Dekarbonisierung : Investitionen in saubere Energie werden immer wichtiger
Die kommenden Jahre sind entscheidend für einen nachhaltigen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Die Investitionen in saubere Energien übersteigen zwar schon jetzt die Ausgaben für fossile Brennstoffe bei weitem. Aber das reicht nicht, um den Klimawandel entscheidend zu verlangsamen. Deshalb müssen die Rahmenbedingungen für Klimainvestitionen vor allem in Schwellenländern pragmatisch ausgestaltet werden, fordert Elodie Laugel, Chief Responsible Investment Officer von Amundi.
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Betrachtet man die Auswirkungen des Klimawandels, stehen aus wirtschaftlicher und finanzieller Sicht immense Summen auf dem Spiel, die kürzlich sogar nach oben korrigiert wurden. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die direkten und indirekten klimabedingten Schäden von heute 300 Milliarden Dollar auf 1,8 Billionen US-Dollar pro Jahr bis zum Ende des Jahrhunderts ansteigen werden. Darüber hinaus könnte ein globaler Temperaturanstieg von ein Grad Celsius die weltweite Wirtschaftsleistung (BIP) um zwölf Prozent reduzieren, eine Zahl, die sechsmal höher ist als bisher angenommen. Diese düsteren Aussichten werden durch einen verzögerten Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft noch verschärft, was die physischen Risiken für die Bevölkerung und die Lieferketten erhöht und gleichzeitig die Übergangsrisiken vergrößert, welche die finanzielle Stabilität bedrohen.
Fünf Billionen Dollar jährlich
Trotz dieser gewaltigen Herausforderungen gibt es viele gute Beispiele und Initiativen, um das Klima zu schützen, aber es muss in jeder Hinsicht mehr investiert werden, um die globale Erwärmung zu verlangsamen. Der weltweite Bedarf an Investitionen zur Eindämmung des Klimawandels wird auf fünf Billionen Dollar pro Jahr geschätzt, wovon zwei Billionen Dollar auf die Schwellenländer entfallen.
Die derzeitige globale Klimafinanzierung beläuft sich auf etwa 1,3 Billionen Dollar – doppelt so viel wie in den Vorjahren, aber immer noch weit entfernt von dem, was benötigt wird. Der Schwerpunkt der Finanzierungen liegt auf der EU, den USA, China, Indien und Japan. 85 Prozent des Kapitals werden heute im Inland aufgenommen und ausgegeben. Die internationalen Kapitalflüsse sind nach wie vor weitaus geringer.
Finanzierung muss gezielt Schwellenländer erreichen
Die Schwellenländer erhalten nur ein Viertel der von ihnen benötigten Klimafinanzierung, obwohl sie stark von fossilen Brennstoffen abhängig und großen physischen Klimarisiken ausgesetzt sind. Um diese Lücke zu schließen, müssen sowohl die öffentlichen als auch die privaten Investitionen erheblich gesteigert werden. Öffentliche Mittel allein können den Finanzierungsbedarf nicht decken; private Investitionen sind entscheidend. Die Strategien zur Klimafinanzierung umfassen mehrere wichtige Ansätze:
Green Bonds sind mit Sicherheit die beliebteste Wahl für Investoren. 2024 erreichten die weltweiten Emissionen grüner Anleihen den Rekordwert von 571 Milliarden Dollar, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den Vorjahren bedeutet. Vor allem die Schwellenländer außerhalb Chinas verzeichneten einen Anstieg der Emissionen von Green Bonds um 81 Prozent. Aber trotzdem entfällt mehr als drei Viertel des gesamten Emissionsvolumens auf die Industrieländer. Die Herausforderungen in den Schwellenländern sind vielfältig, da die Finanzmärkte noch nicht sehr weit entwickelt sind, es dadurch weniger Kapazitäten gibt und Datenlücken bestehen und das Risikoprofil nicht immer mit der Risikotragfähigkeit internationaler Investoren vereinbar ist.
