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Verkehr & Smart Mobility

Standpunkt

Contra – Bundesregierung zieht den Stecker für E-Autos

Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK)
Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) Foto: promo

Die geplante Reduzierung der staatlichen Förderung von E-Autos könnte den Aufschwung der Technologie abwürgen. Reinhard Zirpel, Präsident des Importeursverbands VDIK, erwartet, dass nun wieder mehr Benziner und Diesel gekauft werden.

von Reinhard Zirpel

veröffentlicht am 19.08.2022

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Die Elektromobilität ist in Deutschland auf Erfolgskurs. Nach rund 100.000 neuen Elektroautos im Jahr 2019 rollten im vergangenen Jahr bereits knapp 700.000 neue Stromer auf die Straßen. Das war ein Durchbruch. Möglich wurde er zuallererst durch ein schnell wachsendes Angebot von Elektroauto-Modellen. So bieten allein die VDIK-Mitgliedsunternehmen heute rund 180 elektrische Pkw- und Lkw-Modelle an. Vor drei Jahren waren es erst 50. 

Der zweite entscheidende Erfolgsfaktor ist die Förderung durch die Vergünstigung bei der Dienstwagenbesteuerung und den Umweltbonus. Letzteren hat die Bundesregierung 2020 deutlich erhöht und damit stark zum darauffolgenden Boom beigetragen. Nun will die Ampel diese Kaufprämie massiv kürzen, in der Hoffnung, dass sich Kundinnen und Kunden trotzdem weiter für E-Autos entscheiden. 

Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, dass sich das als Trugschluss erweisen könnte. So kostet ein Elektroauto eines internationalen Herstellers, das auch für durchschnittliche Geldbeutel gut erreichbar ist, rund 13.000 Euro mehr als ein vergleichbarer Benziner. Durch die Ersparnis mithilfe des aktuellen Umweltbonus bleibt bereits eine Differenz von 4000 Euro zu Lasten des Elektroautos. 

Sinkt der Bonus nun allerdings von 9000 auf 6750 Euro im Jahr 2023 und 4500 Euro ab Anfang 2024, würden sich die Mehrkosten des Elektroautos weiter erhöhen. Selbst wenn man den Kostenvorteil von Strom gegenüber Benzin einbezieht, ergibt sich eine Differenz, die das Elektroauto für den mit spitzer Feder rechnenden Privatkunden unattraktiv macht.

Genau davor warnen wir: Mit den geplanten Kürzungen läuft die Bundesregierung Gefahr, einem Teil des Elektroautomarktes den Stecker zu ziehen. Nach der geplanten Förderungskürzung könnte sich der Markt für E-Fahrzeuge in den kommenden Monaten und Jahren möglicherweise weit weniger dynamisch entwickeln, als es notwendig wäre, um die CO2-Emissionen des Verkehrs schnell zu senken.

Windhundprinzip statt verlässliche Förderung

Das gilt umso mehr, als auch die öffentliche Ladeinfrastruktur bisher leider noch keinen Anreiz für einen E-Auto-Kauf bietet. Plug-In-Hybride könnten als Brücke dienen, bis auch die Ladeinfrastruktur optimal ausgebaut ist. Leider will die Bundesregierung den Umweltbonus für diese Autos nun sofort streichen, statt ihn wie bisher geplant stärker auf elektrisches Fahren auszurichten.

Der Staat fördert Elektroautos aus gutem Grund, nämlich um die gemeinsam beschlossen Klimaziele zu erreichen. Dennoch war der Umweltbonus nie für die Ewigkeit gedacht. 2025 stand als Ziel im Raum. Eine verlässliche, degressiv absinkende Förderung bis zu diesem Zeitpunkt würde breite Zustimmung finden. Im Koalitionsvertrag ist es so vorgesehen. 

Nun soll dagegen eine Förderung nach dem Windhundprinzip geschaffen werden, die das Gegenteil von Planungssicherheit bedeutet. Denn die Bundesregierung will die restliche Fördersumme auf 3,4 Milliarden Euro deckeln. Leider wird noch nicht einmal das zweistufige Antragsverfahrens wieder eingeführt. Damit könnten Kunden zumindest schon beim Kauf die Förderung reservieren, anstatt warten zu müssen, bis ihr Fahrzeug tatsächlich zugelassen ist.

Auf diese Unsicherheit werden viele Käufer reagieren, indem sie doch wieder einen Benziner oder Diesel kaufen. Für den Klimaschutz wäre das eine schlechte Nachricht. Die Koalitionspartner sollten ihre Entscheidung überdenken. 

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