Bundesförderung effiziente Gebäude : Die BEG-Kürzung ist ein Weckruf für die stotternde Gebäudewende
Der Gebäudesektor ist das Sorgenkind der deutschen Klimapolitik. Nun gibt es insgesamt weniger Förderung für die Sanierung von Bestandsgebäuden. Tobias Frese, Co-CEO beim Sanierungsberatungsunternehmen Fuchs & Eule, rät Eigentümern dazu, Sanierungen weniger anhand von Förderverfügbarkeiten auszurichten.
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Der Gebäudesektor verfehlte auch 2025 gesetzte Klimaziele. Die vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) vorgelegte Reform der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) setzt nun zwar den richtigen Fokus auf besonders ineffiziente Gebäude. Insgesamt sinkt jedoch das Fördervolumen. Das könnte ein Problem werden, denn die Sanierungsquote liegt bereits seit Jahren hinter den gesteckten Zielen.
Auf Basis der neuen BEG-Regeln ist jedoch eher davon auszugehen, dass die Sanierungsquote kurzfristig kaum steigt und Eigentümer stattdessen eher selektiv sanieren werden. In der Reform im Juli war insbesondere das reduzierte Fördervolumen bei Mehrfamilienhäusern und Komplettsanierungen so nicht zu erwarten und keineswegs überzeugend.
Die Reform der BEG ist aber gerade deshalb ein Weckruf für die stotternde Gebäudewende. Sie macht sichtbar, wie riskant es ist, Klimapolitik und Investitionsentscheidungen zu stark an einzelnen Zuschüssen aufzuhängen. Und das Warten auf neue, umfassendere Förderprogramme scheint angesichts der Haushaltslage illusorisch.
Doch bereits jetzt ist klar, dass bis zum Jahr 2030 16 Prozent aller Nichtwohngebäude mit dem schlechtesten energetischen Zustand in der EU saniert werden müssen; bis 2033 insgesamt 26 Prozent. Für Wohngebäude gibt es ähnliche Vorgaben. An erster Stelle stehen Gebäude mit hohem Energieverbrauch, schlechtem energetischem Zustand, absehbarem regulatorischem Handlungsdruck oder ohnehin anstehenden größeren Instandhaltungen. Entscheidend ist für Eigentümer somit nicht die Frage, für welches Objekt gerade die attraktivste Förderung verfügbar ist. Die Frage muss lauten: Welche konkreten Maßnahmen haben den größten Effekt auf Betriebskosten, CO2-Ausstoß und Assetwert?
Anpassungen an der Förderung nötig
Folglich ergeben sich daraus klare Kernforderungen an den Gesetzgeber. Erstens braucht es einen verlässlichen Förder-Korridor bis mindestens 2030. Professionelle Eigentümer planen Investitionen über mehrere Jahre. Förderkonditionen, die kurzfristig geändert werden, erschweren belastbare Business Cases. Der Bund sollte deshalb frühzeitig festlegen, welche Gebäudekategorien und Maßnahmen über mehrere Jahre prioritär unterstützt werden.
Zweitens sollte die Förderung stärker portfoliobasiert funktionieren. Große Bestandshalter sanieren und planen Programme für Dutzende oder Hunderte Objekte. Denkbar wären mehrjährige Rahmenzusagen oder vereinfachte Programmanträge, bei denen ein verbindlicher Sanierungsfahrplan für ein Portfolio zugrunde gelegt wird. Das würde Bürokratie reduzieren und gleichzeitig Investitionen beschleunigen.
Drittens müssen Förderung und regulatorische Anforderungen enger zusammengeführt werden. Wenn der Gesetzgeber für besonders ineffiziente Gebäude konkrete Modernisierungsziele vorgibt, müssen Eigentümer frühzeitig erkennen können, welche ihrer Assets wann betroffen sind und welche Förderung dann grundsätzlich zur Verfügung steht.