Transformative Rolle für Blended Finance
Hier kann Blended Finance, also Public Private Partnerships (PPP), eine transformative Rolle spielen, um größere Geldströme dorthin zu lenken, wo der Finanzierungsbedarf besteht. PPPs unterstützen die Entwicklung von passenden Rahmenbedingungen und bieten internationalen Investoren Investitionsmöglichkeiten mit dem richtigen Risiko-Rendite-Verhältnis durch Mechanismen der Risikoteilung.
Der Aufbau solcher Strukturen liegt auch in der Verantwortung der Finanzindustrie. Es ist entscheidend, dass Banken und Asset-Manager aktiv Kooperationen mit öffentlichen und privaten Investoren aufbauen, um nachhaltige Finanzierungen in den Schwellenländern zu fördern. Passende Finanzpartner spielen dabei eine wichtige Rolle, um beispielsweise die Programme vor Ort zu verwalten und die lokalen Finanzinstitute zu schulen, um so das Wachstum von Green Bonds auszubauen.
Neben Green Bonds und Blended Finance ist Climate Finance der dritte entscheidende Hebel, um Net-Zero-Investitionsstrategien weiter auszubauen. Hier geht es weniger um die Finanzierung als vielmehr um Investitionen in Unternehmen, die bei ihrer eigenen Transformation mit klaren Emissionsreduktionszielen auf Portfolio-Ebene begleitet werden.
Aber egal, welchen der skizzierten Hebel man ansetzt: Die Verantwortung und das Engagement der Finanzindustrie spielt bei allen klimabezogenen Anlageprodukten eine gravierende Rolle. Alle Akteure müssen eine aktive Rolle bei den Klimastrategien einnehmen und einen konstruktiven, pragmatischen, aber zielgerichteten Dialog führen, der über Sektoren und Länder hinausgeht.
Regulierungsrahmen für Transformationsfinanzierungen
Viele der Herausforderungen bestehen in den Emerging Markets, aber die Industrienationen sollten sich nicht zurücklehnen. Insbesondere die europäische Sparquote stellt bisher ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial für Klimainvestitionen dar. Diese sind nicht immer gleichbedeutend mit grünen Investitionen.
Die Weltwirtschaft, das ergeben Amundi-Daten, ist im Sinne der EU-Taxonomie nur zu fünf Prozent grün, was bedeutet, dass die Klimafinanzierung auch den Übergang der restlichen 95 Prozent unterstützen sollte. Hier ist ein Regulierungsrahmen notwendig, um eine Kapitalallokation zugunsten von Unternehmen ermöglichen, die noch nicht grün sind, ohne dass die Gefahr eines Greenwashing-Angriffs oder eines Missverhältnisses zwischen den Präferenzen der Endkunden besteht. Darüber hinaus müssen Privatanleger noch umfassender über verantwortungsvolle und klimafreundliche Investitionen informiert werden, und zwar durch einfache Informationen, die sich auf ihren eigenen Entscheidungsprozess beziehen, so dass sie durch einen vereinfachten Dialog ihrerseits in der Lage sind, gezielte Entscheidungen zu treffen.
Klimafinanzierung für globale Stabilität
Das Instrumentarium für die Klimafinanzierung ist für Investoren und Privatanleger vorhanden und muss genutzt werden, um das Kapital dorthin zu lenken, wo der Finanzierungsbedarf besteht. Auch wenn die Herausforderungen, insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern, noch zunehmen, ist es wichtig, hier Anreize zu setzen, um die Klimafinanzierung weiterzuentwickeln.
Die Welt ist an einem Punkt, an dem es bei Klimafinanzierung nicht nur um das Klima geht, sondern auch um Energiesouveränität, Industrieplanung und Wirtschaftswachstum. Die geopolitische Dynamik verstärkt Unsicherheiten und Risiken, aber Klimapolitik und Wettbewerbsfähigkeit sind heute untrennbar miteinander verbunden. Die Bewältigung des Klimawandels durch gezielte Finanzierung ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine entscheidende wirtschaftliche und finanzielle Priorität für globale Stabilität und Wohlstand.
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