Software Defined Vehicle : Bereit für die KI-definierte Ära
Indische Ingenieure können viel zur Entwicklung von KI-definierten Autos beitragen – vom Architekturentwurf über das Platform Engineering bis zur Systemintegration. Unternehmen wie Renault und Bosch machen davon bereits Gebrauch. Auch deutsche Autohersteller könnten ihre Stärken mit denen der indischen Spezialisten kombinieren.
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Die deutsche Automobilindustrie gilt seit jeher als globaler Maßstab für ingenieurtechnische Exzellenz. Auf dem Weg zum Software Defined Vehicle und zunehmend zum KI-definierten Fahrzeug liegt die eigentliche Chance darin, diese Stärken durch neue Ansätze in der Software- und Produktentwicklung weiterzuführen. Software und KI bestimmen heute Tempo, Differenzierung und Wertschöpfung im Automobilbau. Entsprechend müssen auch die Entwicklungsmodelle Schritt halten.
Branchenweit haben die Bemühungen um den Aufbau großer, eigener Softwareplattformen gezeigt, wie strategisch bedeutsam und zugleich komplex diese Transformation ist. Viele Autohersteller (OEMs) sehen sich beim Ausbau interner Softwarekompetenz mit Verzögerungen, Kostenüberschreitungen und Integrationsherausforderungen konfrontiert.
Beim Volkswagen-Konzern etwa musste die Software-Tochter Cariad die Entwicklung zentraler Fahrzeugplattformen mehrfach verschieben und neu aufstellen. Zugleich setzt sich die Erkenntnis durch, dass Projekte oft schneller und reibungsloser gelingen, wenn Hersteller ihre eigene Entwicklung gezielt mit externen Technologiepartnern verbinden, statt alles im eigenen Haus aufzubauen. Die übergeordnete Lehre: Im Software- und zunehmend KI-Zeitalter hängt der Wettbewerbsvorteil nicht allein vom Eigenbesitz ab, sondern ebenso vom Zugang zu den richtigen Fähigkeiten in der richtigen Größenordnung.
Mehr Code, kürzere Entwicklungszyklen
Mit der Weiterentwicklung der Fahrzeugarchitekturen steigt auch die technische Komplexität. Bosch schätzt, dass Fahrzeuge der nächsten Generation bis zu 500 Millionen Codezeilen umfassen könnten – gegenüber rund zehn Millionen im Jahr 2010.
Gleichzeitig verkürzt vor allem der Wettbewerbsdruck aus China die Entwicklungszyklen: Chinesische Hersteller gelangen teils in rund 24 Monaten vom Konzept zur Markteinführung, während etablierte Anbieter weiterhin in Zyklen von 40 bis 50 Monaten arbeiten. Dieses Gefälle verdeutlicht, dass Entwicklungsansätze neu gedacht werden müssen – nicht als Bruch mit bewährten Stärken, sondern als Weg, um wirksamer auf neue technologische Anforderungen zu reagieren.
Die nächste Stufe dieser Entwicklung ist das KI-definierte Fahrzeug. Anders als klassische softwaredefinierte Systeme, die vor allem auf programmierbaren Funktionen beruhen, sind diese Fahrzeuge darauf ausgelegt, intelligent zu reagieren: Sie lernen aus Daten, passen sich dem Kontext an und unterstützen Entscheidungen in Echtzeit – beim Fahren, bei der Sicherheit und beim Nutzererlebnis.
So entsteht ein geschlossener Intelligenzkreislauf über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus, in dem Betriebsdaten in KI-Modelle einfließen und Modellverbesserungen wiederum die Fahrzeugleistung erhöhen. In diesem Paradigma wird KI zu einer zentralen Differenzierungsquelle für OEMs – sie ermöglicht höhere Autonomiegrade, vorausschauende Funktionen und stärker personalisierte Erlebnisse im Innenraum. Fahrzeuge werden so zunehmend zu adaptiven, software- und datengetriebenen Mobilitätsplattformen.
