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Digitalisierung & KI

Standpunkt

Wie wir Tech mit Mehrwert für Deutschland schaffen

Angelika Gifford, EMEA-Chefin von Meta
Angelika Gifford, EMEA-Chefin von Meta Foto: Meta

Das Metaversum wird die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, wirtschaften und lernen fundamental verändern, glaubt die Meta-Managerin Angie Gifford. Die Fehler der frühen Phase des Internets sollten wir nicht wiederholen. Stattdessen müssten jetzt die richtigen Leitplanken gesetzt werden, damit das Metaverse einen echten Mehrwert für Deutschlands digitale Transformation bietet. Eine Einladung.

von Angelika Gifford

veröffentlicht am 24.05.2022

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Die Digitalisierung ist allgegenwärtig. Sie transformiert Prozesse, Produkte und ganze Geschäftsmodelle, aber auch das gesellschaftliche Miteinander und unsere Kommunikation. Doch wo stehen wir momentan, vor allem in der Wirtschaft? Dieser Frage habe ich mich gemeinsam mit 21 Vordenker:innen und Führungskräften  der deutschen Wirtschaft in meinem kürzlich erschienenen Buch „Die Digitale Dekade – Wie wir unsere Wirtschaft transformieren können“ gewidmet. Denn: Technologie setzt in den 2020er Jahren Impulse für unternehmerisches Denken und Handeln wie kaum zuvor. Bitkom-Chef Achim Berg betont beispielsweise, wie zentral die Digitalisierung für Nachhaltigkeit, Krisenresilienz und digitale Teilhabe ist. Gleichzeitig mahnt Katrin Suder, Vorsitzende des Digitalrats der Bundesregierung, dass Technologien nicht mehr nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind, sondern eine ebenso wichtige gesellschaftspolitische Dimension haben.

Was es jetzt braucht, sind der richtige Einsatz von Technologie, ihre clevere Ausgestaltung und ein effektives regulatorisches und ethisches Rahmenwerk, innerhalb dessen wir Technologien anwenden – kurz: Tech mit Mehrwert. Genau hier setzt die Vision des Metaversums an.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Potenziale des Metaversums

Im letzten Jahrzehnt haben sich Smartphones und soziale Medien zu unseren ständigen Begleitern entwickelt und uns einander näher gebracht als je zuvor. Das Metaversum ist aus unserer Sicht die nächste Stufe dieser Entwicklung. Es ist die nächste Generation des Internets, die Zukunft der sozialen Technologie. Ihre entscheidende Eigenschaft wird das Gefühl der Präsenz sein – als sei man direkt bei einer anderen Person oder an einem anderen Ort. Das Metaversum soll menschlichen Kontakt dabei nicht ersetzen; vielmehr soll es helfen, die ohnehin online verbrachte Zeit sinnvoller zu gestalten.

Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) spielen dabei eine Schlüsselrolle. Diese Technologien haben schon jetzt Auswirkungen auf unseren Alltag, die Gesellschaft, das Bildungs- und Gesundheitswesen und die Wirtschaft. Sie eröffnen völlig neue Möglichkeiten für Menschen und Unternehmen, zusammenzufinden und gemeinsam zu arbeiten. Einer von der unabhängigen Wirtschaftsberatungsfirma Analysis Group für Meta erstellten aktuellen Studiezufolge könnte die Metaversum-Wirtschaft innerhalb eines Jahrzehnts 2,8 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen und damit mehr als drei Billionen US-Dollar wert sein.

Und das Metaversum birgt nicht nur große wirtschaftliche Potenziale. Es kann den Zugang zu Bildungs- und Karrierechancen, Freizeit- und Kulturangeboten demokratisieren. Diese neue Technologie zeigt beispielhaft, wie wir als Wirtschaftslandschaft Deutschland, als Gesellschaft, aber auch als Staat vor die Welle des technologischen Fortschritts kommen müssen.

