Europäische Impfwoche : Prävention stärken gegen den hohen Krankenstand
Impfungen verhindern nicht nur schwere Krankheitsverläufe, sondern leisten auch einen entscheidenden Beitrag zur volkswirtschaftlichen Stabilität, indem sie Arbeitsausfälle reduzieren, Produktivität sichern und die Funktionsfähigkeit von gesamten Wertschöpfungsketten gewährleisten. Dabei zeigen Auswertungen des vfa: Ein relevanter Teil der Fehlzeiten in Deutschland wäre prinzipiell vermeidbar, schreibt Verbandsexperte Benedikt Fabian im Standpunkt.
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Die WHO unterstreicht in der Impfwoche in diesem Jahr die Notwendigkeit und den Wert einer lebenslangen Impfversorgung. Dass Impfungen in jeder Lebensphase einen wichtigen Gesundheitsbeitrag leisten, zeigt ein Blick auf die erwerbstätigen Erwachsenen. Seit einigen Jahren ist der Krankenstand in Deutschland anhaltend hoch. Viele Effekte tragen dazu bei. Insbesondere Atemwegserkrankungen haben einen erheblichen Anteil am hohen Krankenstand. Doch auch andere eigentlich impfpräventable Erkrankungen haben einen Einfluss auf die Zahl der Krankschreibungen (AU). Dazu zählen neben Grippe (Influenza), Covid-19 und Keuchhusten beispielsweise HPV-assoziierte Erkrankungen und Gürtelrose.
So waren im Jahr 2024 fast sechs Prozent der Arbeitnehmer:innen mindestens einmal mit einer impfpräventablen Erkrankung arbeitsunfähig gemeldet. GKV-Versicherte mit einer Grippe-Diagnose waren im Schnitt 9,4 Tage krankgeschrieben. Im Vergleich dazu war die AU-Dauer bei Versicherten mit Gürtelrose mit 18,5 Tagen doppelt so hoch. Durchschnittlich dauerten diese Krankschreibungen fast zwei Wochen (10,5 AU-Tage). Insgesamt summierten sich diese impfpräventablen AU-Tage von allen GKV-Versicherten, die mindestens einmal krankgeschrieben waren, auf 28.588.880.
Auch die Entwicklung des Anteils der impfpräventablen AU-Tage an allen AU-Tagen hat sich in den Pandemie-Jahren stark verändert. Zuletzt betrug der Anteil im Jahr 2024 37 Prozent bei GKV-Versicherten, die mindestens einmal krankgeschrieben waren.
Covid-19-Pandemie als Zäsur
Insgesamt lässt sich die Zehn-Jahres-Betrachtung der AU-Entwicklung einteilen in eine präpandemische Phase mit einer relativ stabilen AU-Prävalenz und eine postpandemische, hoch dynamische Phase mit einer erheblich erhöhten AU-Prävalenz. Während zwischen 2015 und 2019 die AU-Prävalenz zwischen 1172 und 1778 pro 100.000 minimal schwankt, sind im Zeitraum 2020 bis 2024 stärkere Unterschiede zu beobachten. 2022 wurde mit 19.221 AU-Fällen pro 100.000 GKV-Versicherten der Spitzenwert erreicht, auch in 2024 lag die AU-Prävalenz bei 5714 Fällen pro 100.000 und deutlich über dem Niveau vor der Pandemie.
Maßgeblichen Anteil an dieser dynamischen Entwicklung haben respiratorische Erkrankungen wie Grippe und Covid-19, doch auch Gürtelrose und Erkrankungen im Zusammenhang mit HPV tragen zu den erhöhten AU-Zahlen bei.
Impfungen bei Erwachsenen: viel Potenzial bleibt ungenutzt
Die Ergebnisse unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung von Erwachsenenimpfungen. Der Nutzen entsprechender Impfprogramme ist längst bekannt, das Office for Health-Economics vermutet aufgrund von Modellrechnungen einen 19-fachen Return-on-Invest, der in Deutschland sogar auf einen 22-fachen Mehrwert steigen könnte.
Um dieses Potenzial nutzbar zu machen, ist es wichtig, gerade erwerbstätigen Erwachsenen in ihrem Alltag das Impfen so einfach wie möglich zu machen und buchstäblich nahezubringen. Es gibt zahlreiche konkrete Schritte, die dies maßgeblich unterstützen:
- die Ausweitung niedrigschwelliger Impfangebote in Apotheken,
- die Einführung des eImpfpasses in der elektronischen Patientenakte mit Recall-Reminder-Systemen,
- und vor allem der Abbau bürokratischer Hürden beim betrieblichen Impfen, die die Abrechnung und Impfdokumentation nach wie vor erheblich erschweren.
Denn auch hier in Deutschland besteht noch viel Entwicklungsbedarf. Die Impfquoten in vielen Bereichen sind niedrig. Ein Grund, den ungeimpfte Personen dafür angeben, sind Hürden bei der Inanspruchnahme. Dabei sind die Möglichkeiten für einen breiten Impfschutz in Deutschland so umfassend wie nie zuvor. Kluge Investitionen in die Stärkung von Impfungen und Prävention würden dieses Potenzial nutzbar machen und einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung leisten. Und dafür wirkt das Motto der Impfwoche in diesem Jahr als ermutigender Motivator: Impfstoffe wirken bei jeder Generation.
Dr. Benedikt Fabian ist Experte für Impfen und Prävention im Verband Forschender Arzneimittelhersteller.
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