Damit die Wallet überzeugt : Was die Regierung tun muss, um die Eudi-Wallet zu aktivieren
Deutschland braucht jetzt eine Aktivierungsstrategie für die Eudi-Wallet, findet Lorène Slous vom Bitkom. Aber dann kann das Digitalministerium es schaffen, bis zum 2. Januar eine überzeugende Wallet bereitzustellen.
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Deutschland hat beim Aufbau der Eudi-Wallet keine Zeit mehr zu verlieren. Am 2. Januar 2027 muss die staatliche Wallet verfügbar sein. Und sie ist mehr als ein Digitalprojekt unter vielen, es geht um den Aufbau einer zentralen Infrastruktur für digitale Identitäten in Deutschland und Europa. Entscheidend für den Erfolg wird sein, ob zum Start eine Lösung entsteht, die Bürgerinnen, Bürger, Verwaltung und Wirtschaft überzeugt.
Mit dem Entwurf eines Digitale-Identitätengesetzes wird die europäische Eidas-Verordnung national umgesetzt. Es schafft erstmals eine nationale Grundlage für eine Wallet, die digitales Identifizieren, Signieren und die Nutzung digitaler Nachweise zusammenführt.
Allerdings sollte der Gesetzentwurf an mehreren Stellen präzisiert werden. Das betrifft insbesondere die Abgrenzung von Akzeptanz und Ausstellungspflichten, die konkrete Ausgestaltung zentraler Verordnungsermächtigungen sowie die Einbindung von Ländern und Kommunen in das Wallet-Ökosystem. Ebenso wichtig sind klare Leitplanken für Sicherheit, Interoperabilität und europäische Anschlussfähigkeit. Die Wallet darf kein deutsches Sonderprojekt werden, sondern muss von Anfang an in das europäische Ökosystem passen.
Technik wird schrittweise entwickelt
Technisch ist die Entwicklung bewusst schrittweise angelegt. Die Sprind (Agentur für Sprunginnovationen) entwickelt im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung die staatliche Eudi-Wallet und hat mit der Sandbox einen wichtigen Test- und Erprobungsraum geschaffen. Dort können Unternehmen, Verwaltung und weitere Partner konkrete Anwendungen testen. Erprobt werden dabei sowohl Use Cases rund um die Personenidentifikation als auch Anwendungen mit digitalen Nachweisen. Bis Anfang März wurden mehr als 150 Use Cases aus verschiedenen Branchen eingereicht. Mehr als 50 Anwendungen sind für die Teilnahme an der Sandbox angemeldet, erste konnten bereits erfolgreich umgesetzt werden. Ziel ist, dass zum Start nicht nur eine App existiert, sondern erste alltagstaugliche Anwendungsfälle tatsächlich funktionieren.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Vorbereitung der Verwaltung. Die Wallet entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn Bürgerinnen und Bürger sie in konkreten Verwaltungsprozessen einsetzen können. Hier laufen wichtige Vorarbeiten, etwa zur Anbindung an die Bund-ID und zur Integration in Verwaltungsdienste. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt Dresden und der Sprind wird untersucht, wie die Wallet sicher und nutzerfreundlich in Verwaltungsprozesse eingebunden werden kann. Dabei geht es unter anderem um die digitale Identifikation mit Personenidentifikationsdaten, die Ausstellung von Nachweisen über Verwaltungswege und technische Schnittstellen zu Online-Diensten. Damit das alles gelingen kann, braucht es eine enge Verzahnung mit der Registermodernisierung.
Wirtschaft und Menschen sind bereit
In der Wirtschaft ist das Interesse bereits groß. Nach einer Bitkom-Studie wollen 82 Prozent der Unternehmen in Deutschland die Eudi-Wallet einsetzen. Rund die Hälfte plant, bereits bis Ende 2026 mit der Einführung zu beginnen. Zudem haben das Digitalministerium, Bitkom und rund 120 Unternehmen ein Memorandum of Understanding zur erfolgreichen Einführung der EUDI-Wallet unterzeichnet. Das ist ein starkes Signal.
Und auch bei den Bürgerinnen und Bürgern gibt es eine große Bereitschaft, die Wallet zu nutzen. Aktuell sagen bereits mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland, dass sie die EUDI-Wallet nutzen wollen, sobald sie verfügbar ist. Allerdings wird dafür die Online-Funktion des Personalausweises nötig sein – und viele haben diese Funktion bisher nicht aktiviert, andere kennen ihre PIN nicht mehr. Wenn dieses Problem nicht gelöst wird, kann die beste Wallet schon beim Start scheitern.
Aktivierungsstrategie jetzt!
Wir brauchen jetzt eine klare Aktivierungsstrategie. Der angekündigte vorübergehende PIN-Rücksetzdienst per Brief kann nur ein Zwischenschritt sein. Es braucht eine dauerhafte, einfache digitale Lösung. Und vor allem eine breite Kommunikationskampagne, die erklärt, was die Wallet ist, warum sie sicher ist und wofür sie konkret genutzt werden kann.
Deutschland kann es schaffen, bis zum 2. Januar 2027 eine überzeugende Eudi-Wallet-Lösung bereitzustellen. Dazu gilt es jetzt zu priorisieren: klare gesetzliche Grundlagen, starke Startanwendungen, eine funktionierende Verwaltungsanbindung, echte Einbindung der Wirtschaft und eine verständliche Ansprache der Bürgerinnen und Bürger. Die Wallet muss nicht sofort alles können. Sie muss am ersten Tag zeigen, dass digitale Identität in Deutschland einfach, sicher und nützlich sein kann.
Lorène Slous ist Referentin für Digitale Identitäten und Vertrauensdienste beim Digitalbranchenverband Bitkom.
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