Bio-LNG in der Logistik : Ein Antrieb, der funktioniert – und eine Regulierung, die ihn verteuert
Die Kraftstoffpreise erreichen derzeit Höchststände, die viele Unternehmen im Transportsektor erheblich unter Druck setzen. Gleichzeitig wächst der politische Anspruch, Emissionen im Verkehr deutlich zu reduzieren. Gerade in dieser Situation wäre es entscheidend, funktionierende und bezahlbare Alternativen zu stärken. Doch ausgerechnet dort, wo solche Lösungen bereits erfolgreich umgesetzt werden, setzt die aktuelle Regulierung falsche Anreize.
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Die Edeka Minden-Hannover hat hinsichtlich ihres Fuhrparks in den vergangenen Jahren einen umfassenden Transformationsprozess angestoßen. Als umsatzstärkste Regionalgesellschaft des Edeka-Verbunds, deren Geschäftsgebiet sich von der niederländischen bis zur polnischen Grenze durchzieht und über 1500 Märkte umfasst, stellen wir aktuell unsere gesamte Lkw-Flotte – rund 650 Fahrzeuge – auf Bio‑LNG um. Schon heute sind 550 Lkw mit dem Kraftstoff ReeFuel unterwegs, der aus grünem Wasserstoff und Biomethan aus zertifizierten Abfallprozessen gewonnen wird. In der Gesamtbetrachtung wird dabei CO2 aus der Atmosphäre entnommen, statt zusätzliches CO2 zu emittieren. Die jährliche Einsparung beträgt künftig bis zu 45.000 Tonnen CO2 – ein Wert, der den Emissionen einer Kleinstadt entspricht.
Entlastung der Städte, Chance für klimafreundlichen Verkehr
Die Entscheidung für Bio‑LNG war das Ergebnis einer umfassenden Analyse verschiedener Antriebsoptionen. Batterieelektrische Lkw scheitern derzeit nicht nur an den für unsere Strecken zu kurzen Laufwegen, sondern auch an fehlenden Stromkapazitäten: An vielen Standorten könnten im Schnitt kaum mehr als zehn Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden. Wasserstoff-Lkw sind kaum verfügbar. Bio‑LNG hingegen bietet dieselähnliche Reichweiten, kurze Betankungszeiten und ist sofort skalierbar. Zudem basiert der Kraftstoff ausschließlich auf Abfall- und Reststoffen – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch und ohne den üblichen Tank‑Teller‑Konflikt.
Ein weiterer Vorteil, der in der öffentlichen Debatte oft zu kurz kommt, betrifft die Städte. Lieferverkehre sind dort unverzichtbar, gleichzeitig aber eine Belastung für die Luftqualität. Bio‑LNG‑Fahrzeuge sind nicht nur leiser, sie stoßen auch deutlich weniger Feinstaub und Stickoxide aus als dieselbetriebene Lkw. Das entlastet insbesondere dicht besiedelte Gebiete, in denen Einwohner bereits heute unter hohen Schadstoffwerten leiden. Die Umstellung auf Bio‑LNG verbessert somit nicht nur die Klimabilanz, sondern auch die Lebensqualität in urbanen Räumen – ein Effekt, der angesichts steigender Belastungen an Bedeutung gewinnt.
Eigene Bio-LNG-Tankstellen an den Logistikstandorten
Parallel zur Flottenumstellung haben wir die Infrastruktur bei der Edeka Minden-Hannover aufgebaut: Alle sechs Logistikstandorte der Regionalgesellschaft in Lauenau (Niedersachsen), Wiefelstede (Niedersachsen), Osterweddingen (Sachsen-Anhalt), Landsberg (Sachsen-Anhalt), Mittenwalde (Brandenburg) und Freienbrink (Brandenburg) verfügen inzwischen über eigene Bio‑LNG‑Tankstellen. Ergänzend steht ein bundesweites öffentliches LNG‑Netz zur Verfügung. Insgesamt haben wir als Unternehmen rund 200 Millionen Euro in Fahrzeuge und Infrastruktur investiert – ein langfristiges Bekenntnis zu einer modernen, verantwortungsvollen Lieferlogistik.
Umso schwerer wiegt die Tatsache, dass die seit Dezember 2023 um eine CO2-Komponente angepasste Lkw-Maut diese realen Einsparungen nicht berücksichtigt. Obwohl der eingesetzte Bio‑LNG‑Kraftstoff nach EU‑Regelwerk zu den Kraftstoffen mit einem bilanziellen Emissionswert von null zählt – seine Nutzung also keine zusätzlichen Treibhausgase verursacht – werden Bio‑LNG‑Lkw wie Diesel-Fahrzeuge behandelt. Für die Edeka Minden-Hannover bedeutet das jährliche Mehrkosten von rund acht Millionen Euro – allein dafür, dass ein emissionsärmerer Kraftstoff genutzt wird. Die Maut ignoriert damit nicht nur die tatsächliche Umweltwirkung, sondern setzt auch ein widersprüchliches Signal an Unternehmen, die in nachhaltige Technologien investieren.
Politische Fehlstellung in der CO2-Maut
Diese Ausgestaltung widerspricht dem erklärten politischen Ziel, den Schwerlastverkehr zu dekarbonisieren. Sie bevorzugt Technologien, die noch nicht flächendeckend verfügbar sind, und benachteiligt Lösungen, die heute bereits nachweislich Emissionen reduzieren. Eine emissionsbasierte Maut, die tatsächliche CO2‑Vermeidung berücksichtigt, wäre rechtlich möglich und klimapolitisch sinnvoll. Sie würde Unternehmen motivieren, bestehende Potenziale zu nutzen, statt sie durch zusätzliche Kosten auszubremsen.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie innovationshemmend Regulierung wirken kann, wenn sie technologische Realität nicht abbildet. Unternehmen sind bereit, erhebliche Investitionen zu tätigen – vorausgesetzt, der politische Rahmen unterstützt funktionierende Lösungen. Bio‑LNG ist kein alleiniger Weg, aber ein sofort wirksamer Hebel für die Transformation des Schwerlastverkehrs. Die Verkehrswende wird nur gelingen, wenn alle verfügbaren klimafreundlichen Technologien berücksichtigt werden und Regulierung nicht an theoretischen Idealbildern, sondern an praktischen Ergebnissen ausgerichtet ist.
Die Edeka Minden-Hannover hat gezeigt, dass ein moderner, emissionsarmer Lieferverkehr heute machbar ist – technisch, wirtschaftlich und im laufenden Betrieb. Nun braucht es politische Entscheidungen, die solche Vorreiter nicht ausbremsen, sondern stärken. Denn jede eingesparte Tonne CO2 zählt – und 45.000 Tonnen pro Jahr erst recht.
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