Talente und Skalierung: Innovationsnetzwerk erweitern
Eine der strukturellen Herausforderungen dieser Transformation ist die Verfügbarkeit von Fachkräften. In Deutschland sind derzeit rund 109.000 Technologiestellen unbesetzt, wobei viele Vakanzen über mehrere Monate offen bleiben. Demografische Entwicklungen – eine alternde Erwerbsbevölkerung und sinkende Geburtenraten – verstärken die Notwendigkeit, auf einen breiteren, globalen Talentpool zuzugreifen. Zugleich erstreckt sich der Wettbewerb um digitale Talente über alle Branchen hinweg, einschließlich führender Technologiekonzerne und aufstrebender KI-Unternehmen.
In diesem Zusammenhang sticht Indien nicht allein durch seine Kostenvorteile hervor, sondern durch die Reife und Größe seines Technologieökosystems. Das Land bringt jährlich rund 2,5 Millionen MINT-Absolventen hervor und beheimatet mehr als 17 Millionen Softwareentwicklerinnen und -entwickler – eine der größten Entwicklergemeinschaften der Welt. In globalen KI-Rankings zählt Indien durchgängig zu den drei führenden KI-Ökosystemen.
Diese Tiefe gewinnt im Zeitalter KI-definierter Fahrzeuge besondere Bedeutung, denn lernbasierte Systeme erfordern dauerhaften Zugang zu Fachkräften in den Bereichen KI, Data Engineering und Plattformentwicklung. Das bedeutet keine Abkehr von etablierten Kompetenzzentren, sondern verweist auf ein stärker verteiltes, regionenübergreifendes Innovationsmodell.
Von der Ausführung zur Mitgestaltung
Entsprechend wandeln sich die Partnerschaftsmodelle, denn indische Ingenieure tragen zunehmend über den gesamten Lebenszyklus der Software- und KI-Entwicklung bei – vom Architekturentwurf über das Platform Engineering bis zur Systemintegration. Beispiele wie die Wahl von KPIT als strategischem Technologiepartner der Renault Group für das Software-Defined-Vehicle-Programm der nächsten Generation sowie die umfangreichen Software-Engineering-Aktivitäten von Bosch in Indien über Bosch Global Software Technologies zeigen, wie eng globale Entwicklungsmodelle inzwischen verzahnt sind.
Heute betreiben mehr als 1700 Global Capability Centres (GCCs) Standorte in Indien und beschäftigen dort nahezu zwei Millionen Fachkräfte in Engineering, Forschung und Entwicklung sowie Innovationsfunktionen. Darin zeigt sich der Wandel von transaktionaler Zusammenarbeit hin zu langfristigen Kooperationsmodellen, in denen Partner gemeinsam komplexe Engineering-Herausforderungen lösen – auch jene rund um KI-gestützte Systeme.
Die deutschen Stärken bleiben das Fundament
Die deutsche Automobilbranche führt weiterhin in ingenieurtechnischer Tiefe, Systemintegration und Produktexzellenz. Diese Stärken bleiben das Fundament. Während sich die Branche wandelt, geht es darum, sie durch skalierbare, software- und KI-zentrierte Fähigkeiten in globaler Zusammenarbeit zu ergänzen.
In diesem Sinne geht es bei Partnerschaften mit Technologieökosystemen wie Indien nicht um Ersatz, sondern um Verstärkung – um das Zusammenführen von Stärken, um Innovation zu beschleunigen. Die Zukunft der Automobilindustrie entscheidet sich nicht allein daran, wo Software oder KI entwickelt wird, sondern daran, wie wirksam Ökosysteme zusammenarbeiten, um Architekturen, Modelle und Erlebnisse zu gestalten.
Wer dieses kollaborative Modell annimmt, ist bestens aufgestellt, um die nächste Phase der Mobilitätstransformation anzuführen und ingenieurtechnische Exzellenz mit globalen Innovationsnetzwerken zu verbinden, um intelligente, adaptive und zukunftsfähige Fahrzeuge zu realisieren.
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