Eine moderne, dezentrale Gebäudedatenbank wie auch in der Europäischen Gebäudeenergieffizienzrichtlinie (EPBD) vorgeschrieben kann hier eine sehr zentrale Rolle übernehmen. Zur erfolgreichen Realisierung müssen dazu jedoch einheitliche Standards in allen Bundesländern umgesetzt werden.
Weniger Förderoptimismus, mehr Priorisierung
Doch insgesamt gilt: Wer jetzt erfolgreich sanieren will, braucht weniger Förderoptimismus und mehr Priorisierung. Das gilt für private Eigentümer ebenso wie für professionelle Bestandshalter. Die nächste Förderrichtlinie kann niemand verlässlich vorhersagen. Welche Gebäude im eigenen Bestand zuerst saniert werden müssen, dagegen schon. Warten auf nächste Förderprogramme ist keine smarte Strategie.
Aus Bestandshalter-Sicht stellt sich daher die Frage: Wo lohnt es sich wirtschaftlich? Sanierungsstrategien nur vom Faktor Förderung abhängig zu machen, ist der falsche Weg. Worauf sollte der Fokus liegen, um den Bestand effizient zu sanieren? Diese Einzelentscheidungen sind in Summe auch wichtig für die Dekarbonisierung des gesamten Gebäudebestands.
Der zentrale Hebel dafür liegt in der Priorisierung. Die setzt voraus, dass Eigentümer den Zustand ihrer Gebäude in Zahlen kennen. Am Anfang steht deshalb eine möglichst genau kalkulierte Grundlage des Energiebedarfs einzelner Gebäude und ganzer Portfolios. Erst diese Datenbasis zeigt, wo die größten Verbräuche und damit die größten Hebel liegen. Auch weil Defizite am und im Gebäude früher sichtbar werden, lassen sich Instandhaltungsrückstände abbauen, bevor sie zum Wertverlust werden. Energieberatung wird weiterhin gefördert, damit sich Eigentümer hier professionelle Unterstützung einholen können.
Drei Stufen zur Modernisierung
Auf dieser Basis ordnen sich die weiteren Schritte in drei Stufen. Am Anfang steht die Feststellung des Ist-Zustands: Ein Energiebedarfsausweis zeigt, wo ein Gebäude energetisch tatsächlich steht. Darauf folgt ein klar strukturierter Sanierungsfahrplan, der mögliche Maßnahmen aufzeigt und in eine technisch und wirtschaftlich sinnvolle Reihenfolge bringt. Die dritte Stufe ist die Begleitung der Sanierung. Dazu gehört auch die Steuerung der Fördermittel, von der Antragstellung bis zum Verwendungsnachweis.
Darüber hinaus sollten Eigentümer heute dringend auf digitale Anwendungen setzen, etwa Digital Twins (3D-Modelle). Diese helfen parallel, technische und wirtschaftliche Berechnungen zu tätigen. Auf der Datenbasis dieser technologischen Komponente, können Maßnahmen so priorisiert werden, dass für das jeweilige Sanierungsziel ein möglichst gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis entsteht. Auch eine ergänzende sogenannte Stranding-Point-Analyse, also eine Übersicht, wann regulatorische Anforderungen oder ein schlechter energetischer Zustand zu wirtschaftlichen Risiken und Wertverlusten führen können, hilft bei der effizienten und wirtschaftlichen Dekarbonisierung.
Wenn die Förderungen nicht mehr verlässlich sind, kommt es umso mehr auf kluge Entscheidungen an. Die Datengrundlage ist dafür unerlässlich. Der Gesetzgeber sollte dafür die Grundlage schaffen - etwa mit der Gebäudedatenbank. Doch insgesamt sollte sich jeder Eigentümer, ob privat oder gewerblich, frühzeitig mit den Chancen und Risiken seiner Immobilien auseinandersetzen, um kluge, nachhaltig erfolgreiche Entscheidungen zu treffen.
Tobias Frese ist Mitgründer und Co-CEO des Berliner Start-Ups Fuchs & Eule. Das Jungunternehmen will die energetische Sanierung von Bestandsimmobilien mit datenbasierten Analysen und künstlicher Intelligenz vereinfachen.
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