Produktentwicklungs-Partnerschaften : Gesundheitsinnovationen profitieren am meisten von öffentlichen Investitionen
Tuberkulose, die weltweit tödlichste Infektionskrankheit, breitet sich weiter aus, die Budgets für Auslandshilfe schrumpfen, und doch war die Innovationspipeline nie vielversprechender, schreibt Mel Spigelman, CEO und Präsident der TB Alliance, im Standpunkt. Produktentwicklungs-Partnerschaften zeigten, dass ein gemeinnütziger Ansatz zur deutlichen Verbesserung von Gesundheitsinstrumenten machbar, äußerst kosteneffizient und wirkungsvoll sei.
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Wenn Menschen keinen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten, Diagnostika oder Impfstoffen haben, weil der Markt kaum Anreize bietet, sie zu entwickeln, wird Gesundheit zu einem Privileg statt zu einem Recht. Regierungen erkennen sauberes Wasser, ein stabiles Klima und eine gesunde Umwelt als öffentliche Güter an, die öffentliche Führung erfordern. Dasselbe muss für medizinische Innovationen gelten, die Menschen und Krankheiten dienen, die der Markt allzu oft übersieht.
Das gilt insbesondere für Tuberkulose (TB), die nach wie vor tödlichste Infektionskrankheit der Welt. TB ist eng verwoben mit Armut, Mangelernährung, beengten Wohnverhältnissen, schwachen Gesundheitssystemen und zunehmend auch mit dem Klimawandel. Jüngste Forschungsergebnisse, die von der Weltgesundheitsorganisation in Auftrag gegeben und in The Lancet veröffentlicht wurden, kamen zu dem Schluss, dass der Klimawandel zu einem zentralen Hindernis dafür werden könnte, TB als globale Gesundheitsbedrohung zu beenden. Wir befinden uns daher in einem Moment, der zugleich von Chancen und Gefahren geprägt ist: TB breitet sich weiter aus, die Budgets für Auslandshilfe schrumpfen, und doch war die Innovations-Pipeline nie vielversprechender.
Warum es PDPs braucht
Die dringende Frage lautet, wie sich sicherstellen lässt, dass die Instrumente, die zur Beendigung von TB und anderen vernachlässigten Krankheiten benötigt werden, entdeckt, entwickelt und bereitgestellt werden – und allen Bedürftigen leicht zugänglich sind. Eine bewährte Antwort darauf sind Produktentwicklungs-Partnerschaften, sogenannte PDPs. PDPs sind gemeinnützige Organisationen, die neue Gesundheitsprodukte – darunter Impfstoffe, Medikamente und Diagnostika – für Krankheiten entdecken, entwickeln und bereitstellen, die vor allem Menschen im Globalen Süden betreffen, wo kommerzielle Anreize allein oft nicht ausreichen, um die nötige Forschung und Entwicklung voranzutreiben.
PDPs bieten einen alternativen Ansatz für Gesundheitsinnovationen. Sie bringen Fachwissen in der pharmazeutischen Entwicklung neuartiger Produkte, öffentliche Finanzierung, Philanthropie, akademische Wissenschaft, klinische Forschungskapazitäten, die Beteiligung betroffener Gemeinschaften und krankheitsspezifische Expertise zusammen, um Produkte am Bedarf der öffentlichen Gesundheit auszurichten – statt an Marktgröße und finanzieller Kapitalrendite. Damit haben sie gezeigt, dass ein gemeinnütziger Ansatz zur deutlichen Verbesserung von Gesundheitsinstrumenten machbar, effizient, wirkungsvoll und bezahlbar ist.
Erfolgsraten steigen deutlich
Die TB Alliance ist eine solche PDP. Die jahrhundertelange Suche nach der Ausrottung von TB zu erfüllen, erfordert bessere Behandlungen: Therapieschemata, die schneller, einfacher, hochwirksam und sicher sind. Das transformative Potenzial solcher Innovationen zeigt sich an den BPaL/M-Schemata, der ersten von der WHO empfohlenen standardisierten Kurzzeitbehandlung für medikamentenresistente TB.
BPaL/M wurde von der TB Alliance entwickelt und hat das Paradigma der Behandlung medikamentenresistenter TB verändert. Was zuvor eine 18-monatige oder längere Behandlung mit belastenden Medikamenten war, wurde zu einer besser handhabbaren sechsmonatigen Therapie. Die Behandlungserfolgsraten stiegen von teils nur 34 Prozent auf 90 Prozent, und die Tablettenlast sank um bis zu 95 Prozent. Sowohl für Menschen mit TB als auch für die Systeme, die sie behandeln, bedeutet dies eine deutlich bessere Heilungschance bei zugleich geringerem Ressourceneinsatz und wesentlich weniger Zeitaufwand.
