Deutschlandticket : Der Bund muss seine Hausaufgaben machen
Das Deutschlandticket belastet Brandenburgs Haushalt und verstärkt die Kluft zwischen Stadt und Land. Dabei hat das Ticket das Potenzial, den ÖPNV zu vereinfachen und Klimaziele zu unterstützen. Der Bund muss die Finanzierung überdenken, um eine gerechte Mobilität zu gewährleisten.
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Das Deutschlandticket wurde als „Quantensprung für die Verkehrswende“ gefeiert, doch in Brandenburg stellt sich aktuell genau das Gegenteil ein. Während das Land jährlich 27 Millionen Euro für das Ticket bereitstellt, musste der Verkehrsminister gleichzeitig Bahnlinien einstellen und Fahrleistungen ausdünnen.
Dies traf vor allem den ländlichen Raum und schafft neue Ungerechtigkeiten: Stadtbewohner profitieren von günstigen Tickets und guten Verbindungen, während ländliche Bewohner zunehmend abgehängt werden.
Doch der Bund scheint sich weiterhin darauf zu konzentrieren, den Preis des Deutschlandtickets so niedrig wie möglich halten zu wollen, anstatt die Länder in die Lage zu versetzen, mehr Angebote auf die Schiene zu bringen.
Brandenburgs Haushalt steht unter erheblichen Druck
Wäre es also nicht viel sinnvoller, unsere begrenzten finanziellen Mittel stärker für den Ausbau der Infrastruktur im ganzen Land einzusetzen, anstatt fortlaufend ein Ticket zu subventionieren, das weite Teile Brandenburgs nicht gerecht bedient?
Brandenburgs jährliche Beteiligung von 27 Millionen Euro am Deutschlandticket ist eine erhebliche Belastung. Die vom Bund und den Ländern zugesagten drei Milliarden Euro reichen auch laut Fachverbänden wie dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) „dauerhaft nicht aus, um den Verlust der Branche auszugleichen“. Die Finanzierungszusage des Bundes ist zudem nur kurzfristig gesichert, was weitere Planungsunsicherheiten schafft.
Kommunen kritisieren darüber hinaus „faktische Mittelkürzungen“ durch den Bund, der Regionalisierungsmittel einbehält und erst später auszahlt. Dies zwingt Länder und Kommunen in eine Vorfinanzierungsrolle und verschärft Defizite.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) stellte kürzlich zu Recht klar: „Wir Länder sind nicht der Dispokredit des Bundes!“. Die zusätzlichen finanziellen Lasten gefährden am Ende die Stabilität des regionalen ÖPNV, und das führt letztlich zu Leistungskürzungen.
Der ländliche Raum bleibt abgehängt
Das Deutschlandticket kommt hauptsächlich Stadtbewohnern zugute. In Brandenburgs ländlichen Gebieten, wo „oftmals kein Bus und kein Zug hält“, ist der Nutzen jedoch begrenzt. Der finanzielle Druck führt zu Leistungskürzungen, die den ländlichen Raum am härtesten treffen. Ein Beispiel sind die aktuellen Sparpläne des brandenburgischen Verkehrsministeriums. Um fünf Millionen Euro einzusparen, werden Verbindungen in den Randzeiten und an Wochenenden abbestellt.
Die Verbindung der Heidekrautbahn (RB27) von Berlin nach Schmachtenhagen (Oranienburg) ist hier nur ein Beispiel. Sie wird zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 gleich ganz eingestellt. Dies zwingt Pendlerinnen und Pendler, künftig mehr auf das Auto angewiesen zu sein, was den Zielen des Tickets widerspricht.
Wenn der Bund das ÖPNV-System also nicht ausreichend finanziert, werden Länder zu Kürzungen gezwungen, die ländliche Gebiete überproportional betreffen. Dies macht das Deutschlandticket für ländliche Bewohner noch unattraktiver und verstärkt die Autoabhängigkeit. Das Ticket, das als sozial gerecht beworben wird, vergrößert die Kluft zwischen Stadt und Land also noch mehr.
Das Deutschlandticket als Chance – wenn der Bund liefert
Das Deutschlandticket hat Potenzial, den ÖPNV zu vereinfachen und Klimaziele zu unterstützen. Die Mehrheit der Brandenburger wünscht seine Fortführung. Doch die derzeitige Umsetzung ist fehlerhaft, schafft finanzielle Instabilität und verschärft die Mobilitätslücke im ländlichen Raum.
Der Bund muss dringend seinen Ansatz ändern: durch verlässliche Finanzierung, gerechte Lastenverteilung, Investitionen in den ländlichen Raum. Brandenburg ist bereit, seinen Anteil zu leisten, aber wir können keine Situation akzeptieren, in der unser Haushalt strapaziert und unsere ländlichen Gemeinden abgehängt werden. Es ist höchste Zeit, dass Zusagen erfüllt und die finanziellen Mittel für eine gerechte und nachhaltige Mobilitätszukunft im ganzen Land gelegt werden.
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