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Fahrradkommunalkonferenz Düsseldorf : Radverkehr braucht mehr als neue Radwege

Stephan Keller
Stephan Keller (CDU), Oberbürgermeister von Düsseldorf Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf

Wie die Stadt Düsseldorf in zwölf Jahren den Radverkehr neu aufgestellt hat – und warum der Wandel in den Köpfen und Verwaltungen genauso wichtig ist wie auf der Straße.

von Stephan Keller, Stadt Düsseldorf

veröffentlicht am

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Wer den Radverkehr in einer Großstadt voranbringen will, braucht einen langen Atem. Einzelne neue Radwege reichen nicht aus. Entscheidend ist ein zusammenhängendes Netz, das die Menschen im Alltag sicher und bequem nutzen können. Und eine Verkehrsplanung, in der das Fahrrad dauerhaft mitgedacht wird.

In Düsseldorf arbeiten wir seit mehr als zwölf Jahren daran. Als ich 2014 Verkehrsdezernent unserer Stadt war, gab es bereits gute Radwege, engagierte Menschen und viele Ideen. Was fehlte, war ein durchgängiges Netz. Radwege endeten unvermittelt, Verbindungen zwischen Stadtteilen waren lückenhaft, die Qualität sehr unterschiedlich. Uns wurde klar: Einzelne Verbesserungen würden nicht ausreichen.

Deshalb haben wir 2014 das Radhauptnetz beschlossen. Es bildet bis heute das Rückgrat unserer Radverkehrsplanung. Mehr als 300 Kilometer und rund 700 Einzelmaßnahmen zeigen die Größe der Aufgabe. Wir schließen Netzlücken, verbessern bestehende Wege und schaffen neue Verbindungen.

Vom einzelnen Radweg zur verlässlichen Verbindung

Mit dem 2021 beschlossenen Konzept der Radleitrouten haben wir unsere Ansprüche weiter erhöht. Auf besonders wichtigen Strecken sollen Radfahrende möglichst durchgängig, komfortabel und sicher unterwegs sein können – auch über längere Entfernungen innerhalb der Stadt. Dabei geht es nicht allein um zusätzliche Kilometer. Es geht um die Qualität der Wege. Wer zur Arbeit fährt, Kinder zur Schule begleitet oder Besorgungen erledigt, möchte nicht an jeder zweiten Kreuzung vor neuen Hindernissen stehen. Gute Radverkehrsplanung muss deshalb vom gesamten Weg der Menschen ausgehen.

Das verlangt auch ein Umdenken in der Verwaltung. Früher wurde der Radverkehr bei vielen Vorhaben als nebensächlich betrachtet. Heute gehört die Frage nach einer guten Radverkehrsführung von Anfang an zur Planung. Aus einem Radverkehrsbeauftragten ist inzwischen eine eigenständige Fachabteilung für Radverkehrsplanung geworden.

2022 haben wir zudem ein gesamtstädtisches Programm zur Radverkehrsförderung gestartet. Es verbindet den Ausbau der Wege mit Verkehrssicherheit, Service, Kommunikation und dem Ziel, Menschen für das Fahrrad zu gewinnen. Diese Veränderung der Arbeitsweise halte ich für mindestens ebenso wichtig wie einzelne Bauprojekte. Denn wer den Radverkehr dauerhaft stärken will, muss ihn zur festen Aufgabe der gesamten Verkehrsplanung machen.

Sicherheit entscheidet über den Erfolg

Ob Menschen regelmäßig Fahrrad fahren, hängt wesentlich davon ab, ob sie sich sicher fühlen. Das gilt für Kinder ebenso wie für ältere Menschen oder diejenigen, die bislang nur selten aufs Rad steigen. Deshalb setzen wir unter anderem auf geschützte Radfahrstreifen, etwa an der Hansaallee, der Karlsruher Straße und auf der Straße Auf'm Hennekamp. Sie verringern Konflikte mit dem Autoverkehr und schaffen Orientierung.