Nach der Zulassung half die TB Alliance dabei, das Behandlungsschema Menschen in mehr als 130 Ländern zugänglich zu machen. In einem ersten Programm schulten wir mehr als 12.000 klinische und labormedizinische Fachkräfte in sieben Ländern. Seitdem haben wir mit mehr als 40 weiteren Ländern zusammengearbeitet, um Schulungen zu ermöglichen und Versorgungsplattformen zu stärken.
Vernachlässigte Krankheitsbereiche
BPaL/M ist nicht die einzige bemerkenswerte neue TB-Technologie. Ein neues Screening-Instrument testet eine Infektion anhand eines Zungenabstrichs – ein deutlich einfacheres Verfahren als die Gewinnung von Sputum. Die WHO erarbeitet zudem Leitlinien für langwirksame Injektionspräparate (Long-Acting Injectables, LAIs), eine Methode, die die Behandlung und Prävention anderer Krankheiten, darunter HIV/Aids, verändert hat.
Auch die TB Alliance arbeitet daran, LAIs zu nutzen, um Behandlungen zu entwickeln, die die Therapie aktiver TB von sechs Monaten auf einen Monat verkürzen, die Behandlung latenter TB-Infektionen auf einen einzigen Tag reduzieren und eine breite Einführung in Regionen mit hoher Krankheitslast innerhalb eines Jahres unterstützen könnten.
Das PDP-Modell hat auch über TB hinaus Ergebnisse geliefert und Gesundheitsinnovationen in traditionell vernachlässigten Krankheitsbereichen vorangebracht. Dazu gehören orale Behandlungen, die die Versorgung bei der Schlafkrankheit vereinfachen, Einzeldosis-Medikamente zur Verhinderung von Rückfällen bei Vivax-Malaria, langwirksame Präventionsinstrumente gegen HIV sowie Impfstoffe gegen Malaria, Cholera und Typhus, die darauf ausgelegt sind, den Zugang in ressourcenarmen Umgebungen zu erweitern.
Diese Beispiele zeigen, was möglich wird, wenn Prioritäten der öffentlichen Gesundheit Innovationen antreiben. PDPs arbeiten mit akademischen Forschungseinrichtungen und der Industrie von der Molekülentwicklung bis zur Markteinführung zusammen. Sie bewerten Wirkstoffe und Impfstoffkandidaten, führen klinische Studien durch, um Sicherheit und Wirksamkeit nachzuweisen, und tragen dazu bei, dass erfolgreiche Produkte die Menschen und Gesundheitssysteme erreichen, die sie benötigen.
Nicht nachlassen
Der Prozess ist äußerst kosteneffizient. Pretomanid, ein neuartiger Wirkstoff, der in den BPaL/M-Schemata eingesetzt wird, wurde für nur etwa ein Zehntel der üblichen Kosten entwickelt, die typischerweise für die Entwicklung eines neuen Medikaments von Anfang bis Ende anfallen. Von PDPs geleitete Studien helfen zudem, Forschungsinfrastruktur in Ländern aufzubauen, die von den adressierten Krankheiten stark betroffen sind.
Die Voraussetzungen für die nächste Phase im Kampf gegen TB und andere vernachlässigte Krankheiten sind nun geschaffen. Doch Fortschritt trägt sich nicht von selbst. Die Welt hat sich wiederholt verpflichtet, TB zu beenden, unter anderem bei hochrangigen Treffen der Vereinten Nationen, bei denen Mitgliedstaaten zugesagt haben, die Investitionen in TB und TB-Forschung zu erhöhen. Bis heute sind diese Versprechen jedoch unerfüllt geblieben.
Gerade jetzt wäre es der falsche Zeitpunkt, sich zurückzuziehen. Da der Klimawandel bestehende Gesundheitsbedrohungen verschärft und die nächste Generation transformativer Instrumente in Reichweite ist, sollten Regierungen, Stiftungen und globale Gesundheitsinstitutionen ihre Unterstützung für PDPs und ähnliche gemeinwohlorientierte Innovationsmodelle verdoppeln. Die Erträge bemessen sich nicht nur an entwickelten Produkten, sondern auch an geretteten Leben, gestärkten Gesundheitssystemen und einer erhöhten globalen Widerstandsfähigkeit.
PDPs haben gezeigt, dass vernachlässigte Krankheiten nicht vernachlässigt bleiben müssen. Mit nachhaltiger Finanzierung und politischem Engagement kann das wissenschaftliche Versprechen, die tödlichste Infektionskrankheit der Welt zu beenden, noch eingelöst werden.
Mel Spigelman ist Präsident und CEO der TB Alliance, eines gemeinnützigen Arzneimittelentwicklers mit Sitz in den USA und Empfängers deutscher Entwicklungshilfezuschüsse.
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