Frequenzvergabe : WLAN im 6-GHz-Band ist die Voraussetzung für Europas KI-Ziele
Bisher haben die EU-Mitgliedstaaten noch keine Entscheidung in Bezug auf das obere 6-GHz-Band getroffen. Die öffentliche Konsultation läuft noch wenige Tage. Zur Debatte steht, ob das Frequenzspektrum Mobilfunktechnologien wie 5G zugewiesen wird, oder ob es ohne Lizenz für alle verfügbar sein soll.
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Die EU-Regulierungsbehörden haben gerade eine öffentliche Konsultation durchgeführt, die über den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg der KI-Ambitionen in Europa entscheiden kann. Eine der zentralen Fragen lautete, ob das obere 6-GHz-Band Mobilfunktechnologien wie 5G und 6G zugewiesen wird – also bestimmte Frequenzen einem Mobilfunkbetreiber exklusiv überlassen werden – oder ob es ohne Lizenz und Versteigerung für alle verfügbar sein soll.
Das mag sehr technisch klingen. Doch diese Entscheidung ist wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bei Künstlicher Intelligenz. Eine Studie der UPC Barcelona schätzt, dass es Europa 58 Milliarden Euro kosten wird – davon 13,7 Milliarden Euro allein in Deutschland –, wenn es bis 2030 nicht gelingt, WLAN im oberen 6-GHz-Band zu ermöglichen. Die Analyse beruht auf der Tatsache, dass Privathaushalte und Unternehmen in hohem Maße auf WLAN‑Konnektivität angewiesen sind – und diese Abhängigkeit durch KI weiter zunimmt.
Europa muss sich entscheiden
In Anbetracht dessen haben G7-Staaten wie die USA, Kanada, Australien, Großbritannien, Japan und führende Technologiestandorte wie Südkorea beschlossen, die lizenzfreie Nutzung des 6-GHz-Bands zu priorisieren. Europa hat noch keine Entscheidung getroffen. Es ist jedoch besorgniserregend, dass der Entwurf der Stellungnahme, auf den sich die Entscheidung der Europäischen Kommission stützt, nicht einmal berücksichtigt, wie sich die Frequenz-Optionen auf andere Technologien als 5G und 6G auswirken.
Bei dieser Debatte geht es nicht darum, die eine Technologie einer anderen vorzuziehen. Sowohl WLAN als auch 5G sind unverzichtbar. Wir als Technologieanbieter Cisco wissen das genau, da wir uns mitten in diesem Ökosystem bewegen. Hier geht es um physikalische Gegebenheiten, nicht um Protektionismus.
Frequenzspektrum eignet sich für WLAN
Technologien passen zu unterschiedlichen Aufgaben: Aufgrund seiner Eigenschaften ist das obere 6-GHz-Band besonders gut für die lizenzfreie Vernetzung in Innenräumen geeignet, denn Funkwellen verhalten sich je nach Frequenzbereich unterschiedlich. Je höher die Frequenz, desto kürzer die Wellenlänge. Das ist bedeutsam, da kürzere Wellen keine großen Entfernungen zurücklegen und Wände schwerer durchdringen. Im 6-GHz-Band werden Signale von Baumaterialien leichter absorbiert und abgeschwächt als bei niedrigeren Frequenzen. Das macht dieses Band für 5G weniger geeignet, da die Signale keine großen Entfernungen zurücklegen können und moderne, energieeffiziente Gebäude nur schwer durchdringen. Im Gegensatz dazu eignet sich dieses Frequenzspektrum perfekt für den WLAN-Betrieb, bei dem es im gesamten Gebäude WLAN-Zugangspunkte gibt und viele drahtlose Netzwerke nebeneinander betrieben werden können.
Heute werden etwa 80 Prozent des drahtlosen Datenverkehrs in Innenräumen über WLAN-Netzwerke übertragen. Durch KI wird der Anteil an diesem Datenverkehr enorm steigen. Laut dem Cisco-Report „The Impact of AI on Wide Area Network Traffic“ werden innerhalb von zehn Jahren etwa 25 Prozent des gesamten Internetverkehrs auf KI-Inferenz entfallen. Agentic AI könnte das Volumen sogar um das Neunfache steigern. Ausgehend von technologischen und historischen Daten und Trends wird der überwiegende Teil dieses Datenverkehrs über WLAN laufen, nicht über 5G oder 6G. Fazit: Ohne ausreichende Frequenzen für WLAN wird Europa nicht über genügend Kapazitäten für KI verfügen.
Zusätzliche Bandbreite für KI
KI befindet sich nicht nur in weit entfernten Rechenzentren. Sie ist in den Fertigungshallen der Automobilindustrie, bei der Robotik in Operationssälen und in Büronetzwerken von zentraler Bedeutung. Denn sie verarbeitet Daten in Echtzeit dort, wo sie entstehen. Unternehmen nutzen bereits WLAN für ihre Betriebsabläufe, doch diese Netzwerke benötigen zusätzliche Bandbreite, um die ultraschnelle, dichte und latenzarme Konnektivität zu erreichen, die für KI-Inferenzprozesse in großem Maßstab erforderlich ist. Genau das können unlizenzierte Technologien im 6-GHz-Band leisten.
Letztendlich wird sich der KI-Datenverkehr dynamisch über ein Netzwerk aus Netzwerken bewegen – basierend auf Nutzungsszenarien, Abdeckung, Kapazität, Latenz und Kosten, nicht gemäß regulatorischer Klassifizierungen. Dieses Ökosystem erfordert eine nahtlose Verflechtung von 6G-, WLAN- und Satellitentechnologien, bei der jede Schicht von Bedeutung ist. Verweigert man dieser Schicht das benötigte Frequenzspektrum, wird das zum Engpass für die gesamte KI-Wirtschaft. Hier geht es um physikalische Gegebenheiten, nicht um Protektionismus.
Europa sollte sich den G7-Partnern anschließen
Bei Cisco entwickeln wir Lösungen sowohl für lizenzierte Mobilfunknetze als auch für lizenzfreie WLAN-Netze, und unsere Kunden umfassen alle Branchen und Anwendungsbereiche. Diese Perspektive verschafft uns eine besondere Einsicht: Es geht nicht darum, eine Technologie gegenüber einer anderen zu bevorzugen, sondern darum, die richtige Lösung für die jeweilige Aufgabe zu finden.
Die physikalischen Eigenschaften des Frequenzbands, wirtschaftliche Erwägungen und die technologische Entwicklung führen allesamt zu derselben Schlussfolgerung: Sollte sich Europa nicht seinen G7-Partnern anschließen, die das obere 6-GHz-Band bewusst für die lizenzfreie Nutzung freigegeben haben, wird dies die eigenen Unternehmen benachteiligen. Denn dann fehlen ausreichende Kapazitäten, um hochdichte Netzwerke mit geringer Latenz aufzubauen, die neue digitale Anwendungen erfordern und auf die gerade industrielle KI angewiesen ist.
Diane Mievis verfügt über fast 20 Jahre Erfahrung im Bereich Public Affairs für die Öffentliche Hand und im Technologiesektor. Seit fünf Jahren verantwortet sie bei Cisco die EU-Frequenz- und Konnektivitätspolitik in Brüssel und vertritt das Unternehmen bei wichtigen Veranstaltungen wie dem Mobile World Congress und der European Spectrum Conference.
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