Wichtig ist uns, die Wirkung unserer Maßnahmen zu überprüfen. Am Düsseldorfer Lastring haben wir an 13 Kreuzungen Radverkehrsfurten rot eingefärbt und die Auswirkungen wissenschaftlich untersuchen lassen. Das Ergebnis: Die Zahl kritischer Konflikte ging um 57 Prozent zurück. Auch die Bewertung der Sicherheit verbesserte sich. Solche Erkenntnisse helfen uns, Maßnahmen gezielt weiterzuentwickeln.

Veränderungen brauchen Entscheidungen und offene Gespräche

Wer Straßen in einer gewachsenen Großstadt umbaut, verteilt knappen Raum neu. Das führt zwangsläufig zu Diskussionen. Auf der Luegallee in Oberkassel haben wir die Straßenaufteilung zugunsten des Radverkehrs verändert. Dabei wurde intensiv über Parkplätze, die Erreichbarkeit von Geschäften und die Leistungsfähigkeit der Straße gestritten.

Solche Auseinandersetzungen gehören dazu. Entscheidend ist, wie Politik und Verwaltung damit umgehen. Wir müssen erklären, welche Ziele wir verfolgen, Alternativen prüfen und die Erfahrungen der Menschen vor Ort ernst nehmen. Nicht jeder Konflikt lässt sich auflösen. Aber Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein, und wir müssen bereit bleiben, aus der praktischen Umsetzung zu lernen.

Dabei dürfen wir die Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausspielen. Düsseldorf ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Unsere Stadt braucht einen leistungsfähigen Nahverkehr, ein funktionierendes Straßennetz und gute Bedingungen für den Liefer- und Wirtschaftsverkehr. Unser Ziel ist nicht, den Menschen ein Verkehrsmittel vorzuschreiben. Wir wollen ihnen echte Wahlmöglichkeiten bieten. Dazu gehören neben guten Radwegen auch sichere Abstellmöglichkeiten, die Verknüpfung mit Bus und Bahn sowie Angebote wie das neue Fahrradverleihsystem Düssel Bike.

Die Zahlen zeigen: Der eingeschlagene Weg wirkt

2013 wurden in Düsseldorf zwölf Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Inzwischen sind es 18 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil des Autoverkehrs von 40 auf 30 Prozent gesunken. Rund 70 Prozent aller Wege werden heute zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt.

Diese Entwicklung bestärkt uns darin, weiterzumachen. Sie zeigt zugleich, wie wichtig langfristige politische Entscheidungen und verlässliche Strukturen sind. Der Umbau einer Stadt braucht Zeit, Beständigkeit und die Bereitschaft, auch schwierige Vorhaben umzusetzen.

Wir wollen unser Radhauptnetz vervollständigen, die Radleitrouten ausbauen und Verkehrsmittel noch besser miteinander verbinden. Digitale Möglichkeiten sollen helfen, Verkehrsabläufe zu verstehen und Planungen auf bessere Daten zu stützen.

Allerdings brauchen die Kommunen dafür Unterstützung. Ausreichende finanzielle Mittel, qualifiziertes Personal, geeignete rechtliche Rahmenbedingungen und verlässliche Zusagen von Bund und Ländern sind entscheidend. Gerade angesichts angespannter kommunaler Haushalte dürfen Städte mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden.

Am Ende geht es nicht um das Fahrrad allein. Es geht um eine Stadt, in der Menschen sicher, bequem und selbstbestimmt unterwegs sein können. Eine Stadt, die erreichbar bleibt und lebenswerter wird. Dafür lohnt sich ein langer Atem.

Stephan Keller ist Redner auf der am heutigen Dienstag beginnenden 20. Fahrradkommunalkonferenz in Düsseldorf. Sie gilt als wichtigste Radverkehrskonferenz auf kommunaler Ebene in Deutschland.

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