Kommunale Innovation : Warum Innovationen so oft scheitern
Gute Ideen allein reichen nicht: Wer Innovation will, muss auch alte Denkweisen loslassen, schreibt die Beraterin Marina Schakarian. Im Standpunkt erläutert sie vier Stolpersteine, die innovative Projekte gefährden – und wie Kommunen bessere Bedingungen für Innovation schaffen können.
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Innovationsprojekte starten mit großen Hoffnungen – und enden zu oft im internen Krisenmodus. Dabei scheitern sie selten an der Idee, sondern an Strukturen, Erwartungen und der Kommunikation.
Innovation wird häufig als Selbstzweck verstanden und der finale Markterfolg als zentrales Ziel. Es ist viel wichtiger und realistischer, Innovation als interne Weiterentwicklungsmöglichkeit und Sensor zu sehen, wie es um Kultur, Strukturen und Fähigkeiten steht. Es geht nicht darum, die ultimative Idee zu entwickeln, sondern einen strukturellen und kommunikativen Nährboden zu gestalten, damit Mitarbeitende darin bestmöglich wirken können. Wenn eine Kommune innovativ vorgehen will, muss sie bereit sein, auch Dinge loszulassen: alte Denkweisen, aufgeblähte Strukturen und kosmetische Versprechen.
Hier kommen vier gängige Fehler, die kommunale Innovationsprojekte gefährden und wie Organisationen sie vermeiden können.
1. Kein Problem, keine Innovation
Viele Innovationsprojekte starten mit einer fixen Idealvorstellung davon, wie das Endprodukt aussehen soll. Die Führungs- oder Strategieebene sieht, was anderswo gut funktioniert, und will dasselbe für sich haben. Was fehlt, ist die Frage: Welches konkrete Problem wollen wir für uns lösen? Was sind unsere spezifischen Herausforderungen?
Problemfokus sollte allerdings nicht mit Problematisierung verwechselt werden. Teams, die sich länger mit dem Problem befassen, es verstehen und analysieren, kommen laut einer Studie zu besseren Ergebnissen als Teams, die sich direkt auf die erstbeste Lösung stürzen. Wer fremde Lösungen importiert, ohne den Weg dorthin zu kennen, landet schnell bei einem Produkt, das nicht zum eigenen Umfeld passt. Oder bleibt auf dem Weg dahin liegen.
Das hilft: Kommunen sollten das zu lösende Problem und einen klaren Zweck für das Innovationsvorhaben definieren – und diesen kommunizieren. Im Projektverlauf kann man immer wieder darauf zurückkommen und läuft nicht Gefahr, sich zu verlaufen.
2. Veränderung braucht Kommunikation – emotional wie strukturell
Jede echte Innovation bringt operative, emotionale oder strukturelle Veränderung mit sich. Beispielsweise haben Budget- und Personalverteilungen Auswirkungen auf die gesamte Priorisierung. Oft betreffen solche Veränderungen auch die Belegschaft. Gerne wird versucht, aufkommende Unsicherheiten und Ängste von Mitarbeiter:innen kleinzureden oder zu ignorieren. Dies ist ein Teufelskreis: Indem man die Emotionen übergeht, steigt der Widerstand. Widerstand und Unmut sorgen für eine stärkere Verunsicherung.
Zusätzlich entstehen oft Parallelkulturen: Innovationsprojekte sind isoliert, mit anderer Sprache, anderen Tools, anderem Tempo. Das ist für die Entwicklung hilfreich, aber für die interne Anschlussfähigkeit herausfordernd. Die operative Distanz führt zu einer kulturellen Kluft, die häufig ignoriert wird. Um das Innovationsprodukt und den Wissensgewinn gut in die Organisation zu integrieren, ist es wichtig, solchen Distanzierungen entgegenzuwirken.
