Jobtickets : Wirtschaftsstandort stärken, Beschäftigte entlasten – das Deutschlandticket kann beides
Das Deutschlandticket erhält Planungssicherheit bis 2030. Die langfristige Perspektive führt bereits zu steigenden Verkaufszahlen beim Deutschlandticket Job, das besonders für die 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten attraktiv werden soll. Der Einstieg könnte im Rahmen von Tarifverträgen und im Kontext von Mobilitätsbudgets geschehen.
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Wir erinnern uns: Nach dem Ansturm auf das 9-Euro-Ticket im Sommer 2022 erfand die vorherige Bundesregierung im Anschluss das Deutschlandticket. Damit es schnell starten konnte, wurden viele wichtige Details nicht geklärt, der Preis eher politisch als an den realen Kosten der Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde festgelegt und eine Lösung für Studierende auf die lange Bank geschoben.
Besonders schädlich für die Akzeptanz des Tickets und für die Bereitschaft der potenziellen Kundinnen und Kunden: Eine langfristige Perspektive für das Ticket gab es nicht. Der damalige Bundesverkehrsminister argumentierte, dass es ihm gesetzlich nicht möglich sei, über das Ende der Legislaturperiode hinaus Festlegungen im Regionalisierungsgesetz – das den Anteil des Bundes an der Finanzierung des Tickets regelt – zu treffen.
Ende 2024 – nach dem Bruch der Ampelkoalition – einigten sich CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen noch auf eine Übergangslösung für 2025. Mit Beginn der neuen schwarz-roten Koalition im Mai 2025 gibt es inzwischen, in gemeinsamer Anstrengung von Bund und Ländern, eine Planungssicherheit für die Fahrgäste und Verkehrsunternehmen bis 2030.
Arbeitgeber lassen sich (noch) nicht auf Deutschlandticket ein
Diese Planungssicherheit ist gerade auch für die rund 14 Millionen Fahrgäste wichtig, die aktuell Monat für Monat das Deutschlandticket kaufen. Sie ist ebenso entscheidend für all jene, die bislang trotz des Deutschlandtickets den Einstieg in den ÖPNV noch nicht gefunden haben. Denn das bundesweite Ticket hat nicht nur zum Ziel, für bestehende Kundinnen und Kunden preislich attraktiv zu sein, sondern auch, wirklich neue Fahrgäste für die öffentliche Mobilität in Deutschland zu gewinnen.
Laut Statistischem Bundesamt gab es 2024 fast 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Diese Zahl zeigt eindrucksvoll das Potenzial einer wesentlichen Zielgruppe des Deutschlandtickets: die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im ganzen Land. Deshalb ist das Deutschlandticket Job so wichtig. Die permanente Unruhe um die Fortführung des Deutschlandtickets seit seiner Einführung drückt sich auch in den Absatzzahlen zur Job-Variante aus: Während das Angebot bei Schülern und Studierenden im Verkauf erst stark stieg und sich dann auf hohem Niveau stabilisierte, ist die Anzahl der Jobtickets weiterhin deutlich zu gering.
Offensichtlich wollten sich bisher weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer auf etwas einlassen, von dem man nicht sicher wusste, wie lange es dieses Angebot überhaupt gibt. Denn: Unsicherheit schafft kein Vertrauen. Weder bei den auf ein verlässliches Angebot angewiesenen Berufspendlerinnen und -pendlern noch in den zuständigen Personalabteilungen der Unternehmen.
Planungssicherheit bis 2030 könnte helfen
Das ist nun vorbei. Bis 2030 gibt es das Ticket mindestens. Und es gibt bereits erste positive Effekte dieser neuen Planungssicherheit: Beim Deutschlandticket Job sind die Einnahmen seit Anfang 2024 bis einschließlich September 2025 um insgesamt 47 Prozent gestiegen (inklusive der Preiserhöhung zu Beginn des Jahres 2025). Beim regulären D-Ticket betrug der Anstieg nur rund 33 Prozent. Die Stückzahlen bei der Jobticket-Variante sind um 24 Prozent im genannten Zeitraum gestiegen, während die Stückzahlen beim regulären D-Ticket im selben Zeitraum nur um zwölf Prozent gestiegen sind. Es geht also aufwärts beim Deutschlandticket Job – allerdings ist noch Luft nach oben.
