Resilienz : It’s the Circular Economy, stupid!
Recycling ist für Georgios Chryssos nicht nur eine Frage der Ressourceneffizienz, sondern auch der Versorgungssicherheit. Der Vorstand der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien drängt dazu, die „urbane Mine“ Abfall zu erschließen. Zwar reift in der Politik langsam das Bewusstsein für die Kreislaufwirtschaft. Aber sie muss der Branche Mitsprache gewähren.
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Gleich mehrfach, und mit jedem Mal deutlicher, ist das politische Berlin in den letzten Wochen vor der parlamentarischen Sommerpause auf etwas gestoßen worden, das inzwischen eigentlich selbstverständlich sein sollte: dass Energie-, dass Umweltpolitik Sicherheitspolitik ist (siehe unter anderem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats BMWE und des WBGU). Viel ist in diesem Zusammenhang von deutschen Importabhängigkeiten die Rede gewesen – insbesondere von fossilen Energieträgern und von kritischen Rohstoffen. Denn sie erhöhen die Schockanfälligkeit unserer Volkswirtschaft enorm.
Höchste Zeit also, diese Abhängigkeiten endlich zu verringern. Im Bereich kritische Rohstoffe gelingt das durch eine echte Stärkung und den weiteren Ausbau der Kreislaufwirtschaft.
Wichtigste Voraussetzung dafür: das Bewusstsein, dass Abfall nicht länger Endergebnis irgendeines linearen Konsum- oder Produktionsprozesses ist, sondern Anfang jeder kreislaufwirtschaftlichen Aktivität. Abfall kann in seiner Gesamtheit im besten Sinne als „urbane Mine“ angesehen werden, die reich an wertvollen Rohstoffen ist. Wie wertvoll, wurde jüngst durch eine Studie im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) beziffert: Schon jetzt beläuft sich die Bruttowertschöpfung der Circular Economy auf 60 Milliarden Euro. 2045 könnten es bereits 125 Milliarden sein; kumuliert sogar 700 bis 880 Milliarden.
Hoffnung auf das Aktionsprogramm NKWS
In der Politik setzt sich dieses Bewusstsein langsam durch: Circular-Economy-Kapazitäten werden Schritt für Schritt gestärkt. Auf europäischer Ebene vor allem durch den Critical Raw Materials Act (CRMA), der unter anderem vorsieht, bis 2030 mindestens 25 Prozent des jährlichen Verbrauchs an strategischen Rohstoffen durch Recycling abzudecken, sowie durch den RESourceEU Action Plan.
Für Deutschland zentral ist darüber hinaus das jüngst verabschiedete Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (Aktionsprogramm NKWS), dessen Sprache eindeutig ist: Kreislaufwirtschaft als wichtiger „Pfeiler zur Diversifizierung der Rohstoffversorgung“ sowie „elementarer Bestandteil einer zeitgemäßen Wirtschafts- und Industriepolitik“ in Deutschland.
Schatz in der „urbanen Mine“: Batterien
Ein besonders wertvoller Rohstoff in der „urbanen Mine“ Abfall sind Batterien. Er ist derart wertvoll, dass er als „strategisch“ bezeichnet werden muss. Batterien sind zentral für die Elektrifizierung – sie sind das Herzstück von Elektromobilität und dezentraler Stromspeicherung. Die große Herausforderung aber auch hier: deutsche Importabhängigkeiten. Sowohl von Batteriezellen, die als Vorprodukte dienen (Hauptlieferant China, mit einem Anteil von 60 Prozent an den Gesamtimporten), als auch von Primärrohstoffen wie Lithium, das nahezu vollständig aus EU-Drittstaaten importiert wird, Kobalt, Grafit, Mangan und Nickel.
Eine gestärkte Kreislaufwirtschaft könnte diese Abhängigkeiten bis 2045 erheblich verringern: Die Studie im Auftrag des BDI geht von einer Reduzierung der Importquoten seltener Erden und strategischer Batteriematerialien um 20 Prozent beziehungsweise 10 Prozent aus.
Dafür braucht die Politik die Unternehmen der Batterieindustrie als Partner, denn sie allein verfügen über die notwendige Fach- und Marktexpertise, damit es in der Batterie-Kreislaufwirtschaft rundläuft. Die Politik weiß das. Sie plant im Rahmen des Aktionsprogramms NKWS, eine Umsetzungsplattform mit zentralen Stakeholdern einzurichten, und hat mit dem Batterierecht-Durchführungsgesetz zuvor bereits die Altbatteriekommission eingesetzt. Jedoch: Zu einem echten Mitspracherecht für die Unternehmen der Batterieindustrie hat die Politik sich bisher nicht durchringen können – sie sollen nur beraten und empfehlen dürfen.
Mitsprache institutionalisieren
In einer Entschließung hat der Deutsche Bundestag daher die Bundesregierung im September 2025 aufgefordert, bis zum 31. Juli 2026 alternative, weitergehende Lösungen zu prüfen. Konkret: die Etablierung einer eigenständigen Gemeinsamen Stelle der Batteriehersteller im neuen Batterierecht. Sie ist aus Sicht der Wirtschaft das vorzugswürdige Modell – marktnah und effizient.
Eine in unserem Auftrag von der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) erstellte Kurzstudie, die im Juni 2026 veröffentlicht wurde, bestätigt darüber hinaus: Eine industriegetragene Gemeinsame Herstellerstelle ist auch unionsrechtlich zulässig, wettbewerbskonform ausgestaltbar sowie verfassungsrechtlich abgesichert. Dem Prüfergebnis der Bundesregierung sehen wir deswegen mit großer Spannung entgegen.
Die Unternehmen der Kreislaufwirtschaft stehen bereit, die „urbane Mine“ Abfall zu erschließen – mit dem Ziel, Versorgungssicherheit und Resilienz Deutschlands zu erhöhen und die enormen Wertschöpfungspotenziale zu heben. Die Kreislaufwirtschaft zu stärken bedeutet gerade für sie aber auch: endlich institutionalisierte Mitsprache – im Batteriebereich zum Beispiel, aber auch im Textilbereich. Denn ohne sie, die Unternehmen der Kreislaufwirtschaft, geht zirkuläres Wirtschaften nun einmal nicht.
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