigschwelligen und zielgruppengerechten Zugang zu Prävention
Die vollständigen Handlungsempfehlungen sind hier einsehbar.
Krebsprävention ist eine Gemeinschaftsaufgabe
Mit unseren Handlungsempfehlungen führen wir Expertenwissen gebündelt zusammen und zeigen auf, wo die Politik umsteuern muss. Wir laden Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, diese gemeinsam erarbeiteten Empfehlungen des ersten Nationalen Krebspräventionsgipfels als Grundlage und Impuls für das eigene Handeln zu nutzen.
Krebsprävention betrifft jede und jeden von uns und ist in allen Phasen des Lebens wichtig: von frühester Kindheit an bis ins hohe Alter. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur gelingen kann, wenn wir gemeinsam Verantwortung übernehmen und entschlossen handeln. Lassen Sie uns die Chance ergreifen – und Krebs nicht nur behandeln, sondern häufiger vermeiden.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Krebshilfe stehen jederzeit für den Dialog zur Verfügung.
Prof. Dr. Michael Baumann ist seit November 2016 Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums. Gerd Nettekoven ist Vorstand der Deutschen Krebshilfe.
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