Bund und Länder haben eine notwendige Preiserhöhung zum 1. Januar 2026 und Grundzüge eines eigenen Preisindex ab 2027 beschlossen, der mit der Frühjahrstagung der Verkehrsministerkonferenz detailliert beschlossen werden soll. Die Preiserhöhung 2026 macht auch das Deutschlandticket Job teurer, durch den weiterhin bestehenden Rabatt bei dieser Variante bleibt es aber auch zugleich preislich attraktiv. Noch ist nicht absehbar, wie die Kundenreaktion auf diese Erhöhung ausfallen wird. Die Prognose ist, dass durch die Sicherheit bis 2030 nun Unternehmen jeder Größe und ihre Beschäftigten in das Ticket einsteigen.
Dies soll auch im Rahmen von Tarifverträgen und im Kontext der Möglichkeit von Mobilitätsbudgets geschehen können. Bei letzterem bleibt das Bundesministerium der Finanzen gefordert, in dieser Legislaturperiode einen mehrheitsfähigen Vorschlag zu unterbreiten. Tarifautonomie ist wichtig. Deshalb können Politik und Branche bei den Tarifparteien für den „Verhandlungsgegenstand Deutschlandticket“ nur mit mehrjähriger Gewissheit werben. Das gilt für die öffentlichen Tarifparteien genauso wie für die privaten.
Mit der Elektro- und Informationstechnischen Industrie in Nordrhein-Westfalen gibt es nun ein erstes Beispiel für einen Tarifvertrag mit Deutschlandticket für die Auszubildenden ab 2026. Aus diesem Beispiel können andere Tarifpartner lernen: Es braucht auch für Auszubildende – neben Schülern und Studierenden – ein preislich attraktives Deutschlandticketangebot. Gerade Auszubildende sind häufig auf den ÖPNV angewiesen und können dadurch die Vorteile eines bundesweit gültigen Nahverkehrstickets unmittelbar – und im doppelten Sinne – erfahren.
Die Mittel sind begrenzt
Öffentliche Mobilität ist Teil der Daseinsvorsorge, erbracht von kommunalen und bundeseigenen, mittelständischen und privaten Unternehmen auf der Schiene und Straße. Politik und Branche arbeiten intensiv daran, dieses Angebot durch mehr Investitionen in Infrastruktur und Angebot zu verbessern. Denn Bürgerinnen und Bürger haben den Anspruch, dass unser Land funktioniert. Investitionen in die öffentliche Mobilität stärken nachweislich den Wirtschaftsstandort Deutschland und die lokale Wirtschaft. Jeder in den ÖPNV investierte Euro bringt bis zu drei Euro Mehrwert.
Das Deutschlandticket zeigt: Der Bund leistet, im Rahmen seiner verfassungsrechtlichen Kompetenzen, einen Beitrag zu einem besseren ÖPNV in ganz Deutschland. Die Möglichkeiten sind dabei auch haushalterisch begrenzt. Die aktuelle Debatte um die Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und den Modernisierungspakt ÖPNV zeigt das.
Deshalb müssen mehr Einnahmen durch das Deutschlandticket generiert werden – unterstützt durch eine gemeinsame Offensive der Branche, des Bundes und der Länder. Der Fokus sollte dabei ganz klar auf dem Deutschlandticket Job liegen. Denn dies hilft dem Wirtschaftsstandort Deutschland doppelt: durch ein gutes Mobilitätsangebot für Berufspendlerinnen und -pendler. Und durch eine erhöhte (lokale) Wertschöpfung.
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