Wirkungsorientierte Verwaltung : Das crazy! Warum sich junge Menschen dafür interessieren (sollten) wie Verwaltung funktioniert
Verwaltungstransformation ist für viele junge Menschen ein fernes Expert:innenthema. Dabei entscheidet sie darüber, ob staatliches Handeln wirksam wird. Gefordert sind mehr Transparenz und überprüfbare Ziele, damit Erfolge wie Fehlentwicklungen gleichermaßen offenliegen.
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Wirkungs-What? Wirkungsorientierung bedeutet, dass Politik und Verwaltung sich daran messen, was sie verändern, nicht nur daran, was sie tun. Wirkungsorientierung verlangt Hypothesen vor dem Start, klare Zielgruppen und überprüfbare Indikatoren. Erst dann lässt sich zeigen, ob eine staatliche Maßnahme (beispielsweise ein Förderprogramm, IT-Projekt oder Gesetzesvorhaben) tatsächlich Wirkung für die Zielgruppe entfaltet. Die Leitfragen sind nüchtern:
- Was genau soll sich für wen bis wann verbessern?
- Werden die Stimmen der Betroffenen gehört?
- An welchen Datenpunkten wird festgemacht, ob sich wirklich etwas verändert?
- Und welche Daten gibt es bereits?
Die Theorie wirkt trivial; die Praxis ist es nicht. Im Politik- und Verwaltungsalltag kollidieren Zuständigkeiten, Interessen und Datenstandards. Wenn Politik unbekannt ist, was funktioniert und was nicht, wird sie nicht besser. Deshalb braucht es eine Lernkultur in den Amtsstuben.
Wie ist der Stand der Datenlage, die es zum Lernen braucht?
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat angekündigt, seine Ziele regelmäßig zu überprüfen und politisches Handeln evidenzbasiert weiterzuentwickeln – sprich, wirkungsorientiert vorzugehen. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Hierbei hilft ein praxistaugliches Indikatorenset, das digitalpolitische Ziele strukturiert und messbar macht. Damit können Politik und Verwaltung bei der Formulierung wirkungsorientierter Ziele, der Evaluierung und der steuerungsrelevanten Nachjustierung unterstützt werden.
Aber: Wer sich ambitionierte Ziele steckt, kann für das Nichterreichen belangt werden.
Warum es dennoch wichtig und richtig ist
Nehmen wir das Vertrauen in demokratische Institutionen. Studien wie der eGovernment Monitor zeigen: Das Vertrauen schwindet und das auch bei jungen Menschen. Für meine Generation geht es dabei nicht um abstrakte Umfragewerte, sondern um unsere Zukunft.
Genau hier liegt die Chance wirkungsorientierter Politik: Wenn Politiker:innen sinnvolle Hebel wie die Ausweitung von Partizipationsmöglichkeiten, höhere Transparenz oder besseren digitalen Zugang mit messbaren Indikatoren hinterlegen, lässt sich die Wirkung ihrer politischen Ziele überprüfen und steuern. So werden auch abstrakte, große Ziele wie ein gesteigertes Vertrauensniveau erreichbar. Wer sich traut, ambitionierte Ziele zu formulieren und sich daran zu messen, geht Risiken ein, übernimmt aber auch Verantwortung. Und das schafft Vertrauen. Das wirkt auch nach innen: Sichtbare Wirkung der eigenen Arbeit führt zu gesteigerter Motivation und treibt Verbesserungen voran. Die Alternative, vage Absichtserklärungen ohne Konsequenzen, kostet uns langfristig viel mehr.
In einer Abfrage unter Bundesministerien (Frühjahr 2024/25) gaben rund 75 Prozent an, projektbezogene Daten zu erheben; nur etwa 53 Prozent hatten jedoch vorab Benchmarks festgelegt, an denen sich Erfolge oder Misserfolge verlässlich dokumentieren lassen. Die Hürden sind bekannt: fehlende Indikatoren zur Einordnung vorhandener Daten, unzureichende digitale Infrastruktur und Lücken bei der Datenkompetenz. Das ist kein Grund zur Resignation, sondern eine Arbeitsliste, mit der sich das datenbasierte Potenzial der digitalen Transformation ausschöpfen lässt.
Daten, Daten, Daten und warum wir sie benötigen werden
Messungen, Replikation, Falsifizierbarkeit: Alles wissenschaftliche Standards, die genauso für politisches Handeln gelten sollten. Die nächste Generation wird den Staat der Zukunft an Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit messen – und genau das einfordern. Im Kontext der digitalen Transformation ist es die logische Konsequenz, mit Daten zu arbeiten, ihr Potenzial zu erkennen, zu nutzen und bereitzustellen. In unserem Forschungsprojekt E-Valuate zeigt sich, wie bei vielen anderen Projekten, dass nichts von Anfang an perfekt ist und ein kleiner Hang zum Daten-Nerdismus nicht schadet. Richtig eingesetzt ist Datenarbeit nicht (nur) Kontrolle, sondern Befähigung.
Wirkungsorientierung also doch spannend? Für alle, die zur Befähigung der aktuellen Politik beitragen wollen, eine Empfehlung: Beim Abschlussevent des E-Valuate Projekts am 6. November ab 16:00 Uhr im Silent Green im Wedding diskutieren wir gemeinsam mit Vertreter:innen aus Politik und Praxis, wie politische Ziele messbar werden und wir gemeinsam endlich in die Umsetzung kommen können.
Nina Teresa Brändle ist studierte Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin und derzeit Masterstudentin der International Affairs/Affaires internationales an der Freien Universität Berlin und der SciencesPo Paris. Seit August arbeitet sie im Forschungsprojekt E-Valuate der Agora Digitale Transformation.
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