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Gesundheit & E-Health

Standpunkte Vom analogen zum digitalen Gesundheitssystem

Ralf Reich ist Commercial Vice President Nordics bei dem Unternehmen Iron Mountain
Ralf Reich ist Commercial Vice President Nordics bei dem Unternehmen Iron Mountain Foto: Iron Mountain

Mit der Einführung der „ePa für alle“ im Januar 2025 wird ein wesentlicher Schritt zur Beschleunigung der Digitalisierung im Gesundheitswesen unternommen. Gleichzeitig ist der Bereich noch immer stark auf physische Daten angewiesen. Entscheidend für die digitale Transformation ist aus Sicht von Iron Mountain, in dieser Phase ein reibungsloses Zusammenspiel der physischen und digitalen Gesundheitsdaten zu ermöglichen und so die Grundlage für die vollständige Digitalisierung zu legen.

von Ralf Reich

veröffentlicht am 10.05.2024

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Digitale Technologien sorgen im deutschen Gesundheitswesen für weitreichende Veränderungen im Umgang mit Patientendaten. Dennoch hängt Deutschland laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC im Vergleich mit anderen europäischen Ländern in der Entwicklung eines digitalen Gesundheitswesens deutlich hinterher. Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) im Januar 2025 markiert jedoch einen Meilenstein für dessen Transformation.

Gesetzliche Krankenversicherungen und andere stehen aktuell vor der Herausforderung, mit umfassenden digitalen Lösungen bis zum 15. Januar 2025 die technische Grundlage für die E-Akte sowie die Widerspruchslösung legen zu müssen. Es ist zudem davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Ärzt:innen in Deutschland zuerst einmal den immensen zusätzlichen Aufwand sieht. Klar ist aber, dass die ePA ihnen mittel- und langfristig Kapazitäten für ihre eigentliche Arbeit frei macht: den persönlichen Kontakt mit den Patient:innen. Wenn man bedenkt, dass deren Zahl aufgrund des demografischen Wandels in Deutschland stetig zunimmt, tragen digitale Lösungen wie die ePA maßgeblich dazu bei, die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu meistern.

Bedarfsgerechte Digitalstrategie benötigt

Die Grundlage für die Digitalisierung von Prozessen und Daten – für die ePA, aber auch darüber hinaus – sind hochsensible medizinischen Daten der Versicherten. Neben einer beträchtlichen Menge an Papierakten auf der einen Seite, sind auf der anderen Seite diverse Daten bereits digitalisiert. Um trotzdem effizient arbeiten und flexibel auf Informationen und Dokumente zugreifen zu können, braucht es eine Strategie, die dieses Zusammenspiel ermöglicht.

Eine Digitalstrategie muss im Datensicherheitsprotokoll daher auch die sichere Aufbewahrung und Entsorgung von Papierdokumentation berücksichtigen. So können Akteure im Gesundheitssystem digitales Arbeiten weiter vorantreiben und haben bei Bedarf dennoch einfachen Zugriff auf physische Akten. Einen guten Mittelweg bieten auch die Lösungen, die physische Daten erst dann digitalisieren, wenn sie erneut benötigt werden. So können nach und nach sämtliche Daten digitalisiert werden, um langfristig den Anforderungen eines digitalen Gesundheitssystems gerecht zu werden.

Kernaufgaben Datenschutz und IT-Sicherheit

Wenn Organisationen derart große Mengen an sensiblen persönlichen Daten wie bei der ePA sammeln, sind leistungsstarke digitale Lösungen erforderlich: In diesem Transformationsprozess muss die Integrität von Dokumenten und Informationen gewahrt sein. Gesundheitsdaten – ob digital oder physisch – müssen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und den Anforderungen an die Privatsphäre der Patient:innen entsprechen. So wird Vertrauen für die digitale Verwaltung dieser Daten geschaffen und die Akzeptanz in der Öffentlichkeit gefördert. Das ist auch nötig: Vergangenes Jahr hatte laut AOK lediglich ein Prozent der Patient:innen eine elektronische Patientenakte.

Für die digitale Transformation im Gesundheitswesen ist die Modernisierung der IT-Infrastruktur von entscheidender Bedeutung. Auch wenn ein 100-prozentiger Schutz gegen Angriffe von Cyber-Kriminellen allein aufgrund der zunehmenden Komplexität und der Vielfalt von Hacking-Techniken nicht möglich ist, verhindert ein modernes IT-System diese größtenteils oder beschleunigt zumindest die Erkennung, Eindämmung und Behebung signifikant.

Zu einer effizienten IT-Infrastruktur gehören neben der Verschlüsselung gespeicherter und übertragener Daten auch Wiederherstellungs- und Sicherungssysteme sowie die Multi-Faktor-Authentifizierung. Außerdem braucht es einen umfassenden Plan, um souverän auf Sicherheitsvorfälle reagieren zu können, damit ein Angriff schnell erkannt, bewertet und eingedämmt werden kann. Dadurch können ähnliche Attacken in der Zukunft verhindert werden.

Von der physischen zur digitalen Akte

Der passende Weg zur ePA ist durch einen sicheren Digitalisierungsprozess beeinflusst: Um Dokumente sicher und gesetzeskonform zu digitalisieren, müssen sie zunächst klassifiziert und anschließend gescannt werden. Dabei muss die Digitalisierung den TR-RESISCAN-Standards entsprechen und eine hochauflösende, fehlerfreie sowie KDL-konforme Scans zum Schutz sensibler Patientendaten gewährleisten.

Bereits digitalisierte medizinische Daten werden dabei in einem Rechenzentrum gespeichert und in einem geeigneten Verwaltungssystem verfügbar gemacht. Ein für die Informationsverwaltung oder -archivierung geeignetes System ermöglicht es Nutzer:innen außerdem, automatisiert Regeln des Datenschutzes für die Aufbewahrung von Dokumenten anzuwenden. Um potenzielle Datenschutzverletzungen bis zum Schluss zu minimieren, ist für die sichere Entsorgung älterer Aufzeichnungen und physischer Dokumente gemäß Datenschutz- und Compliance-Vorschriften die Beauftragung eines zertifizierten externen Anbieters unerlässlich, der nach ISO9001 und ISO14001 akkreditiert ist und der EN15713 entspricht.

Bis das gesamte Gesundheitssystem in Deutschland erfolgreich digital transformiert ist, wird es noch dauern. Die elektronische Patientenakte ist aus Sicht von Iron Mountain ein Schritt in die richtige Richtung hin zu einem digitalisierten Gesundheitswesen. Es gilt jetzt mit der richtigen Strategie Patientendaten gesetzeskonform zu digitalisieren, um sie effizient verwalten und für Akteure im Gesundheitswesen einfach zugänglich machen zu können.

Ralf Reich ist Commercial Vice President Nordics bei Iron Mountain, einem Unternehmen, das sich auf Dienstleistungen für das Informationsmanagement spezialisiert hat.

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