Das Metaversum im kritischen Entwicklungsstadium

Das Metaversum ist jedoch keine Vision, die von einem Unternehmen wie Meta allein gestaltet werden kann. In den letzten Jahrzehnten haben wir Technologien hervorgebracht, die unendlich viele Möglichkeiten bieten und deren Potenziale wir gerade erst zu verstehen beginnen. Gleichzeitig bergen sie auch Risiken, die wir vorhersehen und einhegen müssen. Es ist nie in Gänze vorhersehbar, wie sich eine Technologie auf die Gesellschaft auswirken wird, gerade wenn sie sich noch in den Kinderschuhen steckt. Auch das Metaversum befindet sich in einem kritischen Anfangsstadium seiner Entwicklung.

Wir arbeiten mit Experten aus Politik, Industrie und Wissenschaft zusammen, um seine Potenziale und Risiken verstehen und adressieren zu können. Leiten lassen wir uns dabei vom Grundsatz eines wertebasierten Technologieeinsatzes. Das bedeutet, verantwortungsvoll und inklusiv mit ihr umzugehen. Nur so können Technologien entwickelt werden, die allen zugutekommen.

Natürlich gibt es noch viele Herausforderungen, um das Metaversum so zu gestalten, dass es allen Menschen größtmögliche Chancen bietet. Wie können wir den Menschen mehr wirtschaftliche Chancen eröffnen und eine florierende digitale Wirtschaft aufbauen? Wie können wir unsere Produkte im Sinne des Datenschutzes mit mehr Transparenz und Kontrolle ausstatten? Wie können wir sicherstellen, dass diese Technologien inklusiv und zugänglich gestaltet sind? Und wie können wir dazu beitragen, dass sich die Menschen auf unseren Plattformen sicher fühlen?

Beim Aufbau des Metaversums steht der Mensch im Mittelpunkt. Technologische Innovationen und Entscheidungen sind nur dann richtig, wenn sie auch für die Menschen in unserer Gesellschaft gut sind. Es braucht also in jedem Anwendungsbereich klare rechtliche Grundlagen und einen gesellschaftlichen Konsens – beides frühzeitig und möglichst schritthaltend mit technologischer Innovation. Jede Unzulänglichkeit auf diesem Terrain gefährdet nicht nur unternehmerischen Fortschritt, sondern letztlich gesamtwirtschaftlichen Wohlstand und sozialen Frieden. Ziel muss sein, die Fehler, die in der Anfangsphase des Internets gemacht wurden, nicht zu wiederholen.

Die Zeit ist auf unserer Seite

Gerade weil das Metaversum nicht über Nacht entstehen wird, sondern eine kontinuierliche Entwicklung erfordert, haben wir die Chance und Zeit, diese Fragen zu diskutieren und Leitplanken aufzustellen. Nur so können Unternehmen am Ende digitale Tools – von KI bis zur Metaversum-Supertechnologie – so einsetzen, dass die Nutzenden im Mittelpunkt stehen.

Die derzeitige Debatte über den Umgang mit schlechtem, aber nicht illegalem Verhalten in den sozialen Medien und im Internet deutet auf die kommenden Diskussionen über unser soziales Miteinander im Metaversum hin. Ein solch vorausschauendes Handeln, das Führen solcher Diskussionen und die Schaffung solcher Grundlagen sind essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Werden wir ein Land sein, das neue Entwicklungen antizipiert, Technologie gestaltet, Fortschritt umarmt, Talente und Kreativität anzieht, und das echte digitale Verantwortung übernimmt? Am Ende dieser „digitalen Dekade“ werden wir es wissen.

Angelika Gifford ist die Vizepräsidentin für Europa, den Nahen Osten und Afrika (EMEA) bei Meta, und damit verantwortlich für die Geschäftsentwicklung von Diensten wie Facebook, Instagram, Whatsapp und Oculus. Zuvor war sie die Vizepräsidentin für Zentraleuropa. Sie hat mehr als 30 Jahre Erfahrung in führenden Tech-Unternehmen, darunter Hewlett-Packard und Microsoft. Vom Manager Magazin wurde Angie Gifford als eine der 100 einflussreichsten Wirtschaftsfrauen benannt. Sie ist Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke und im Aufsichtsrat von Thyssenkrupp tätig. Im April hat sie das Buch „Die digitale Dekade“ herausgegeben.

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