Erfolgreiche Innovationsprojekte schaffen einen konstruktiven Raum für negative Emotionen wie Verlustängste. Zu Beginn muss eine ehrliche Bestandsaufnahme erfolgen. Was wird sich ändern? Was bleibt gleich? Und wie können emotionale, finanzielle, operative oder inhaltliche Verluste aufgefangen werden? Mithilfe von gezielten Beteiligungs- und Kommunikationsformaten werden unbeteiligte Mitarbeiter:innen oder von einem Innovationsprojekt negativ Betroffene integriert und können ihre Sichtweise konstruktiv einfließen lassen.
3. Wenn Strukturen und Ressourcen fehlen
Viele Innovationsprojekte scheitern nicht an der Idee, sondern an den mangelhaften Strukturen. Die Rollen sind unklar, das Ziel schwammig, der Zeitplan unrealistisch. Viele reden punktuell mit, wenige bringen es aktiv voran. Die Folge ist nicht selten ein Projekt, das kaum voran kommt, da Kosten, Spezifikationen und Ressourcen aus dem Ruder laufen. Besonders kritisch wird es, wenn die Innovationseinheit formal vorhanden, aber informell von allen Seiten beeinflusst wird. Das führt zu einem schleichenden Kontrollverlust – inhaltlich wie finanziell.
Außerdem fehlen oft realistische Vorstellungen, wie viel eine Neuentwicklung kostet. Unternehmen stellen, wenn es hoch kommt, Personalressourcen frei – jeder weitere Euro ist ein zäher Überzeugungsprozess. Durch sich verändernde Erwartungshaltungen, Interessenskonflikte der Stakeholder und nachträgliche Änderungen und Add-Ons läuft das fehlende Budget aus dem Ruder. Wem gibt man dann die Schuld? Meist der Idee oder dem Innovationsteam. Dabei hatten sie so von vornherein keine Chance auf Erfolg.
Hier helfen eine klare Rollenverteilung, definierte Entscheidungswege, gezielte Feedbackformate mit klarem Timing. Wann will man worauf von wem Feedback? Außerdem sollte ein enges Erwartungsmanagement betrieben werden: Was kann das Innovationsprojekt lösen – und was nicht? Vor Beginn des Innovationsprojekts sollten Mittel zur Verfügung gestellt werden – das hilft auch, den Umfang besser zu bestimmen. Fast schon Wunder wirkt es, Innovationsteam und Kostenverantwortliche von Anfang an eng zu verbinden – mit der Ansage, an einem Strang zu ziehen und Wege zum Erfolg zu suchen. Mit einer regelmäßigen Überprüfung des Budgets und dem gemeinsamen Abwägen kann man sich Schritt für Schritt vortasten.
4. Niemand hat auf die Innovation gewartet
Es ist verhängnisvoll zu glauben, eine gute Idee sei ein Selbstläufer. Dabei werden externe Kommunikation und Bewerbung oft als letzte Phase verstanden statt als Teil des Projekts. Die meisten Innovationsprojekte sind nach Fertigstellung weder große Erfolge noch klare Flops. Dann laufen sie Gefahr, in der Mittelmäßigkeit vor sich hinzudümpeln.
Das hilft: Wichtig ist zum einen Kommunikations- und Marketingaktivitäten direkt mitzudenken und einen klaren Zeitplan für die Marktetablierung. Zum anderen sollten intern nicht nur über Erfolgsfaktoren, sondern auch über Misserfolgsfaktoren gesprochen werden. Wann hören wir auf? Und Räume schaffen, damit Lehren auch in die Kommunen zurückfließen können.
Marina Schakarian berät Organisationen, Teams und Führungskräfte bei der digitalen Transformation und strategischen Neuausrichtung. Früher Redaktionsleiterin und Formatentwicklerin, arbeitet sie heute mit öffentlich-rechtlichen Medienhäusern, kommunalen Einrichtungen und Unternehmen. Sie schreibt auch regelmässig über praxisnahe Impulse und Methoden für eine bessere Führungskultur und Zusammenarbeit.
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